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Bei Biber-Schäden Tötung der Tiere gestattet

Der geschützte Biber gerät schnell unter Kritik, wenn er Schaden anrichtet.
Der geschützte Biber gerät schnell unter Kritik, wenn er Schaden anrichtet. FOTO: Patrick Pleul/dpa
Potsdam. Den eigentlich geschützten Bibern kann es Brandenburg durchaus an den Kragen gehen: auch mit Kaliber 6,5 Millimeter. Jedenfalls dann, wenn die Tiere großen Schaden anrichten. (dpa/bb)

In Brandenburg dürfen eigentlich unter Schutz stehende Biber künftig im Einzelfall gefangen und sogar getötet werden. Das sei aber nur möglich, wenn Menschen in Gefahr geraten, weil die Tiere sich an Deichen oder Straßen zu schaffen machten, sagte Jens-Uwe Schade, Sprecher des Umweltministerium am Donnerstag. An diesem Freitag tritt im Land eine Biber-Verordnung in Kraft. Sie regelt vorbeugende Maßnahmen und den Umgang mit den geschützten Tieren.

Die nach bayerischem Vorbild entstandene Landesverordnung löse nicht alle Probleme, betonte Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD). Es gehe aber um ein einheitliches Vorgehen der Behörden in den Landkreisen, um Schäden durch Biber zu verhindern. Biber werden etwa einen Meter lang. Sie wiegen zwischen 20 und 30 Kilogramm und sind Pflanzenfresser.

In Brandenburg leben etwa 3000 Biber an Elbe und Oder - ein Drittel des Gesamtbestandes in Deutschland. Zu Wendezeiten waren sie im Land fast ausgerottet. Mittlerweile werden sie jedoch mancherorts zum Problem, weil sie mit ihrem Treiben Stau- und Hochwasserschutzanlagen gefährden und auch auf Äckern und im Wald Schäden anrichten.

Vor allem im Landkreis Märkisch-Oderland leiden Menschen unter überfluteten Feldern und Kellern. Dafür werden Biber mitverantwortlich gemacht. Eine regionale Arbeitsgruppe von Landwirten, Naturschützern, Verwaltungen und anderen Interessengruppen sucht bereits länger nach Lösungen.

Als erste Maßnahme sieht die Verordnung das Einfangen und Umsiedeln der Schaden verursachenden Tiere vor. Gelingt das nicht, können sie auch getötet werden. In jedem Falle müssen tierschutzrechtliche Vorgaben beachtet werden. Die Verordnung legt unter anderem auch das Kaliber der Büchsenpatronen fest, mit denen Biber erlegt werden dürfen. Es muss mindestens Kaliber 6,5 Millimeter sein.

Laut Biber-Verordnung erhalten die Gewässerunterhaltungsverbände nun rund 300 000 Euro für die Sicherung von Deichen, an denen sich Biber zu schaffen machen. Weitere 700 000 Euro sollen bis 2020 aus EU-Kassen kommen. Zwei Bibermanager sollen beraten und Schulungen organisieren, aber auch ein Netz ehrenamtlicher Biberbetreuer aufbauen.

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