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| 17:15 Uhr

Folgen der Sommerhitze
Biomilch jetzt nicht immer zu 100 Prozent „öko“

In der Zwickmühle: Die Dürre zwingt manche Bio-Landwirte dazu, Kühe mit konventionellem Futter zu ernähren.
In der Zwickmühle: Die Dürre zwingt manche Bio-Landwirte dazu, Kühe mit konventionellem Futter zu ernähren. FOTO: dpa / Oliver Berg
Potsdam. Wegen der Hitze: Milchviehbetriebe dürfen auf Antrag konventionelles Futter verwenden.

Die anhaltende Dürre ist auch für Öko-Landwirte eine große Belastung. Zwar heißt es, dass sie besser gerüstet seien als konventionell wirtschaftende Bauern. Dennoch greift ihnen das Land Brandenburg per Ausnahmegenehmigung unter die Arme.

Es gestattet Milchviehbetrieben auf Antrag den Einsatz von konventionellem Futter. Andere Bundesländer verfahren in der Notsituation ähnlich. Die Milch darf weiterhin als Biomilch verkauft werden.

Jens-Uwe Schade, Sprecher des Agrarministeriums in Potsdam, vergleicht die jetzige Konstellation mit der Geflügelpest-Zeit, als auch Bio-Legehennen im Stall bleiben mussten und die Eier dennoch als „bio“ verkauft werden durften. „Damit sollte man offen umgehen. Ich gehe davon aus, dass die Kunden auch aus Solidarität mit den Betrieben weiterhin zur Biomilch greifen.“

Laut Ministerium sind bislang acht Anträge auf konventionelles Zufüttern eingegangen. Man rechne mit steigenden Zahlen, da viele Betriebe jetzt noch Vorräte haben, es aber Richtung Winter knapp werden könnte.

Das Problem mancher Biomilchbauern: Sie produzieren ihr von Pestiziden und anderen negativen Einflüssen unbelastetes Futter selbst. Wenn es zu Ausfällen kommt, müssten sie zukaufen. Bio-Futter ist in dürregeplagten Regionen aber knapp.

Deshalb die Ausnahmeregelung für konventionelle Produkte. Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), verweist auf die „existenzielle Not“ von Höfen, die zu dieser Maßnahme greifen würden.

„Es geht darum, diese Betriebe zu erhalten.“ Röhrig betont außerdem, dass es sich dennoch um „Biomilch“ handele. Denn selbstverständlich würden die vielen anderen Bio-Parameter, bessere Haltungsbedingungen und weniger Medikamente etwa, weiterhin eingehalten.

Für Unruhe hat jedoch die Erklärung des großen Bio-Milchverarbeiters Arla gesorgt, keinerlei konventionelles Futter zu akzeptieren. Um das Vertrauen von Verbrauchern und Handelsketten nicht zu enttäuschen, hieß es zur Begründung. Für die Bauern heißt das im Falle eines Falles, dass sie ihre Milch als „nicht bio“ abgeben müssen und deutlich weniger Geld erhalten.

Die Unternehmen Bioland und Demeter halten nichts von der harten Arla-Linie. „Es geht jetzt darum, die Betriebe und die Tiere zu retten“, sagt Demeter-Sprecherin Antje Kölling.

Das Gesetz sehe für Katastrophenfälle diese Regelung vor. Und es gehe auch nur darum, Lücken zu schließen. Gleichwohl sei man bei Demeter strenger als die Behörden, was die Art des konventionellen Futters angeht. „Gras ist in Ordnung, Mais erlauben wir nicht. Da sind zu viele Pestizide dran.“ Genauso hält man es bei Bioland. „Wir lassen die Betriebe nicht sterben, aber wir prüfen jeden Einzelfall und erteilen dann die Genehmigung. Mais geht nicht“, sagt Sprecher Gerald Wehde.