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Alarm im Wald
Brandenburg erlaubt den Einsatz von Sau-Fängen

Das Foto zeigt einen Sau-Fang. Es ist nach entsprechendem Anfüttern relativ einfach, die Tiere in die Käfige zu locken.  In Leitlinien hat Brandenburgs Landwirtschaftsministerium jetzt den Einsatz der Fänge beschrieben.
Das Foto zeigt einen Sau-Fang. Es ist nach entsprechendem Anfüttern relativ einfach, die Tiere in die Käfige zu locken. In Leitlinien hat Brandenburgs Landwirtschaftsministerium jetzt den Einsatz der Fänge beschrieben. FOTO: MLUL
Herzberg. Alarm im Wald! Die drohende Afrikanische Schweinepest fordert vor allem die Jäger. Doch die sind „not amused“ – nicht begeistert. Von Frank Claus

In weiten Teilen Deutschlands fällt gegenwärtig ein Tabu nach dem anderen. Jedenfalls, was die Jagd auf Schwarzwild betrifft. Hintergrund ist die „immer näher rückende Seuchenfront der Afrikanischen Schweinepest“, wie es auf der Internetseite des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums heißt. Um die Schwarzwildpopulation deutlich zu reduzieren, haben Bundesländer Prämien in unterschiedlicher Höhe und nach unterschiedlichen Kriterien ausgelobt. Mecklenburg-Vorpommern zahlt eine „Pürzelprämie“ von 30 Euro pro erlegtem Wildschwein, in Sachsen zahlt nach Verlautbarungen nur der Landkreis Görlitz eine Prämie von fünf Euro, wobei das Land die Kosten für die Trichinenuntersuchung trägt, in Thüringen ist die Abschussprämie in der Planung, und Sachsen-Anhalt reicht 50 Euro für gefundene Kadaver aus, die zur Beprobung abgeliefert werden.

Brandenburg zahlt für jedes über der Abschussquote der in der Saison 2015/2016 erlegten Tiere 50 Euro und 30 Euro für abgelieferte Kadaverfunde. Doch das ist nicht alles: Das Land gestattet wie Rheinland-Pfalz den Einsatz von künstlichem Licht zur Jagd, wobei weder die Lampen noch andere Nachtsichtgeräte und Nachtzielgeräte mit der Waffe verbunden sein dürfen. In Sachsen ist ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, der den zeitlich befristeten Einsatz von Nachtsichtgeräten vorsieht. Das Verbot, bei der Jagd einen Schalldämpfer zu verwenden, solle ebenfalls aufgehoben werden.

Brandenburg hat nun auch die übliche Schonzeit für Bachen (1. Februar bis 15. August) ausgesetzt und erlaubt inzwischen den Einsatz sogenannter Sau-Fänge. In Sachsen steht der auch im Gesetzentwurf. Die Fänge dürfen allerdings nur aufgebaut werden, wenn die Oberste Jagdbehörde die entsprechende Genehmigung erteilt hat.

Zur Begründung dieser unter Jägern und Tierschützern sehr umstrittenen Fangmethode heißt es beim Brandenburger Landwirtschaftsministerium:  „In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte zweifelsfrei belegt werden, dass der Fallenfang, gerade bei einer so reproduktiven Wildart wie dem Schwarzwild, mit hohem Wirkungsgrad praktiziert werden kann.“

An Transitstrecken sind großflächige Tafeln, auf denen Hinweise zur Vermeidung der Ausbreitung der Schweinepest gegeben werden, installiert worden. Der Bund hat auch Radiospots in osteuropäischen Ländern geschaltet.
An Transitstrecken sind großflächige Tafeln, auf denen Hinweise zur Vermeidung der Ausbreitung der Schweinepest gegeben werden, installiert worden. Der Bund hat auch Radiospots in osteuropäischen Ländern geschaltet. FOTO: Bernd Wüstneck / dpa

Auf der Internetseite wird in einem Leitfaden der Einsatz von zwei mobilen Saufanganlagen vorgestellt. In diesen, zumeist zwei mal zwei Meter großen Käfigen mit speziellem Falltor ließen sich nach entsprechendem Anfüttern mehrere Wildschweine zugleich fangen. Für einen maximalen Fangerfolg, so heißt es weiter, sei es wichtig, „vor dem Fangereignis eine regelmäßige und länger andauernde Annahme durch die zu fangenden Tiere“ zu gewährleisten. Deshalb müsse die Gewöhnungsphase „eine Überwachung der Fanganlage, hauptsächlich mittels Fotofallen, beinhalten.“  Der eigentliche Fangvorgang habe, so ist es in den Richtlinien festgelegt, „immer kontrolliert zu erfolgen.“ Selbstauslösende „Falltüren“ dürfen nicht zum Einsatz kommen.

Das Schwarzwild sei „aus Arbeits- und Tierschutzgründen umgehend mit einer geeigneten Schusswaffe in der Falle zu erlegen.“ Um Stoß-­, Biss- und ähnliche Verletzungen des Fängers durch die Tiere zu vermeiden, solle die Tötung von außerhalb der Fanganlage vorgenommen werden. Da eine sichere und zielgenaue Schussabgabe nur durch die Führung der Waffe in den Fallenbereich hinein möglich ist, werde die Arbeit mit Langwaffen empfohlen. Fett hervorgehoben wird im Leitfaden: „Der Schuss auf den Gehirnschädel ist in jedem Fall vorgeschrieben und zwingend!“

In Elbe-Elster, so eine Aussage aus dem Landkreis, sei bislang nicht bekannt, ob Jäger bereits einen Antrag auf Errichtung von Sau-Fängen gestellt haben. Unter der Jägerschaft überwiege die Skepsis zur massiven Wildschweinreduzierung. Zunächst, so bekräftigt zum Beispiel Jörg Kohls, Vorsitzender des Jagdverbandes Bad Liebenwerda, müssten ausreichend Maßnahmen an den Transitstrecken erfolgen, um die Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern.  Eberhard Gessner von der benachbarten Hegegemeinschaft Weißhaus sieht die Sau-Fänge kritisch: „Welcher Jäger will schon gern auf diese Weise zehn Tiere hintereinander töten?“

FOTO: Jens Büttner / dpa