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Reformationstag
Bedford-Strohm lädt den Papst nach Deutschland ein

Viel Politprominenz in Wittenberg: Berlins Regierender Bürgermeister Müller,  Landesbischöfin Junkermann, Bundestagspräsident Schäuble, Lettlands Präsident Vejonis, der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm, Bundespräsident Steinmeier, Kulturstaatsministerin Grütters (CDU), Kanzlerin Merkel, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff und Bürgermeister Zugehör.
Viel Politprominenz in Wittenberg: Berlins Regierender Bürgermeister Müller, Landesbischöfin Junkermann, Bundestagspräsident Schäuble, Lettlands Präsident Vejonis, der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm, Bundespräsident Steinmeier, Kulturstaatsministerin Grütters (CDU), Kanzlerin Merkel, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff und Bürgermeister Zugehör. FOTO: Hendrik Schmidt / dpa
Wittenberg. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche nutzt den Abschluss des Lutherjubiläums für große Gesten – auch in Richtung der katholischen Kirche. Von Benjamin Lassiwe

„Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen...“ Das wohl bekannteste evangelische Kirchenlied der Welt erklang, als sich die Spitzen von Staat und Gesellschaft am Dienstag in der Wittenberger Schlosskirche versammelten. Hier, wo Martin Luther 1517 seine 95 Thesen an die Tür des Gotteshauses genagelt haben soll – was in der historischen Forschung freilich umstritten ist – hatte die Evangelische Kirche in Deutschland zu einem Festgottesdienst eingeladen, um den 500. Jahrestag der Reformation zu feiern.

Und alles, was Rang und Namen hat, war nach Wittenberg gekommen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), dazu ausländische Staatsgäste in Gestalt der Präsidenten Lettlands und Ungarns, Raimondis Vejonis und Janos Ader. Und auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Landesbischof Markus Dröge sah man in den Kirchenbänken versammelt.

Während draußen vor der Kirche Demonstranten laut „Merkel muss weg!“ skandierten, hörten die Gottesdienstbesucher, wie sich der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, gegen eine Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen aussprach. „Was dieses Land braucht, ist eine Kraft, die die Angst überwindet und die die Liebe stärkt“, sagte Bedford-Strohm in seiner Predigt.

Er erinnerte daran, dass das Reformationsjahr 2017 im Zeichen der Ökumene stand. „Wir haben die Herabsetzung der anderen christlichen Konfessionen als Schuld bekannt und um Vergebung gebeten“, sagte Bedford-Strohm. Und dann machte Bedford-Strohm etwas, was dem Reformator Martin Luther wohl niemals in den Sinn gekommen wäre: Von der Kanzel der Wittenberger Schlosskirche aus lud er den Papst nach Wittenberg ein. „Lieber Papst Franziskus, Bruder in Christus, wir danken Gott von Herzen für Dein Zeugnis der Liebe und Barmherzigkeit, das auch für uns Protestanten ein Zeugnis für Christus ist“, sagte Bedford-Strohm. „Und wenn Du einmal nach Wittenberg kommst, dann werden wir Dich ein halbes Jahrtausend nach der Verbrennung der Bannbulle von ganzem Herzen willkommen heißen.“

Doch der Festgottesdienst in der Schlosskirche war nicht der einzige Höhepunkt des Reformationstages. „Heute schauen die Völker der Welt auf Wittenberg“, sagte Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU), als er in der Stadthalle der Lutherstadt einen staatlichen Festakt eröffnete.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte, die Beteiligung der Bundesregierung an der Vorbereitung des Jubiläums sei „Ausdruck unseres Bestrebens, auch über dieses Jubiläum hinaus ein reiches religiöses Leben in Deutschland zu ermöglichen.“

Glaubensfreiheit erfordere es auch, Religionen vor Geringschätzung zu schützen. Sie halte den Einsatz für Religionsfreiheit für eine gemeinsame Aufgabe von Politik und Kirchen. „Auch wenn unser Staat ohne jeden Zweifel der religiösen Neutralität verpflichtet ist, darf sich die Politik nicht von der Aufgabe frei machen, ein gemeinsames Wertefundament zu schützen, das unerlässlich für den Zusammenhalt dieses Landes ist.“ Merkel würdigte zudem die „religiöse Bildung“ als eine wichtige Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Kirchen und auch Medien.