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| 01:04 Uhr

Bombenfunde reißen Löcher in Landeskasse

Potsdam.. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hat mehr Hilfen des Bundes bei der Beseitigung von Bomben und Munition gefordert. Die am Samstag in Potsdam entschärfte US-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg unterstreiche die anhaltende Gefährdung durch Blindgänger in Brandenburg, sagte Schönbohm. Foto: ddp


In Potsdam war eine 250-Kilogramm-Bombe entschärft worden. Dazu waren weite Teile der Innenstadt evakuiert worden. Die Aktion sei reibungslos verlaufen, teilten die Stadtverwaltung und die Einsatzleitung der Polizei mit. Etwa 5000 Menschen mussten ihre Wohnungen räumen, 800 Firmen und Geschäfte blieben geschlossen. Der Blindgänger war auf dem Gelände des Klinikums Ernst von Bergmann gefunden worden. Viele Patienten mussten das Klinikum verlassen.
220 Millionen Euro habe seit 1991 die Kampfmittelbeseitigung gekostet, sagte Schönbohm. Er kritisierte Überlegungen im Bundesfinanzministerium, die Kostenerstattung für die Bergung zu verringern. "Wenn der Bund seine Mittel weiter kürzt, wird die Beseitigung der Rüstungsaltlasten erheblich mehr Zeit benötigen." Brandenburg sei mit rund 400 000 Hektar Munitionsverdachtsflächen das am stärksten mit Alt-Munition belastete Bundesland. Allein seit 1990 wurden in der Landeshauptstadt 58 Bomben beseitigt. Ferner gab es 431 Zufallsfunde von Alt-Munition durch Bürger oder bei Bauarbeiten.

Kein Ende der Räumung
Je länger die alten Kampfmittel im Boden lägen, desto größer werde die Gefahr einer Selbstentzündung, warnte Schönbohm. Experten rechneten schon jetzt damit, dass es noch Jahrzehnte dauern werde, bis die Munitionsräumung in Brandenburg beendet sei. "Daraus darf nicht ein Jahrhundert werden." Die Folgen des Zweiten Weltkrieges seien ein gemeinsames geschichtliches Erbe, die Beseitigung deshalb eine gesamtstaatliche Aufgabe. Darum müsse der Bund die Bergungskosten vollständig übernehmen.
Der Entschärfung in Potsdam vorausgegangen war nach Angaben der Stadtverwaltung eine der kompliziertesten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der Landeshauptstadt. Am Freitag war in einer Sporthalle durch die Feuerwehr und ein Lazarett-Regiment der Bundeswehr ein provisorisches Krankenhaus eingerichtet worden. Dorthin wurden knapp 100 Patienten aus dem Klinikum verlegt. Viele weitere wurden in eine Zweigstelle des Krankenhauses gebracht oder vor- übergehend nach Hause entlassen.
"Die Bombe hätte bei unsachgemäßer Behandlung jederzeit explodieren können", sagte Mario Kunzendorf vom Staatlichen Munitionsbergungsdienst nach der rund einstündigen Entschärfung. Der Aufschlagzünder sei verformt, stark verschmutzt und verrostet, aber intakt gewesen.

220 Millionen für Beseitigung
Seit acht Uhr waren am Samstag Teile des Stadtzentrums geräumt worden. Rund 200 Mitarbeiter der Stadtverwaltung gingen von Tür zu Tür und forderten die Bewohner auf, ihre Wohnungen zu verlassen. Außerdem waren 128 Polizisten, 60 Bundeswehrsoldaten und 184 Helfer vom Roten Kreuz und der Feuerwehr mit 39 Fahrzeugen im Einsatz. Seit 1990 wurden nach Angaben des Innenministeriums in Potsdam rund 220 Millionen Euro für die Kampfmittelbeseitigung im Land Brandenburg ausgegeben. Von 1991 bis 2003 hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst mehr als 9100 Tonnen Alt-Munition geborgen und unschädlich gemacht. Im vergangenen Jahr gab das Innenministerium 14,2 Millionen Euro für die Kampfmittelbeseitigung aus.
In den ersten zehn Monaten des Jahres wurden 408 Tonnen Munition unschädlich gemacht, darunter 1780 Sprengbomben. In der Landeshauptstadt gab es im vergangenen Jahr zwölf Kampfmittelräumungen. Unter anderem wurden sieben Bomben unschädlich gemacht. (dpa/ksi)