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| 17:31 Uhr

Bildung in Brandenburg
„Bei den Lehrern sind wir auf einem guten Weg.“

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) stellte sich den Fragen der Lausitzer Rundschau.
Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) stellte sich den Fragen der Lausitzer Rundschau. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Angelika Brinkop
Potsdam. Brandenburgs Bildungsministerin will Grundschüler besser fördern. Nachholbedarf besteht beim Lernen mit digitalen Medien. Von Benjamin Lassiwe

Seit neun Monaten ist sie Bildungsministerin in Brandenburg: Britta Ernst (SPD). Im RUNDSCHAU-Interview erklärt die Politikerin, dass das Land bei den Neueinstellungen von Lehrern auf einem guten Weg ist – und sie selbst 2019 auf keinen Fall für den Landtag kandidieren will.

Frau Ministerin, noch sind in Brandenburg Sommerferien. Wird es denn nach den Ferien genügend Lehrer geben?

Ernst Wir sind auf einem guten Weg: Rund 1000 Lehrkräfte müssen wir bis zum Schuljahresbeginn neu einstellen. Derzeit haben wir 981 eingestellt und für weitere 92 verbindliche Zusagen. Damit sind wir sehr zufrieden. Bis zum Ferienende werden die nötigen Lehrkräfte an Bord sein. Erfahrungsgemäß ist es so, dass einige, die eine Zusage gegeben haben, dann doch nicht kommen. Dafür gibt es „Plan B“.

Wie sieht der „Plan B“ denn aus?

Ernst Wir greifen auf andere Ressourcen zurück.

Wo haben Sie denn noch Ressourcen im System übrig?

Ernst Wir stellen ja nicht nur Lehrkräfte für den Unterricht ein, sondern auch zusätzliche Lehrkräfte zum Abbau von Unterrichtsausfall. Die Schulen bekommen 102 Prozent und die Schulämter ein weiteres Prozent des Personalbedarfs plus Ressourcen für Vertretung – daraus ergeben sich Spielräume.

In den vergangenen Jahren mussten Lehrer, die bereits an den Brandenburger Schulen unterrichteten, mit Beginn der Sommerferien gehen, weil sie nur befristete Verträge hatten. Ist das in diesem Jahr auch so gewesen?

Ernst Das ist erfreulicherweise bis auf ganz wenige Ausnahmen bei uns kein Thema. Das ist in Brandenburg anders als in anderen Bundesländern.

Sie sind jetzt seit zehn Monaten in Brandenburg Ministerin. Was ist Ihr Eindruck vom Brandenburger Schulwesen?

Ernst Ich habe einen guten Eindruck bekommen. Schon bevor ich nach Brandenburg kam, habe ich mir Bildungsstudien angeschaut. An den weiterführenden Schulen zeigen die Schülerinnen und Schüler gute Leistungen. An den Grundschulen sind wir noch verbesserungsfähig, aber es besteht kein Grund zur Dramatik. Bei meinen Schulbesuchen habe ich ausgesprochen engagierte Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, die jedes Kind gut fördern und bei seinen Talenten unterstützen. An den Schulen des Landes Brandenburg wird mit sehr viel Herzblut gearbeitet.

Wo muss Brandenburg noch besser werden? Was sind Ihre Ziele für das letzte Jahr der Legislaturperiode?

Ernst Das wichtigste Ziel ist generell die Verbesserung der schulischen Qualität. Wir wissen durch den letzten IQB-Bildungstrend, dass die Leistungen in Deutsch und Mathematik in der Grundschule besser geworden sind. Damit sind wir aber noch nicht zufrieden. Wir müssen mit den uns zur Verfügung stehenden Instrumenten die Kinder besser fördern. Und das zweite Thema ist das Lernen mit digitalen Medien. Da haben wir in ganz Deutschland Nachholbedarf. Hier schreitet Brandenburg mit großen Schritten voran.

Wir haben für unser Programm Medienfit zwei Millionen Euro aus dem Nachtragshaushalt 2018 bekommen und können jetzt zehn Prozent der Schulen im Land bei Investitionen unterstützen. Und dann warten wir auf den großen Digitalpakt des Bundes mit 3,5 Milliarden Euro für alle Länder. Mit dem Geld daraus können wir weiteren Schulen helfen.

Haben denn alle Brandenburger Schulen mittlerweile schnelles Internet?

Ernst Nein.

Wie funktioniert Medienförderung dann?

Ernst Wir gehen Schritt für Schritt. Das Land beispielsweise unterstützt den Breitbandausbau, die Schulträger leisten Investitionen, die Lehrkräfte müssen fortgebildet werden. Jeder muss an seiner Stelle Verantwortung wahrnehmen. Dann kommen wir voran.

Aber wie geht Medienunterricht ohne Internet?

Ernst Das Internet funktioniert manchmal nur in einem Raum oder dem Computerkabinett. Es steht auch nicht flächendeckend zur Verfügung. Aber bei unserem Programm Medienfit geht es ja nicht nur um digitale Medien, sondern um Medienbildung generell. Auch Tageszeitungen wie Ihre können eine Rolle spielen.

Ein Thema in der Lausitz ist immer auch die Zukunft des Sorbischunterrichts. Wo steht das Land da?

