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Berlin und Brandenburg bilden gemeinsam Schulleiter aus

Viele Zimmer mit der Aufschrift Schulleiter bleiben unbesetzt. In Brandenburg wird jede zwölfte der 750 Schulen nur kommissarisch geführt.
Viele Zimmer mit der Aufschrift Schulleiter bleiben unbesetzt. In Brandenburg wird jede zwölfte der 750 Schulen nur kommissarisch geführt. FOTO: dpa
Potsdam. Sind gute Lehrer auch gute Schulleiter? Die Führung von Hunderten Schülern und einem großen Kollegium muss gelernt sein. Berlin und Brandenburg betreiben seit zehn Jahren ein gemeinsames Institut dazu. Klaus Peters

Lehrer, die sich in Berlin und Brandenburg zu Schulleitern weiterbilden wollen, müssen lange auf einen Platz warten. "Wir haben deutlich mehr Bewerber für die Qualifizierung, als wir unterbringen können, die Wartezeiten bei unseren Kursen sind oft länger als ein Jahr", sagt Götz Bieber mit Blick auf den Mangel an Schulleitern in Brandenburg und Berlin. Der 59-Jährige ist Direktor des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg, das seit zehn Jahren für beide Bundesländer gemeinsam Führungskräfte in Schulen und in der Schulaufsicht ausbildet. Das Interesse ist groß. "Wir haben in den letzten Jahren jeweils über 100 Pädagogen für die Schulleitung qualifiziert", sagt Bieber. Und das ist nötig: "Beide Länder suchen massiv Lehrer - aber auch massiv Schulleiter", so Bieber. Denn 25 Jahre nach der Wende gehen viele altgediente Kräfte in den Ruhestand.

Nach Angaben des Bildungsministeriums wird in Brandenburg derzeit jede zwölfte der rund 750 Schulen im Land nur kommissarisch geführt. Auch in Berlin sind Führungskräfte dringend gesucht. "Angesichts des großen Interesses an unseren Angeboten bin ich aber optimistisch, dass sich das bald lösen wird", meint Bieber.

Ein Vorteil der gemeinsamen Fortbildung für die Lehrer ist: Sie können sich in beiden Bundesländern für die Schulleiterposten bewerben. Seit vier Jahren bietet das Institut die Fortbildung auch "vor dem Amt" an. "Früher stiegen gute Lehrer ohne weitere Ausbildung zu Schulleitern auf", erläutert Bieber. "Inzwischen hat sich aber durchgesetzt, dass die Qualifizierung vor dem Amt besser ist." Daneben werden aber auch lang gediente Schulleiter fortgebildet.

Das Institut entwickelt auch die Rahmenlehrpläne für die Schulen und die zentralen Prüfungsaufgaben. Unlängst waren Vorwürfe laut geworden, die Prüfungsaufgaben seien in Berlin und Brandenburg leichter als etwa in den südlichen Bundesländern. Damit seien die Leistungen der Schüler bundesweit nicht vergleichbar. Ein Vorwurf, den Bieber nicht stehen lassen will. "Die Aufgaben werden anhand der Lehrpläne erstellt und in mehreren Schleifen von Fachleuten überprüft", betont er.

Zentrale Prüfungsaufgaben für alle Bundesländer seien wegen der unterschiedlichen Rahmenbedingungen nicht machbar. "Aber für die Fächer Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik gibt es von diesem Schuljahr an einen Pool von Prüfungsaufgaben beim Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, aus dem sich alle Bundesländer bedienen können", so Bieber.

Das Institut stellt über einen Bildungsserver Unterrichtsmaterialien bereit. "Ein wachsender Bereich ist das Lernen mit und über digitale Medien", erläutert Bieber. "Die Schüler können zum Beispiel in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern über Nachrichten aus dem Netz diskutieren, im Fach Physik werden die technischen Möglichkeiten der Handys wie Sensoren oder GPS verwendet."

Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit gefälschten Nachrichten oder Hassmails. Es geht auch um Mobbing oder Gewaltprävention.

8,6 Millionen Euro stellen Berlin und Brandenburg jeweils zur Hälfte für das Institut bereit, das 2007 mit einem Staatsvertrag gegründet wurde. Für Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) ist das länderübergreifende Institut eine Erfolgsgeschichte. "Hier werden Schulpraxis, Wissenschaft und Bildungspolitik auf beispielhafte Weise verknüpft", sagte Baaske.

Und auch die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist von dem Institut überzeugt. "Die Gründung war ein Zeichen für eine gemeinsame Bildungsregion Berlin und Brandenburg", sagte Scheeres.