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Potsdam
Brandenburg legt Wolfsverordnung vor

Problemwölfe sollen mit Gummigeschossen vergrämt werden.
Problemwölfe sollen mit Gummigeschossen vergrämt werden. FOTO: Bernd Thissen / dpa
Potsdam. Das Brandenburger Umweltministerium hat am Dienstag seinen neuen Entwurf für eine Wolfsverordnung vorgelegt. Sie soll den Umgang mit Problemwölfen regeln. Von Benjamin Lassiwe

Im Streit um den richtigen Umgang mit dem Wolf ist ein neues Kapitel eröffnet: Pünktlich zur Sitzung des Landwirtschaftsausschusses des Potsdamer Landtags am heutigen Mittwoch hat Minister Jörg Vogelsänger (SPD) nun den ersten Entwurf einer Wolfsverordnung vorgelegt. Sie sieht zunächst das Verscheuchen und die Vergrämung von auffälligen Wölfen etwa mit Gummigeschossen vor. Als auffällig gelten Wölfe, die sich Menschen wiederholt auf weniger als 30 Meter annähern oder sich länger in Siedlungsgebieten aufhalten. Sollten diese Wölfe nicht vergrämt werden können, sollen sie geschossen werden.

Im Fall von bedrohten Nutztierherden legt die Verordnung umfangreiche Mindeststandards fest, die die Tierhalter erfüllen müssen: So sollen Schafherden durch „mindestens 4-litzige Elektrozäune (Bodenabstand der Litzen 20 - 40 - 65 - 90 cm) von jeweils mindestens 90 cm Höhe und einer Mindestspannung von 2.500 Volt“ geschützt werden. Gehegewild soll künftig von 1,80 hohen Drahtgeflechtzäunen mit Untergrabungsschutz gesichert werden, bei Rindern werden Festzäune mit bis zu vier stromführenden Stahldrähten vorgeschrieben. Erst wenn Wölfe trotz dieser Schutzmaßnahmen zweimal in einen Tierbestand eingedrungen sind, und die Herden darüber hinaus „durch alle zusätzlich zumutbaren Herdenschutzmaßnahmen geschützt waren“, dürfen die Raubtiere geschossen werden. Gelten soll die Verordnung jedoch nur außerhalb von Naturschutzgebieten. „Streit wird es ganz sicher auch in der Zukunft geben, aber wir wollen und müssen Schritt für Schritt zu einem bundesweit einheitlichen Wolfsmanagement kommen“, sagte Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD). Die Wolfsverordnung könne hierzu einen Beitrag leisten. „Dies wird aber nur gelingen, wenn alle Beteiligten auf der Grundlage des Naturschutzrechts bereit sind, Lösungen und gegebenenfalls Kompromisse zu akzeptieren.“

Die einschlägigen Landwirtschaftsverbände indes gingen gestern bereits wieder auf Konfrontationskurs. "Nach diesem Papier wird in Brandenburg nie ein Wolf geschossen, der Weidetiere bedroht, insofern brauchen wir darüber auch nicht weiter zu reden", schreibt der Geschäftsführer des Bauernbundes, Reinhard Jung, in einem Brief an Agrar-Staatssektretärin Carolin Schilde. Deutlich differenzierter, aber ebenfalls enttäuscht äußerte sich das „Forum Natur Brandenburg“, in dem sich diverse Landnutzerverbände zusammengeschlossen haben. „Der Entwurf erfüllt die in die Wolfsverordnung gesetzten Erwartungen nicht“, heißt es in einer Stellungnahme. „Akzeptanz für den Wolf schafft man so nicht!“, sagte Bauernverbandspräsident Henrik Wendorff, der auch Vorstandsmitglied im „Forum Natur“ ist. Das Papier biete keinen Ansatz zu einer praxisnahen Lösung der Konflikte zwischen Weidetierhaltern und Wolf. Der Vorsitzende des Waldbesitzerverbands, Thomas Weber, der ebenfalls Vorstand im Forum Natur ist, erklärte, der Grad an Praxisferne mache sprachlos. „Mit großen Arealen auf Truppenübungsplätzen und zusammenhängenden Waldgebieten haben wir in Brandenburg viel Potential für den Wolf“, sagte Weber. Deswegen brauche es aber auch „konsequente und handhabbare Regelungen im Bereich menschlicher Siedlungen und dort, wo Weidetiere gehalten werden.“ Die Verbände sprachen sich deswegen für eine Überarbeitung der Verordnung noch in diesem Jahr aus – und der Landwirtschaftsausschuss wird bei seiner heutigen Sitzung wohl jede Menge zu beraten haben.