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Berlin-Tourismus wächst langsamer

Regen stört sie nicht: italienische Touristen mit Schirmen ausgerüstet auf Berlin-Tour vor dem Brandenburger Tor.
Regen stört sie nicht: italienische Touristen mit Schirmen ausgerüstet auf Berlin-Tour vor dem Brandenburger Tor. FOTO: dpa
Berlin. Zweistellige Wachstums raten scheinen im Berlin- Tourismus vorerst nicht mehr in Sicht. Gästewerber führen das teils auf Terror, Flüchtlingskrise und das Flughafen-Debakel zurück. Burkhard Fraune / dpa/uf

Der Berlin-Tourismus hat nach jahrelangem starken Wachstum im vergangenen Jahr nur unterdurchschnittlich zugelegt. Während bundesweit die Übernachtungszahl um drei Prozent stieg, lag das Plus in Berlin bei 2,7 Prozent. Das Wachstum fiel nur halb so stark aus wie im Vorjahr. Mit der Rekordzahl von nun 31,1 Millionen Übernachtungen hat sich das Geschäft für die Hauptstadt-Hoteliers jedoch binnen zehn Jahren verdoppelt, wie das Amt für Statistik-Berlin Brandenburg am Mittwoch mitteilte.

"Die Erfolgsgeschichte des Berliner Tourismus ging auch im letzten Jahr ungebrochen weiter", sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Sie kündigte ein Konzept für "stadtverträglichen und nachhaltigen Tourismus" an. "Sicherheit, Müll, Lautstärke, das sind die Themen, derer wir uns annehmen." Es gehe um Qualitätstourismus.

Auch Tourismuswerber Burkhard Kieker zeigte sich zufrieden, gestand aber zu: "Wir werden gemeinsam anfangen müssen, Tourismus neu zu denken." Frech, frei und tolerant - das müsse aber Berlins Markenkern bleiben. Kieker erwartet weiteres leichtes Wachstum in diesem Jahr.

Drei Viertel der Übernachtungen gab es 2016 in den Innenstadtbezirken Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg. Die Zahl der Berlin-Besucher insgesamt stieg um 2,9 Prozent auf 12,7 Millionen.

Psychologie spiele bei der Reiseentscheidung eine große Rolle, erläuterte Kieker, der Geschäftsführer der Berliner Tourismus und Kongressgesellschaft. Zwar habe der Terroranschlag an der Gedächtniskirche keine Besucher abgeschreckt, die Serie von Anschlägen in Europa insgesamt bremse aber den Zustrom aus weiter entfernten Herkunftsländern. Auch Flüchtlingsbilder trügen dazu bei, sagte Kieker. "In einigen asiatischen Ländern hat sich der Eindruck verfestigt: Ich muss in Deutschland erst über Flüchtlinge steigen." Die Tourismuswerber kämpften dabei auch gegen Falschnachrichten (Fake news). Nur 4,2 Prozent der Berlin-Gäste kommen von außerhalb Europas - weit weniger als in Rom und Paris. Hier bremst das Dauerwarten auf den neuen Hauptstadtflughafen BER, wie Kieker verdeutlichte. Die Airlines warteten darauf, dort mehr Interkontinentalflüge anzubieten. "Unser täglich BER gib uns heute", sagte Kieker. "Macht das Ding auf!"

Im Vergleich der deutschen Millionenstädte lag Berlins Wachstum 2016 im Mittelfeld. Die Übernachtungszahl in Hamburg legte doppelt so stark zu wie in der Hauptstadt, in München stagnierte sie, in Köln gab es einen Rückgang. Je Einwohner verbucht Berlin weniger Übernachtungen als Frankfurt und Hamburg.

Die Unterkünfte mit mindestens zehn Betten waren durchschnittlich zu 61 Prozent ausgelastet, was in etwa dem bundesweiten Durchschnitt entspricht.

Private Unterkünfte wie Ferienwohnungen zählen nicht mit. Kieker rechnet dort trotz Verbots mit weiteren Übernachtungen im Millionenbereich. Pop bezifferte den Berliner Tourismusumsatz auf mehr als zehn Milliarden Euro. "Der Tourismus sichert die Einkommen von mehr als 240 000 Menschen in der Stadt."