Ernst Wir haben mit dem Niedersorbischen Gymnasium eine Spezialschule. Diese Schule erhält zusätzliche Ressourcen für den Unterricht und wird von den Eltern und den Schülerinnen und Schülern gut angenommen. Das Gymnasium leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Sprache. Wir hoffen, dass viele der Schülerinnen und Schüler so viel Interesse am Sorbischen haben, dass sie später die Sprache studieren und als Lehrkräfte für nachfolgende Schülergenerationen zur Verfügung stehen. Zudem überlegen wir, wie wir in den Kitas eine stärkere Basis für den Sorbischunterricht schaffen können. Mein Ziel ist es, die Sorben-Wenden-Schulverordnung im Konsens mit allen Beteiligten auf den Weg zu bringen. Ich denke, dass wir in der zweiten Jahreshälfte 2018 oder Anfang 2019 soweit sind.

Sie haben aus Ihrer Zeit als Bildungsministerin in Schleswig-Holstein Erfahrungen mit Minderheitensprachen. Wer steht denn besser da? Die Sorben oder die Dänen und Friesen in Schleswig-Holstein?

Ernst Die Dänen stehen auf jeden Fall besser da, weil es ein ganzes Land gibt, in dem Dänisch gesprochen wird. Die Friesen und die Sorben haben das nicht, und deswegen ist es eine große Herausforderung, die Sprache am Leben zu erhalten. Das geht nur, wenn die Sprache auch in den Familien gesprochen wird und Vereine dabei helfen. Für die Lausitz und die Sorben/Wenden bin ich da ganz zuversichtlich.

Wie steht es mit der sorbischen Lehrerbildung? Gibt es genügend Studenten?

Ernst Derzeit haben wir ausreichend Lehrkräfte für den Sorbischunterricht. Aber in einigen Jahren werden viele Lehrerinnen und Lehrer in den Ruhestand gehen. Deshalb führen wir schon jetzt Gespräche mit dem Wissenschaftsministerium und dem Institut für Sorabistik in Leipzig, um unseren Bedarf auch weiterhin sicherstellen zu können. Außerdem bieten wir interessierten Lehrkräften regelmäßig Fort- und Weiterbildungsangebote für Sorbischunterricht an.

Mit Ihrer Ministerkollegin Martina Münch sind Sie ja dabei, noch weitere Studienplätze für die Lehrerbildung in Brandenburg zu schaffen. Bleibt Potsdam auf Dauer die einzige Universität, an der in Brandenburg Lehrer ausgebildet werden?

Ernst Ich bin glücklich, dass uns bei den Haushaltsberatungen der große Durchbruch gelungen ist. Wir konnten die Zahl derjenigen, die ein Lehramtsstudium beginnen, deutlich steigern. Derzeit haben wir rund 450 Absolventen der Universität Potsdam pro Jahr. 2019 sollen 800 beginnen, sodass perspektivisch 600 davon mit dem Studium fertig werden. 2020 sollen 1000 beginnen, von denen dann hoffentlich 800 fertig werden. Wir werden damit den Lehrkräftebedarf aus eigener Kraft decken können. Und wir überlegen, ob wir an der BTU in Cottbus in die Ausbildung für Berufsschullehrer einsteigen. Allerdings wissen wir aus anderen Bundesländern, dass nur sehr wenige junge Leute das Berufsschullehramt studieren. Wir müssen also sehen, ob sich so ein Studiengang in Brandenburg lohnt.

Als Ministerin sind Sie ja auch für Jugend und Sport zuständig – mit welchem Brandenburger Team fiebert die Sportministerin denn besonders mit?

Ernst Eine Sportministerin fiebert nicht nur für einen Verein. Aber mich beeindruckt zum Beispiel der Kanuclub Potsdam mit seinen herausragenden Sportlerinnen und Sportlern, die auch Medaillen für Deutschland holen. Mich beeindrucken die Frauenfußballmannschaft von Turbine Potsdam, die Bob-Fahrerinnen und Fahrer und natürlich der Cottbuser Radsportler Maximilian Levy, der gerade bei den Deutschen Meisterschaften im Bahnradsport in Dudenhofen wieder Gold geholt hat. Brandenburg ist auch im Sportbereich ein Land der Vielfalt.

Wo sehen Sie beim Thema Sport die Schwerpunkte Ihres Hauses?

Ernst Brandenburg ist beim Sport unglaublich gut aufgestellt. Wir sind sehr gut im Breitensport und mit den drei Spezialschulen des Sports auch bei der Verbindung zwischen Sport und Schule. Und wir fördern den Spitzensport. Bei den Haushaltsberatungen ist es gelungen, die Förderung von 17 auf 19 Millionen Euro zu erhöhen. Das wird den Vereinen genauso zugutekommen wie unsere Investitionsprogramme „Goldener Plan Brandenburg“ und „KIP Sport“.

Eine letzte, persönliche Frage: Sie sind in Brandenburg angekommen, wohnen mit Ihrem Gatten in Potsdam – wollen Sie denn auch 2019 für den Brandenburger Landtag kandidieren?

Ernst Nein. Ich war 14 Jahre lang Abgeordnete, nämlich Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, das war eine sehr lange Zeit. Ich war mit Leib und Seele Abgeordnete, aber künftig möchte ich es nicht mehr sein.

Mit Britta Ernst
sprach Benjamin Lassiwe.