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| 18:45 Uhr

Landwirtschaft
Bei Folienspargel in Erklärungsnot

Auch im Spreewald wird Spargel unter Folie angebaut. Im Havelland gibt es wegen dieser Anbaumethode jetzt Ärger.
Auch im Spreewald wird Spargel unter Folie angebaut. Im Havelland gibt es wegen dieser Anbaumethode jetzt Ärger. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Potsdam. Brandenburg muss sich in Europa für den Gemüseanbau unter Plastik rechtfertigen.

Das Land Brandenburg muss sich vor der Europäischen Union dafür rechtfertigen, dass in „Natura 2000“-Vogelschutzgebieten im Havelland unter Kunststofffolien Spargel angebaut wird. Wie eine Sprecherin der Berliner Vertretung der EU-Kommission bestätigte, habe die Kommission „im Anschluss an eine Beschwerde von Bürgern und Nichtregierungsorganisationen“ weitere Informationen vom Land Brandenburg zur Genehmigung des Spargelanbaus unter Folie in geschützten Natura-2000-Gebieten angefordert.

Der Sprecher des Potsdamer Landwirtschaftsministeriums, Jens-Uwe Schade, sagt, dass schon seit Mai ein Pilotverfahren der EU-Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland geführt werde. „Dieser Weg wird von der EU-Kommission beschritten, wenn sie Kenntnis von einem möglichen Verstoß gegen EU-Recht erhält“, so Schade. „Solche Verfahren haben das Ziel, gemeinsam mit dem betreffenden Mitgliedstaat ein jeweils zugrunde liegende Problem möglichst rasch zu klären.“ Wie sich das Land Brandenburg in diesem Verfahren zum Spargelanbau unter Folie in Vogelschutzgebieten positioniere, sei aber noch unklar. „Aktuell werden zum Thema vorliegende Gutachten bewertet, es soll weiterhin eine Beratung mit Spargelbauern geben“, so Schade. Erst danach könne er mitteilen, „wie die aktuelle Positionierung des Landes sein wird“.

In den vergangenen Jahren hatten vor allem die Brandenburger Grünen den Spargelanbau unter Plastikfolie kritisiert. So hatte die EU-Abgeordnete Ska Keller deswegen mehrfach Anfragen im EU-Parlament gestellt. Der Spreewälder Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Grüne) erklärte, aus seiner Sicht scheine es nun amtlich zu sein, dass „Plastikspargel ein Irrweg“ sei, „besonders in Naturschutzgebieten“. Brandenburg müsse nun nicht nur gegenüber der EU Rede und Antwort stehen, es drohe auch ein teures Vertragsverletzungsverfahren. „Das kommt aber nicht unerwartet, das Ministerium war vorgewarnt“, so Raschke. „Seit 2016 hat es eine Verwaltungsvorschrift in der Schublade, um den Anbau von Spargel zu regeln.“ Er könne nur seine Erwartung wiederholen, dass vor der nächsten Spargelsaison Fakten geschaffen werden müssten.