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| 13:53 Uhr

Debatte
Dauerstaus und Betonkrebs: Ärger im Brandenburger Landtag

Wo Autofahrer heute auf der A 15 wegen Betonkrebs ausgebremst werden, eröffnet ab Herbst 2018 eine Baustelle. Die komplette Erneuerung des Zehn-Kilometer-Abschnittes zwischen Boblitz und Vetschau wird gut ein Jahr in Anspruch nehmen.
Wo Autofahrer heute auf der A 15 wegen Betonkrebs ausgebremst werden, eröffnet ab Herbst 2018 eine Baustelle. Die komplette Erneuerung des Zehn-Kilometer-Abschnittes zwischen Boblitz und Vetschau wird gut ein Jahr in Anspruch nehmen. FOTO: LR / Ch. Taubert
Potsdam. Die Dauerstaus auf Brandenburgs Autobahnen wegen der Bekämpfung von Betonkrebs-Schäden haben auch die Gemüter im Potsdamer Landtag erhitzt. In einer lebhaften Debatte wurden dabei am Freitag sogar die Rolle von Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU) und frühe Warnungen von DDR-Experten thematisiert.

Ein Antrag der CDU, mit dem die Arbeiten an den Bundesautobahnen beschleunigt werden sollten, wurde von der rot-roten Koalition schließlich abgelehnt. Betonkrebs ist eine chemische Reaktion, die im Laufe der Zeit Fahrbahnen bröseln lässt, weil ungeeigneter Kies verbaut worden war.

Die Dauerstaus auf Brandenburgs Autobahnen wegen der Bekämpfung von Betonkrebs-Schäden haben auch die Gemüter im Potsdamer Landtag erhitzt. In einer lebhaften Debatte wurden dabei am Freitag sogar die Rolle von Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU) und frühe Warnungen von DDR-Experten thematisiert. Ein Antrag der CDU, mit dem die Arbeiten an den Bundesautobahnen beschleunigt werden sollten, wurde von der rot-roten Koalition schließlich abgelehnt. Betonkrebs ist eine chemische Reaktion, die im Laufe der Zeit Fahrbahnen bröseln lässt, weil ungeeigneter Kies verbaut worden war.

Der CDU-Abgeordnete Rainer Genilke kritisierte, dass im Land freitags neue Baustellen eingerichtet würden, obwohl bis Montag dann niemand arbeite. „Das Baustellenmanagement ist miserabel“, rief er. Dafür sei das Land verantwortlich. Der Bund habe zudem deutlich gemacht, dass eine Beschleunigung von Baustellen zum Beispiel durch Arbeiten in mehreren Schichten statt nur tagsüber möglich sei. „Wir kriegen nicht nur keinen Flughafen fertig, sondern auch nicht die Autobahnen“, so Genilke. Er verwies dabei auf Prognosen aus den Behörden, wonach die Sanierung aller Trassen nicht vor dem Jahr 2030 abgeschlossen sein werde.

Die SPD-Abgeordnete Kerstin Kircheis schob die Schuld dagegen auf die CDU. Betonkrebs habe im Osten zusammengerechnet einen Schaden von rund einer Milliarde Euro verursacht. Schon Anfang der 1990er Jahre habe es Hinweise gegeben, dass die Betonmischung nicht haltbar sein werde. Der damalige Kanzler Helmut Kohl (CDU) habe aber den Weg zu blühenden Landschaften schnell ebnen wollen - „zu schnell“, fügte sie hinzu.

Zur Sanierung heute sagte sie, die Arbeiten liefen oft synchron zu ohnehin notwendigen Erneuerungen. „Sie können sicher sein, dass hier gut abgewogen wird.“ Der Linken-Abgeordnete Andreas Bernig meinte, Experten aus der DDR hätten frühzeitig auf die Risiken hingewiesen - doch auf die habe kurz nach der Wende niemand hören wollen.

Verkehrsministerin Kathrin Schneider berichtete, aktuell seien rund 130 Kilometer Richtungsfahrbahnen im Land Brandenburg sicher von Betonkrebs betroffen, bei weiteren 120 Kilometern bestehe ein Verdacht. Ein Großteil der Schäden werde in den kommenden Jahren beseitigt, Arbeiten über 2030 hinaus beträfen Strecken, die jetzt provisorisch repariert und dann ohnehin grundsätzlich erneuert würden.

Zur Frage von schnelleren Sanierungsfortschritten - etwa durch Nacht- oder Sonntagsarbeit - sei man in ständigen Gesprächen mit dem Bund. Weil diese allerdings teurer seien, wolle der Bund dies bisher nur an Autobahnen finanzieren, die stärker befahren seien als die Trassen in Brandenburg.

(dpa/kr)