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Blitz-Marathon stoppt nicht alle Raser

Ein Polizist schaut am 16.04.2015 während einer Geschwindigkeitskontrelle im Rahmen des europaweiten "Blitzermarathons" in Potsdam (Brandenburg) durch ein Messgerät.
Ein Polizist schaut am 16.04.2015 während einer Geschwindigkeitskontrelle im Rahmen des europaweiten "Blitzermarathons" in Potsdam (Brandenburg) durch ein Messgerät. FOTO: Ralf Hirschberger (dpa-Zentralbild)
Berlin (. Die Polizei kündigte ihre umfassenden Tempokontrollen mehrfach an. Jeder konnte sich über die Standorte von Blitzern informieren. Das hielt aber immer noch nicht alle vom Rasen ab. dpa

Trotz vieler Appelle der Polizei sind beim dritten Blitz-Marathon wieder zahlreiche Temposünder im Straßenverkehr erwischt worden. Bis Donnerstagmittag fielen in Berlin 1221 zu schnelle Fahrer auf. Das teilte Polizeipräsident Klaus Kandt in einer Zwischenbilanz am Nachmittag mit. Zwischen 6.00 Uhr und 12.00 Uhr kontrollierte die Polizei mit Laser- und Radarmessgeräten an 163 Stellen. Der diesjährige Blitz-Marathon sollte um Mitternacht enden.

Im Herbst 2014 waren in Berlin 3796 der rund 83 700 kontrollierten Fahrzeuge zu schnell.

Kandt zog eine positive Bilanz. Das Geschwindigkeitsniveau sei wie schon bei den beiden früheren Blitz-Marathons spürbar niedriger als an anderen Donnerstagen. „Am heutigen Vormittag war ein wesentlich entspannteres und rücksichtsvolleres Miteinander der Fahrzeugführer feststellbar.“ Auf Twitter zeigte die Polizei Fotos von einigen der insgesamt 256 Kontrollstellen und berichtete von der Aktion.

Der auffälligste Autofahrer fuhr auf der Grunerstraße am Alexanderplatz 90 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer. In Tempelhof-Schöneberg wurde ein 17-Jähriger mit seinem Kleinkraftrad mit 85 Stundenkilometer gemessen. Beide müssen mit einem Monat Fahrverbot rechnen und mindestens 160 Euro Strafe zahlen.

Schon am frühen Morgen wurde auf dem Nahmitzer Damm in Marienfelde im Süden Berlins ein Motorradfahrer mit 83 statt 50 Stundenkilometern geblitzt. Ein Lastwagenfahrer fuhr dort 75 Stundenkilometer schnell.

Unter den Temposündern waren auch Soldaten, Polizei-Kollegen und Fahrer mit überraschenden Erklärungen. Gegen 11.00 Uhr stoppte die Polizei nahe dem Alexanderplatz ein Auto der Bundeswehr mit einem Y-Kennzeichen, wie eine Polizeisprecherin einen Bericht des „Tagesspiegel“ bestätigte. Die beiden Männer fuhren 63 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer und entschuldigten sich mit einem dringenden Termin.

Bei einem anderen Autofahrer wurden 87 Stundenkilometer gemessen. Der Mann behauptete, er sei absichtlich so schnell gefahren, hieß es bei der Polizei. Er habe gesagt: „Ich wollte mal sehen, ob ihr mich erwischt.“

Der „Tagesspiegel“ berichtete zudem von einem Motorradfahrer, der 60 statt des erlaubten Tempos 50 fuhr. Bei der Ermahnung stellte sich heraus, dass es sich um einen Polizisten in Zivil handelte. „Macht doch mal eine Ausnahme, wir sind doch Kollegen“, sagte er demnach zu seinen uniformierten Kollegen. Die Bitte war vergeblich.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte den Blitz-Marathon als „mediale Showeinlage“. Die Kontrollaktion werde Raser dauerhaft „nicht von ihrem lebensgefährlichen Verhalten abhalten“, teilte die GdP-Landesvorsitzende Kerstin Philipp mit.

In Wirklichkeit kontrolliere die Polizei viel weniger als früher, so Philipp. 2013 habe es noch 7217 Verkehrskontrollen in Berlin gegeben. 2014 seien es nur noch 5335 gewesen. Gleichzeitig sei die Zahl der Verkehrsunfälle von rund 130 900 auf 132 700 gestiegen und die Zahl der Verletzten von 16 358 auf 17 492.

Bundesweit kontrollierten rund 13 000 Polizisten an mehr als 7000 Stellen. An der inzwischen dritten Aktion dieser Art beteiligen sich 21 europäische Länder.