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Paketbomber
Beide Bomben des DHL-Erpressers waren scharf

An dieser DHL-Packstation an der Kantstraße in Potsdam wurde das Bombenpaket vom freitag aufgegeben.
An dieser DHL-Packstation an der Kantstraße in Potsdam wurde das Bombenpaket vom freitag aufgegeben. FOTO: Gregor Fischer / dpa
Die Suche nach dem DHL-Bomber geht weiter. Über 50 Ermittler der Brandenburger Polizei jagen den Erpresser, der explosive Pakete verschickt hat. Mittlerweile steht fest: Beide bisher entdeckten Bomben waren scharf und hätten den Empfänger töten sollen. Von Bodo Baumert

Die Suche nach dem Erpresser des Paketzustellers DHL geht weiter. Nach ihrem Fahndungsaufruf erhielt die Polizei am Montga Dutzende Hinweise, die sie nun sichtet. Der entscheidende Tipp war allerdings noch nicht dabei, wie die brandenburgische Polizei in der Nacht zu Dienstag mitteilte. Die Sonderkommission „Quer“ wurde auf mehr als 50 Mitarbeiter erweitert. Sie will jedem Hinweis aus der Bevölkerung nachgehen. Zudem sollen die Spuren, die die beiden Paketbomben hinterließen, analysiert werden.

Mittlerweile liegen erste Erkenntnisse vor. Die Kriminaltechniker haben den Zündmechanismus beider Bomben entschlüsselt. Details werden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt. Fest steht aber, dass beide funktionieren sollten. Am Sonntag hatte es zunächst geheißen, die Potsdamer Bombe hätte nicht explodieren können. Dies stimmt offenbar nicht. Die mit Nägeln, einem Polenböller, Kabeln und Batterien gefüllte Metallbox hätte explodieren sollen und hätte dabei erheblichen Schaden anrichten können. Eine Fehlfunktion verhinderte offenbar die Detonation.

Die Polizei hat auch in allen anderen Bundesländer angefragt, ob ähnliche Paketbomben jemals festgestellt worden seien - allerdings ohne Erfolg. Mitten im Weihnachtsgeschäft verlangen der oder die Erpresser von der Pakettochter der Deutschen Post mehrere Millionen Euro und drohen mit weiteren Bomben. Am Freitag war eine Paketbombe am Weihnachtsmarkt in Potsdam von Polizei-Experten unschädlich gemacht worden, zuvor war eine weitere in Frankfurt (Oder) in Flammen aufgegangen.

Die DHL erklärte in Bonn, es sei nahezu unmöglich, alle Pakete zu kontrollieren. Konkrete Hinweise auf weitere Paketbomben gebe es derzeit aber nicht. Die 60 000 Paketzusteller seien sensibilisiert. Derzeit transportiert die Post-Tochter sieben Millionen Sendungen am Tag.

Zahlreiche Bürger meldeten am Montag verdächtige Pakete - allein das Potsdamer Polizeipräsidium zählte zehn. In allen Fällen hätten sich Herkunft und Inhalt aber klären lassen, ohne dass Spezialisten der Polizei anrücken mussten, sagte eine Sprecherin.

Polizei und Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hatten die Bevölkerung gebeten, beim Empfang von verdächtigen Paketen sehr vorsichtig zu sein. Im Zweifel solle auf jeden Fall die Polizei informiert werden. Die Paketbomben könnten zu schwersten Verletzungen oder sogar zum Tod führen.