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| 12:32 Uhr

Statistik
Brandenburg hat die meisten Verkehrstoten

Auf der A13 hat es im vergangenen Sommer mehrfach tödliche Unfälle gegeben.
Auf der A13 hat es im vergangenen Sommer mehrfach tödliche Unfälle gegeben. FOTO: Feuerwehr Lübbenau
Wiesbaden. Die gute Nachricht: Auf Deutschlands Straßen sind 2017 weniger Menschen gestorben. Die schlechte Nachricht: In Brandenburg ist der Trend umgekehrt. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahlen hat Brandenburg zusammen mit Sachsen-Anhalt die meisten Verkehrstoten.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, am Dienstag veröffentlicht, belegen, was sich in den vergangenen Monaten schon angedeutet hat: Auf Brandenburgs Straßen hat es 2017 deutlich mehr Verkehrstote gegeben. 148 waren es, 27 mehr als im Vorjahr. Umgerechnet auf eine Million Einwohner sind das 59 Verkehrstote. Einen ähnlich hohen Wert erreicht nur noch Sachsen-Anhalt. Sachsen kommt auf 36 Verkehrstote je eine Million Einwohner. Deutlich weniger sind es in Nordrhein-Westfalen (24 je eine Million Einwohner).

Deutschlandweit geht der Trend der vergangenen Jahre weiter. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland 3177 Tote im Straßenverkehr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse in Wiesbaden mitteilte. Die Zahl sank um 29 und damit auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik im Jahr 1953. Schon im Jahr zuvor war ein Rekordtief erreicht worden. 2017 wurden 388 200 Menschen auf deutschen Straßen verletzt und damit 2,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Den bislang vorliegenden Zahlen zufolge sank vor allem die Zahl getöteter Autofahrer, auch die Zahl getöteter Fußgänger ging zurück. Dagegen kamen 46 mehr Fahrer von Motorrädern und -rollern ums Leben sowie 30 zusätzliche Fahrer von Lastwagen, Sattelschleppern und anderen Güterkraftfahrzeugen.

Diese Entwicklung zeige, dass es noch viel zu tun gebe in Sachen Verkehrssicherheit, sagte der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), Siegfried Brockmann. Das gelte unter anderem für die Themen Ablenkung am Steuer durch Smartphones, Unfälle mit abbiegenden Lkws sowie die immer weiter zunehmende PS-Leistung von Motorrädern. „Hier gibt es kein wirklich überzeugendes Konzept“, sagte der Experte.

Die schlimmsten Unfälle des Jahres FOTO:

Die Gesamtzahlen seien zwar sehr erfreulich, ein grundsätzlicher Trend lasse sich aber nicht ablesen: „Seit 2010 gibt es relativ wenig Bewegung.“ Wäre der Sommer 2017 schöner gewesen, hätte es noch mehr Motorrad- und Fahrradunfälle gegeben, schätzte Brockmann. Im ersten Halbjahr sei nach dem schönen Frühjahr noch ein Anstieg der Verkehrstoten verzeichnet worden.

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) kritisiert mangelnden Fortschritt bei der angepeilten Verringerung der Zahl der Verkehrstoten. Deutschland hinke der selbstauferlegten Verpflichtung hinterher, von 2010 bis 2020 die Zahl um 40 Prozent zu reduzieren, teilte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt am Dienstag in Berlin mit. Nötig seien mehr Polizisten und eine bessere Technik, so dass Verkehrsteilnehmer jederzeit mit einer Kontrolle rechnen müssten. Wendt forderte, Notbremsassistenten für Lastwagen so zu gestalten, dass sie ab einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern nicht mehr abschaltbar seien. Dies könne Unfälle am Stauende vermeiden. Zudem müssten an Landstraßen mehr Schutzplanken aufgestellt werden.

Anfang der 1950er Jahre starben - BRD und DDR zusammengerechnet - noch knapp 8000 Menschen auf deutschen Straßen. Mitte der 50er Jahre stieg die Zahl auf rund 14 000. Der Höchstwert wurde 1970 mit 21 000 Verkehrstoten erreicht. Seither fällt die Kurve - mit kleinen Ausreißern - dank Gurtpflicht, Helmpflicht, niedrigerer Promille-Grenze und Sicherheitssystemen wie Airbags.

(dpa/bob)