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| 01:40 Uhr

Benjamin Schöckel, ein Fußballer zwischen Schicksal und Liebe

Vereint: Laura und Benjamin Schöckel. Am 5. Juni haben sie sich in einem Burger Hotel das Ja-Wort gegeben. Foto: Jan Augustin
Vereint: Laura und Benjamin Schöckel. Am 5. Juni haben sie sich in einem Burger Hotel das Ja-Wort gegeben. Foto: Jan Augustin FOTO: Jan Augustin
Burg. An diese Traumhochzeit werden sich die in Cottbus geborene Laura Gebert und der aus dem fränkischen Bad Neustadt stammende Benjamin Schöckel ein Leben lang erinnern. Es war das Schicksal, das sie zusammenbrachte. Von Jan Augustin

Das grüne Lindendach bietet der Hochzeitsgesellschaft ein wenig Abkühlung an diesem warmen Sommertag. Wie eine Prinzessin steigt Laura Gebert aus dem Spreewaldkahn. Der Klavierspieler beginnt die Tasten zu streicheln und auch die Vögel zwitschern zu dem Song von Robbie Williams: She is the one - sie ist die Eine. Eine halbe Stunde später sind Laura und Benjamin Schöckel verheiratet.

Doch strahlte nicht immer die Sonne im Leben des Ex-Profifußballers. Obwohl seine Karriere vielversprechend anfing, veränderte eine Operation an der Leiste seine Laufbahn. Das war im Jahr 2002, kurz bevor er den Vertrag bei Energie Cottbus unterschrieb. Schmerzen an einem Teil des Beckenknochens zwangen ihn immer wieder zu langen Pausen. Für einen Profifußballer eine unerträgliche Situation, denn der Körper ist sein Kapital. “Ich war zu der Zeit verletzt, als ich am besten gespielt habe.„ Um sich abzulenken, gönnte sich Schöckel immer häufiger einen Besuch im italienischen Restaurant um die Ecke - dort, wo Laura als Kellnerin jobbte. “Er war nie aufdringlich, stets aufmerksam, aber trotzdem zurückhaltend„, schwärmt die frisch Vermählte.

Glück im Spiel, Pech in der Liebe, heißt es im Volksmund. Für Benjamin Schöckel muss das Sprichwort nur umgedreht werden. Der streng katholisch aufgewachsene Schöckel weiß das auch: “Das ist ein Stück weit Schicksal. Nur durch die Verletzung habe ich letztendlich meine Frau kennengelernt.„ Mittlerweile spielt der Glaube in seinem Leben nicht mehr die große Rolle. Kirchenbesuche sind selten. “Ich glaube an Schicksal„, betont der Franke. Die Trauung erfolgte auch deshalb nicht vor dem Altar, sondern unter freiem Himmel, ohne Priester und nur mit Standesbeamtin. “Da hatte meine Mutter schon Vorbehalte„, erzählt Schöckel. Die konfessionslose Laura Gebert hätte sich taufen lassen müssen. Doch weil katholische Kirchen und Priester in Brandenburg selten seien und eine Taufe mit viel Aufwand verbunden gewesen wäre, entschieden sich die beiden für diese Variante. Am Ende ginge es doch um die zukünftige Frau und nicht um das Drumherum, begründet Schöckel.

Von den Eltern in Ost und West wurden beide immer herzlich empfangen. Mögliche Vorurteile erstickten beim ersten Kennenlernen. “Die Skepsis war da„, aber das hatte nichts mit ihm als Westdeutschen zu tun, sondern mit den normalen Gefühlen einer Mutter, verrät Kerstin Gebert.

Der heute 29-jährige Schöckel, der nur ein paar Schritte von der damaligen innerdeutschen Grenze aufgewachsen ist, hat einen anderen Bezug zu der Diskussion um Ost und West: “Ich bin eigentlich Grenzgänger und fast Thüringer.„ Theaterbesuche in Meiningen und Ausflüge in die ehemalige DDR seien für seine Eltern auch vor der politischen Wende normal gewesen. Trotzdem, Schöckel hörte vor seinem Wechsel nach Cottbus nicht nur Gutes. “Das ist doch hinterm Mond„, sagten seine Mannschaftskollegen in Ahlen. Der Franke ließ sich aber nicht beeinflussen. Man könne sich über niemanden und nichts ein Urteil erlauben, bevor man es nicht kennengelernt hat, ist Schöckels Devise. Cottbus und die Lausitz finde er nach wie vor schön. Enttäuscht ist er nur von dem Geschäft Profifußball. Von seiner Vertragsauflösung erfuhr Schöckel bei einem Arztbesuch in München, und die letzten Spiele im Energietrikot überstand er nur noch mit Schmerzmitteln. “Fußball ist ein Tagesgeschäft, entweder du funktionierst oder du funktionierst nicht„, sagt Schöckel. Ertragen hat er auch das Spiel in Karlsruhe im Mai 2005, als der FC Energie Cottbus fast in die dritte Liga abgestiegen wäre. Die Karlsruher Fans stürmten nach der Partie wütend auf den Platz und beschimpften die Cottbuser Mannschaft. “Scheiß Ossi, geh nach Hause„, hörte der am Boden liegende Schöckel. Diese Art des Umgangs zwischen Ost- und Westdeutschen lehnt er ab. Die ahnungslosen Vorurteile, die ihm angetragen wurden - “Das ist doch tiefstes Sachsen„ - bestätigten sich nicht, und auch die Besonderheiten im Dialekt seien normal. Für den Franken kommt die Lausitzer Mundart dem Hochdeutschen sogar noch näher. “Ich sage nicht Auto, sondern Audo„, schmunzelt der gelernte Kfz-Mechaniker.

Triviale Unterschiede wie diese haben keine Bedeutung für Benjamin Schöckel. Es sind die Gemeinsamkeiten in Denkmustern und Interessen, die ihn und seine Frau zusammenbrachten.

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Unser AutorJan Augustin (33) ist seit Anfang des Jahres Volontär bei der Lausitzer Rundschau. Derzeit arbeitet der gelernte Sportökonom im Sport-Ressort.