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BER-Ausschuss ohne Antwort

Von außen sieht er fertig aus: der BER. Doch die Probleme liegen im Detail, sodass dieses Jahr noch kein Flieger abheben wird.
Von außen sieht er fertig aus: der BER. Doch die Probleme liegen im Detail, sodass dieses Jahr noch kein Flieger abheben wird. FOTO: dpa
Potsdam/Berlin. Seit Samstag ist es offiziell: Der BER verzögert sich weiter. Gestern tagte zu diesem Thema der Sonderausschuss des Potsdamer Landtags. Doch wie es nun weitergehen soll, weiß scheinbar niemand so recht. Benjamin Lassiwe / iwe1

Am Samstag war es eine kleine Bombe: Am Rande einer Fraktionsklausur der Berliner SPD im thüringischen Erfurt gab Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller bekannt, dass sich eine Eröffnung des Pannenflughafens BER in diesem Jahr nicht mehr realisieren lässt. Und als sich am Montag danach der Sonderausschuss BER des Potsdamer Landtags im Bürgerhaus von Dahlewitz (Teltow-Fläming) zu einer auswärtigen Sitzung traf, war die Ratlosigkeit noch immer groß.

Wie lange die halten die neuen Verzögerungen den Bau auf? Welche Mehrkosten gibt es? Wann geht der Flughafen endlich an den Start? Auf alle diese Fragen hatten Flughafenchef Karsten Mühlenfeld, der Flughafenkoordinator der Potsdamer Staatskanzlei, Rainer Bretschneider, und nicht zuletzt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Montag keine wirklich belastbaren Antworten zu bieten. "Es ist ein weiteres großes Problem, das auftaucht", sagte Woidke während der Ausschusssitzung. "Es ist ein klarer Rückschlag für das Projekt." Probleme seien aber dazu da, gelöst zu werden - "und dafür ist die Geschäftsführung zuständig." Flughafenchef Mühlenfeld erklärte, im Laufe des 5. Nachtrags zur Baugenehmigung des BER hätte es Änderungen an der elektronischen "Ansteuerung der Türen" gegeben. Die Türen müssten computergesteuert im Brandfall geschlossen werden können. "Diese Änderungen mussten nachträglich integriert werden", sagte Mühlenfeld.

Dass es dabei Fehler gab, sei herausgekommen, als man damit begonnen habe, die ersten Türen in Betrieb zu nehmen. Nicht alle Anschlüsse seien korrekt verkabelt gewesen, einige Türen wurden auch beim Umbau beschädigt. Nun müssten alle Türen noch einmal überprüft werden. Zudem mussten zusätzliche Sprinkler eingebaut werden. Man könne im Moment nicht sagen, dass die Sprinkleranlage funktioniere.

Doch das Türproblem scheint den Verantwortlichen schon längere Zeit bekannt zu sein. Zum einen nämlich ist es Teil der Brandschutzproblematik: Schon als 2012 der Flughafen eröffnet werden sollte, war die Rede von der legendären "Mensch-Maschine-Lösung", bei der Studenten die Brandschutztüren im Brandfall manuell bedienen sollten. Das konkrete Problem ist dann laut Mühlenfeld im Herbst bekannt geworden. Eine Firma sei beauftragt worden, die Probleme zu lösen.

"Man hat zusätzliches Personal auf die Baustelle gebracht, aber nicht so viel, wie nötig war, um den Zeitplan zu halten", sagte Mühlenfeld. Der Aufsichtsrat sei im Dezember darüber informiert worden, dass es hier ein Problem geben könnte. Zudem hätten alle Aufsichtsratsunterlagen seit Januar 2016 Hinweise auf den Baufortschritt an dieser Stelle enthalten - was ein ausnehmend schlechtes Licht auf den Berliner Regierenden Bürgermeister wirft, der im Wahlkampf stets so tat, als gebe es beim Flughafen keinerlei Probleme mehr. Brandenburgs Flughafenkoordinator Bretschneider jedenfalls erklärte gestern: "Ich fühle mich nicht hinter das Licht geführt." Im Aufsichtsrat sei man über "über Zahlen, Daten und Fakten je nach Kenntnis der Geschäftsführung und nach Kenntnis der handelnden Personen immer sachgerecht informiert worden." Die Potdamer Opposition zeigte sich indes schockiert. "Wenn der Aufsichtsratsvorsitzende nicht in der Lage ist, die Papiere so zu bearbeiten, dass er daraus Rückschlüsse ziehen kann, muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er in der Lage ist, diesen Posten zu bekleiden", sagte der CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke.

Und der Flughafenexperte Christoph Schulze (BVB/Freie Wähler) erklärte, dass er sowieso nicht mehr auf Antworten aus der Flughafengesellschaft hoffe. "Wir hatten viereinhalb Jahre Zeit für alle diese Dinge", sagte Schulze. Die zentrale Frage heute sei doch, wer eigentlich die Verantwortung für den Bau übernehme - "wenn da jeder irgendwas reinpfriemelt so nach dem Lego-Prinzip, und am Ende wird getestet, ob es klappt?" Doch auch auf diese Frage gab es im BER-Sonderausschuss keine Antwort.