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| 09:47 Uhr

Firma bleibt geheim
Brandenburg hat jetzt staatliche Problemwolf-Jäger

Eine private Firma hat jetzt den Zuschlag erhalten und darf auf Problemwölfe anlegen, um sie zu erschießen.
Eine private Firma hat jetzt den Zuschlag erhalten und darf auf Problemwölfe anlegen, um sie zu erschießen. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Potsdam. In Brandenburg gibt es jetzt staatliche Wolfsjäger, die im Falle eines Falles Tiere entnehmen dürfen. Staatssekretärin Carolin Schilde hat jüngst im Agrarausschuss des Landtags darüber berichtet, dass eine private Firma den entsprechenden Zuschlag erhalten habe. Von Mathias Hausding

Grundlage ist die Brandenburger Wolfsverordnung. Sie regelt, dass verhaltensauffällige Tiere verscheucht, vergrämt und sogar getötet werden dürfen, wenn sie sich gegenüber Menschen aggressiv verhalten oder wiederholt gut geschützte Nutztiere angreifen.

Welche Firma den Zuschlag erhielt, möchte das zuständige Landesamt für Umwelt (LfU) auf Nachfrage nicht sagen. Man sei zur Wahrung der Anonymität verpflichtet. „Ich erinnere an die heftigen Diskussionen und öffentlichen Anfeindungen im Zusammenhang mit den Abschüssen des sogenannten Problemwolfs Kurti oder des Braunbären Bruno“, so LfU-Sprecher Thomas Frey. Im Fall Bruno habe es seinerzeit sogar ernstzunehmende Morddrohungen gegen diejenigen gegeben, die den Bären erlegen sollten.

Es gehe bei der Wahrung der Anonymität auch darum, den Auftrag nicht zu gefährden, ergänzte Frey. „Es liegt im öffentlichen Interesse dafür Sorge zu tragen, dass Beauftragte nicht von einem Vertrag zurücktreten, nur weil die zugesicherte Vertraulichkeit nicht eingehalten werden kann.“

Für diese Geheimhaltung hat man auf Seiten der Landnutzer durchaus Verständnis. „Aber diese Geheimniskrämerei wäre gar nicht nötig gewesen, wenn die Vergabe anders gelaufen wäre“, ärgert sich Gregor Beyer, Geschäftsführer des Forums Natur Brandenburg, das unter anderem die Interessen der Jäger vertritt. Die Waidmänner hätten nämlich von Anfang an bekräftigt, dass sie für den Job bereitstehen. Man habe sich an der Ausschreibung beteiligt, aber nie eine Rückmeldung erhalten. „Um so überraschter waren wir, als die Staatssekretärin jetzt mitteilte, dass der Auftrag schon vor längerer Zeit an jene Firma gegangen ist“, erzählt Beyer.

Laut Landesumweltamt gilt der Vertrag seit Februar und hat eine Laufzeit bis November 2020. Ausschlaggebend für den Zuschlag waren demnach diverse Kriterien: Ausbildung in den Bereichen Umwelt, Forst, Agrar oder Tiermedizin, Erfahrung in der Bewertung verhaltensauffälliger Wölfe sowie Kenntnisse über die Biologie des Wolfes und sein Verhalten. Außerdem wird ein Jagdschein verlangt.

Im Landeshaushalt sind für die Dienste 50 000 Euro vorgesehen, was aber nur eine erste Annäherung sei, da es hier bundesweit kaum Erfahrungen gebe. „Bisher sind keine Kosten entstanden“, sagt Thomas Frey. „Und um Gerüchten entgegenzuwirken: Die vorgesehenen Landesmittel stellen keine Abschussprämie dar, sondern leiten sich aus dem erforderlichen Zeitaufwand ab.“

Gregor Beyer räumt ein, dass Jäger in der Regel nicht die für den Posten erforderlichen Anforderungen erfüllen. „Aber sie haben die Ortskunde. Das ist sehr entscheidend. Und sie sind bereit, sich weiterzubilden“, betont er. „Gegenstand unseres Angebotes war ein kostenneutrales Vorgehen, bei dem wir in jedem Landkreis des Landes mindestens drei Jäger für die sehr vielfältigen Aufgaben qualifiziert hätten und sofort entsprechende Personen zur Verfügung gestellt hätten.“

Dass sich das Land gegen dieses Angebot ausgesprochen habe, sei kein Beitrag zur Akzeptanz des Wolfes in der Jägerschaft, gibt Beyer zu bedenken. Es verletze das Selbstverständnis vieler Jäger, wenn nun gegebenenfalls Fremde in ihrem Revier aktiv werden. Diese Sorgen versucht das Landesamt zu zerstreuen. Der örtliche Jäger mit entsprechender Fachkenntnis habe bei einer Entnahme „den ersten Zugriff“, sagt Frey. Beyer befürchtet, dass diese Zusicherung in der Praxis ins Leere läuft, da den Jägern ohne Qualifizierung die Expertise etwa für das Vergrämen fehle.