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| 18:00 Uhr

Verkehr
Im Marathon geblitzt: Rasern auf der Spur

Blitzmarathon auf Brandenburgs Straßen: Die Revierpolizisten Jörg Siemoneit (l.) und Berthold Gollnick überwachen am Mittwochmorgen die Bahnhofstraße in Burg. Die Bilanz der Frühschicht fällt, mit wenig Rasern, erwartungsgemäß positiv aus.
Blitzmarathon auf Brandenburgs Straßen: Die Revierpolizisten Jörg Siemoneit (l.) und Berthold Gollnick überwachen am Mittwochmorgen die Bahnhofstraße in Burg. Die Bilanz der Frühschicht fällt, mit wenig Rasern, erwartungsgemäß positiv aus. FOTO: Jenny Theiler / LR
Burg/ Spreewald. Zum vierten Mal startet der Blitzmarathon in Brandenburg. Die RUNDSCHAU hat zwei Revierpolizisten in der Frühschicht begleitet.

Es ist 6.45 Uhr und die beschauliche Spreewaldgemeinde Burg wirkt an diesem Mittwochmorgen noch recht verschlafen. Kurz vor sieben Uhr postiert sich ein Polizeiwagen an die Ecke der Seitenstraße „Am Bahnhof“, um einen freien Blick auf die Grund- und Oberschule zu haben und gleichzeitig möglichst unauffällig zu bleiben. Mit Stativ und Laserpistole ausgestattet bereiten sich Hauptkommissar Jörg Siemoneit und Hauptmeister Berthold Gollnick auf den heutigen Einsatz vor. Die Revierpolizisten sind im Rahmen des Blitzmarathons unterwegs.

Um allen Autofahrern ein gleichermaßen umsichtiges Fahrverhalten abzuverlangen, werden die Standorte der Blitzer diesmal nicht bekannt gegeben. Auch die Beamten selbst bekommen ihre Einsatzstandorte erst kurzfristig mitgeteilt. Straßen, in denen sich Schulen, Kindergärten und Seniorenheime befinden, werden beim Blitzmarathon besonders stark beobachtet. Auf der sonst so stark befahrenen Bahnhofstraße geht es allerdings noch vergleichsweise ruhig zu.

„90 Prozent aller Autofahrer, die uns heute hier entgegenkommen, fahren täglich hier vorbei“, weiß Revierpolizist Berthold Gollnick. Die beiden Polizeibeamten kennen das Fahrverhalten in der Gemeinde. „Die Bahnhofstraße ist keine Problemstelle, sonst hätte man hier schon längst eine 30er-Zone eingerichtet“, erklärt Jörg Siemoneit.

Der Fokus der Polizisten liegt vor allem auf dem Straßenabschnitt vor der Schule. Zwischen 7.30 Uhr und 7.55 Uhr sind dort besonders viele Autofahrer unterwegs, um ihre Kinder in die Schule zu bringen. Berthold Gollnick und Jörg Siemoneit rechnen allerdings nicht mit vielen Geschwindigkeitsübertretungen. Der Gedanke, dass viel Verkehr auch viel Raserei mit sich bringe, sei nämlich ein Irrglaube. „Erst wenn die Straßen leer sind, ist die Gefahr höher, weil die Verlockung aufs Gas zu gehen dann erst deutlich stärker ist“, weiß Berthold Gollnick. Die Revierpolizisten behalten recht. Lediglich ein älterer Autofahrer wird um 7.24 Uhr mit 55 Kilometern pro Stunde angehalten und belehrt. Ein Bußgeld gibt es nicht – dieses Mal nicht.

Anders als die feststehenden Radarblitzer, können die Laserpistolen das Vergehen des Rasers nicht dokumentieren. Geblitzt wird also in dem Sinne nicht, denn der Laserstrahl ist für das menschliche Auge kaum sichtbar. „Es werden 80 Impulse ausgesendet und am Kennzeichen reflektiert. Nur wenn auch 80 Impulse zurückkommen, haben wir ein verwertbares Ergebnis“, erklärt Jörg Siemoneit. Die Messung ergibt sich aus der Pulslaufzeit. Mit der achtfachen Vergrößerung im Laserobjektiv haben die Polizisten eine Sichtweite von 1000 Metern. Durch die Kurve in der Bahnhofstraße können die ersten Pkw aber erst ab 260 Metern erfasst werden.

Die Toleranzgrenze bei Geschwindigkeitsübertretungen liegt bei drei Kilometern pro Stunde. Wer also 54 fährt, darf dennoch mit einem Bußgeld von 15 Euro belangt werden. So auch Jörg Dietrich aus Burg, der mit 60 Kilometern pro Stunde an den Straßenrand gewinkt wird. Diesmal bleibt es nicht bei einer Belehrung. Der Spreewälder muss 15 Euro Bußgeld zahlen. „Ich habe gerade völlig vergessen, dass ja heute der Blitzermarathon ist, und das, obwohl ich noch mit meiner Familie darüber gesprochen habe“, gibt Jörg Dietrich zu. Der Familienvater zeigt sich einsichtig und scherzt mit den Polizisten – man kennt sich eben im Ort.

Der Blitzmarathon ziehe, zumindest zeitweise, einen positiven Effekt nach sich. „Die Aktion ist erfolgreich, wenn wir von den Autofahrern gesehen werden. Das hat schon einen belehrenden Effekt“, weiß Berthold Gollnick. Die Leute würden vor allem morgens noch sehr vorsichtig fahren. „Das lässt aber im Laufe des Tages nach“, schmunzelt der Hauptmeister. Generell würde der Raser-Trend auf Brandenburgs Straßen schon seit einigen Jahren zurückgehen. „Mittlerweile sind mehr Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs als noch vor zehn Jahren“, fügt Jörg Siemoneit hinzu. „Wir haben in Brandenburg zwar weniger Verkehrsunfälle, dafür aber etwas mehr Unfalltote“, so der Hauptkommissar. Auch seien die Klagen gegen polizeiliche Bußgeldforderungen zurückgegangen.

„Die Leute vertrauen der Polizei wieder etwas mehr. Das war schon mal anders“, erinnert sich Berthold Gollnick. „Es kommt natürlich auch immer auf die Gegend an, aber in Burg ist die Akzeptanz der Autofahrer auf jeden Fall da“, lobt Jörg Siemoneit sein Revier.