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Besuchermagnet Landtag

Post aus Potsdam. Wer an einem Dienstagnachmittag in der Kantine des Potsdamer Landtags essen gehen möchte, muss mittlerweile gute Nerven mitbringen. Rentnergruppen, Urlauber, Besucher des Museums Barberini – alle stehen mit dem Tablett in der Schlange, warten auf Seelachs mit Spinat oder "Jägerschnitzel Ostalgie", nur perfekt mit Jagdwurstscheibe und Spirellis. iwe1

Denn das Landesparlament ist seit seiner Eröffnung im Jahr 2014 zu einem echten Besuchermagneten geworden. Am Dienstag will Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) den 500 000. Besucher im Potsdamer Stadtschloss begrüßen - was freilich nicht heißt, dass die Brandenburger nun plötzlich ein großes Interesse an ihrer Landespolitik entwickelt hätten: In den meisten öffentlichen Ausschussitzungen gibt es jede Menge freie Plätze im Besucherbereich, und wer am Nachmittag zu einer Plenarsitzung kommt, hat gute Chancen, von der Parlamentspräsidentin und den nachfolgenden Rednern als "der Besucher" persönlich angesprochen zu werden. Und wer am Dienstagvormittag rechtzeitig im Landtag ist, hat vielleicht sogar eine Chance, neben einem Beutel voller Landtagssouvenirs einen Kaffee mit der Präsidentin trinken zu können.

Wer es nicht schafft, für den bleibt dann nur der 1. Juli. Ähnlich wie im vergangenen Jahr nämlich hängen an der Kutschenauffahrt des Landesparlaments wieder Transparente, die die Besucher zu einem Tag der offenen Tür einladen wollen. Dort wollen sich die Fraktionen und die Gruppe der Öffentlichkeit vorstellen, ebenso der Landesrechnungshof und die parlamentarischen Gremien, etwa der Rat für die Angelegenheiten der Sorben und Wenden. Sogar die mit Abstand fleißigsten Helfer im Hintergrund des Landtags, die Mitarbeiter des stenografischen Dienstes, wollen sich dann der Öffentlichkeit präsentieren - und zeigen, dass der Landtag eben doch aus mehr besteht als aus Jagdwurstscheiben mit Spirelli.