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Berliner Schloss wird bald barock

Ministerin Barbara Hendricks (l.) beim Baustellenbesuch.
Ministerin Barbara Hendricks (l.) beim Baustellenbesuch. FOTO: dpa
Berlin. In Berlin ist in den nächsten Jahren zu beobachten, wie sich ein schmuckloser Betonbau schrittweise in ein Schloss verwandelt. Bundesbauministerin Hendricks gab den Startschuss. Kirsten Baukhage

Es soll die Initialzündung werden - damit die Berliner und Touristen wahrnehmen, dass hier ein Schloss im Herzen Berlins gebaut wird. Denn bisher ragt nur ein trister, wenn auch monumentaler Betonbau dreistöckig in die Höhe. Doch in der vergangenen Woche begann die Rekonstruktion der barocken Fassade. Auf drei Seiten soll so das einstige Hohenzollern-Schloss wiedererstehen, in dem bis zur November-Revolution 1918 Kaiser Wilhelm II residierte. Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) nahm zusammen mit dem Vorstand der Stiftung Berliner Schloss, Johannes Wien, und Architekt Franco Stella die ersten barocken Schmuck elemente in Empfang.

Auf der vom Sturmtief "Niklas" noch regennassen Baustelle beobachtete die SPD-Politikerin mit Bauhelm, wie die tonnenschweren Stücke per Kran abgeladen werden. Als Erstes werden die Fensterumrandungen aus Sandstein im Erdgeschoss eingebaut. Vier Firmen aus Deutschland - eine in Berlin, eine in Bamberg und zwei in Dresden - fertigen die Fassadenteile samt Schmuck. Die Ministerin ist zufrieden, da der Schlossbau im Zeit- wie im Kostenrahmen liegt.

Bis zum Richtfest am 12. Juni sollen die Fenster im Erdgeschoss schon in alter barocker Pracht rekonstruiert sein, verspricht Stiftungssprecher Bernhard Wolter. Auch die Stahlkonstruktion der Kuppel soll bis dahin sichtbar sein.

Von der historischen Fassade wird nach Überzeugung der Bundesbauministerin der Funke der Begeisterung auf die Menschen überspringen - und ihre Spendierbereitschaft weiter erhöhen. "Darauf sind wir angewiesen. Die Fassade soll komplett aus Spenden finanziert werden", so Hendricks. Der Bund gibt schon für den schmucklosen Bau 590 Millionen Euro. Von den 80 Millionen Euro, die die Fassade kosten soll, sind bisher erst 18,4 Millionen Euro zusammengekommen.

Insgesamt flossen auf das Konto des Fördervereins bisher mehr als 30 Millionen Euro. Doch knapp zwölf Millionen Euro sind zweckgebunden für andere Dinge am Schloss vorgesehen. Hendricks ist sicher: "Wir wissen von der Frauenkirche in Dresden, dass die Spenden deutlich mehr fließen, wenn die Leute sehen, wie schön es mal wird."

Auch der Vorsitzende des Fördervereins des Berliner Schlosses, Wilhelm von Boddien, sieht keinen Grund zur Sorge. "Wir brauchen noch rund 150 000 Menschen, die uns je 400 Euro geben. Das entspricht der Menge eines zweimal gefüllten Olympiastadions in Berlin. Das sind fünf Prozent der Berliner oder zwei Promille der Deutschen", rechnet er vor. "Das Geld kommt zusammen. Wir haben ja noch bis 2019 Zeit." Dann soll Deutschlands größte Kulturbaustelle fertig sein.

Auf einer Fläche von drei Fußballfeldern - insgesamt 180 Meter lang und 120 Meter breit - soll unter dem Namen Humboldt-Forum ein internationales Kulturzentrum entstehen. Dort wollen die Berliner Museen ihre Schätze der außereuropäischen Kulturen zeigen, die Humboldt-Universität präsentiert international vernetzte Wissenschaft, und das Land will eine Ausstellung zur Geschichte Berlins zeigen.