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Land erwartet großen Heimbedarf
Immer mehr Brandenburger werden pflegebedürftig

Roswitha Schier fordert, den Pflegeberuf attraktiver zu machen.   
Roswitha Schier fordert, den Pflegeberuf attraktiver zu machen.   FOTO: Nestor Bachmann
Potsdam. Von Benjamin Lassiwe

Im Land Brandenburg könnten im Jahr 2040 bis zu 174 000 Menschen pflegebedürftig sein. Das geht aus einer Antwort des Potsdamer Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage der Lübbenauer CDU-Landtagsabgeordneten Roswitha Schier hervor, die der RUNDSCHAU vorliegt. Derzeit werden 21,9 Prozent der Pflegebedürftigen in stationären Pflegeheimen und rund vier Prozent in teilstationären Einrichtungen, etwa Tageskliniken, betreut. Die übrigen werden von ambulanten Pflegediensten oder Angehörigen versorgt.

Doch vor allem bei den Pflegeheimen rechnet das Land mit einem deutlich höheren Bedarf. Bislang stehen dort 25 821 Plätze zur Verfügung – doch wenn sich der Anteil der Pflegebedürftigen, die stationär betreut werden müssen, nicht verändert, werden 2040 mehr als 38 000 Menschen die Heime in Anspruch nehmen. Ein massiver Ausbau der Heimplätze wäre nötig.

„Aufgrund der geringen Entgelte der Pflegekassen rechnen sich Investitionen im Pflegebereich aber erst nach Jahrzehnten, wenn überhaupt“, sagt der Direktor des in Cottbus ansässigen Caritas-Verbands für die Diözese Görlitz, Bernd Mones, gegenüber der RUNDSCHAU. Von 1996 bis 2004 habe das Land den Trägern Investitionszuschläge gezahlt, dadurch konnte die heutige Struktur der Pflegeheime im Land geschaffen werden. „Das Land muss sich schnell mit den Trägern zusammensetzen und darüber reden, wie man dem wachsenden Bedarf entgegenkommen will“, sagt Mones. Ein Problem sei auch nach wie vor der Fachkräftemangel in der Pflege. Im Bereich der ambulanten Pflege gebe die Caritas mittlerweile Patienten an andere Dienste ab, weil man selbst nicht genug Mitarbeiter fände. Mones. „Wir sind an den Grenzen unserer Möglichkeiten angekommen.“

Auch die CDU-Abgeordnete Roswitha Schier sprach sich gegenüber der RUNDSCHAU für eine Attraktivitätssteigerung für den Pflegeberuf aus. „Letzlich brauchen wir mehr Pflegekräfte – damit die Menschen entlastet werden und ihre Arbeit wieder gern machen.“ Die Brandenburger CDU fordere schon lange, dass sich das Land an einer Umlage zur Ausbildung von Pflegekräften beteiligen solle. Zudem plädierte die Abgeordnete für die Schaffung eines Landespflegegeldes. „Heute kann sich ein ganz normaler Rentner kaum noch einen Pflegeplatz leisten“, so Schier. „Wir dürfen Menschen, die zu pflegen sind, nicht zum Sozialamt schicken.“ Das Land habe im Bereich der Pflege in den letzten Jahren viel zu wenig getan, so Schier. „Die Leute werden sich selbst überlassen.“