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| 16:53 Uhr

Bischof Zdarsa: DBK sollte nach Berlin umziehen

Konrad Zdarsa
Konrad Zdarsa FOTO: dpa
Seit 2010 ist er Bischof von Augsburg, zuvor leitete er drei Jahre lang das Lausitzbistum Görlitz. Kurz vor der Wahl des neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz meldet sich der in der DDR geborene Bischof Konrad Zdarsa nun mit spektakulären Thesen zu Wort: Die Wahl sollte man nicht so ernst nehmen – und der Sitz der deutschen Bischofskonferenz gehört am Besten nach Berlin. hat mit dem früheren Lausitzbischof gesprochen. Benjamin Lassiwe

Herr Bischof, im März wird ein Nachfolger von Robert Zollitsch als Vorsitzendem der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt. Was erwarten Sie von dieser Wahl?

Als seinerzeit die Wahl von Erzbischof Zollitsch bevorstand, habe ich eine ähnliche Frage einem deutschen Bischof aus Rom gestellt. Der antwortete damals ganz überraschend: Ach, hängt doch diese Wahl bloß nicht so hoch. Was mir zu denken gab. Denn der Vorsitzende der DBK ist ja in der Tat kein Vorgesetzter. Wenn er sich in einer Angelegenheit äußert, heißt das noch lange nicht, dass alle Bischöfe so denken. Der Vorsitzende der DBK kann dem einzelnen Diözesanbischof die Verantwortung nicht abnehmen. Es darf sich auch kein Diözesanbischof hinter dem Vorsitzenden verstecken.

Welche Aufgaben hat denn der Vorsitzende dann eigentlich?

Ich würde ihn eher als Sprecher oder Moderator der Versammlung der deutschen Bischöfe bezeichnen, manchmal vielleicht auch als Repräsentanten. Daraus geht dann auch seine eigentliche Aufgabe hervor. Wenn nun davon gesprochen wird, dass es ein "Vorkonklave" bei der Wahl geben soll, lässt das auf ein anderes Selbstverständnis des amtierenden Vorsitzenden schließen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich in der DDR aufgewachsen bin: Bisweilen assoziiere ich mit dem Begriff des Vorsitzenden immer noch den einer Partei oder des Staatsrates der DDR. Nicht viel anders geht es mir mit der Rede von einem Zentralkomitee.

Haben Sie bestimmte Vorstellungen davon, wer dieser Sprecher oder Moderator künftig sein könnte?

Wenigstens wie er sein sollte: Er sollte von allen Bischöfen als wahrer Mitbruder angesehen und geschätzt werden. Er sollte ein selbstbestimmter glaubwürdiger Geistlicher und theologischer Lehrer zugleich sein. Und er sollte ein ausgewogenes Verhältnis zum Bischof von Rom haben. Mir fiele da schon der eine oder andere Name ein.

Wer denn, zum Beispiel?

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich vor der Wahl keinen Namen nennen möchte. Aber ganz unabhängig davon, woher er kommt und wo er Diözesanbischof ist: Als Sprecher der deutschen Bischöfe sollte er künftig auf jeden Fall in der Hauptstadt Deutschlands seinen Dienstsitz haben.

Nicht mehr in Bonn, wo sich ja das Sekretariat der Bischofskonferenz gegenwärtig noch befindet?

Wenn Papst Franziskus die Kirche auffordert, an die Ränder zu gehen, dann hat er das ja nicht geographisch gemeint. Auch deswegen empfiehlt sich die deutsche Hauptstadt als Dienstsitz der DBK und Ihres Sekretariates. Der Osten unseres Landes und das ehemalige Ostberlin gelten ja vielen im Westen als die religiös und moralisch ausgebranntesten Landschaften Deutschlands. In diesem Sinne sind das nun wirklich "die Ränder". Dort muss also die Kirche öffentlich wahrnehmbar präsent sein. Außerdem wären ein Umzug des Sekretariats und die damit zwangsläufig verbundene Verschlankung des Apparats ein großartiger Beitrag zur Entweltlichung der Kirche. Wenn sich Rom schon auf den Prüfstand stellt mit einer Kurienreform, warum nicht auch die DBK mit ihrem Sekretariat? Und nicht zuletzt würde mit der Verlegung von Bonn nach Berlin auch signalisiert, dass die Wiedervereinigung Deutschlands nun bei allen deutschen Bischöfen angekommen ist. Die Apostolische Nuntiatur, die Vertretung des Vatikan in Deutschland, hat das schon beizeiten erkannt und konsequent darauf reagiert.

Bonn ist aber mittlerweile auch zur medialen Zentrale der Deutschen Bischofskonferenz geworden. Dort sitzen die Katholische Nachrichten-Agentur, katholisch.de, Christ und Welt... Würde nicht eine solche Verlegung noch einmal einen erheblichen Kostenaufwand bedeuten?

Die räumliche Konzentration vieler verschiedener Medien in ein und demselben Haus mag für traditionelle Organisatoren faszinierend sein, ist aber im Zeitalter der Digitalisierung und elektronischen Datenvermittlung ein Anachronismus. Die immer stärker werdende Regionalisierung der Informationsvermittlung erfordert, auch medial räumlich breiter und dezentraler aufgestellt, dafür aber sehr gut vernetzt zu sein. Wir brauchen eine gut funktionierende Vernetzung und keine Gleichschaltung.
Zudem könnte eine solche Auffächerung dazu beitragen, noch aufmerksamer zur Kenntnis zu nehmen und zu multiplizieren, was an katholischem Glaubensleben in den verschiedensten Teilen unseres Landes passiert und welche neuen Aufbrüche landesweit zu verzeichnen sind. In diesem Sinne wäre auch eine gemeinsame, von allen deutschen Bistümern getragene Katholische Akademie in Berlin überfällig - ganz zu schweigen von einer noch lebendigeren, proaktiven Kommunikation mit den Ländern des ehemaligen Ostblocks.