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Bauern und Jäger legen gemeinsam auf Wildschweine an.

Die Wildschweinpopulation ist groß. Die Afrikanische Schweinepest droht. Jäger und Bauern legen gemeinsam in Maisfeldern auf die Schwarzkittel an.
Die Wildschweinpopulation ist groß. Die Afrikanische Schweinepest droht. Jäger und Bauern legen gemeinsam in Maisfeldern auf die Schwarzkittel an. FOTO: dpa
Cottbus. Bauernverband und Jagdverband haben jetzt gemeinsam zu verstärkter Wildschweinjagd aufgerufen. Grund dafür ist, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) nur noch 300 Kilometer von Deutschland entfernt ist und Haus- und Wildschweine davon bedroht sind. Das Ansteckungsrisiko im Seuchenfall lasse sich bereits jetzt durch effektive Jagd senken, sind sich Jäger und Bauern einig. Die anstehende Maisernte biete eine gute Möglichkeit dazu. Hannelore Grogorick

Ab Mitte September beginnt die Maisernte. Sie für die Jagd auf Wildschweine zu nutzen ist bereits eine bewährte Methode. Dorsten Höhne von der Agrargenossenschaft Züllsdorf ist der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster. Er sagt: "Wir arbeiten schon lange gut mit den Jägern zusammen. Im Blick auf die drohende Afrikanische Schweinepest aktivieren wir jetzt die Zusammenarbeit natürlich."

Die Krankheit bedroht schließlich die Schweine in Wald und Stall gleichermaßen. Über Tschechien ist die Tierseuche inzwischen bis auf 300 Kilometer an Deutschland herangerückt. Die ASP-Ausbreitung findet derzeit hauptsächlich über verunreinigte Lebensmittel statt. Auch können Viren an Schuhen oder Autoreifen haften. Infizierte Wild- und Hausschweine übertragen das Virus ebenso. "In unseren Regionen werden gegenwärtig verstärkt Proben von erlegten Tieren vom Veterinäramt untersucht", sagt Dorsten Höhne.

Doch nicht nur Hygienemaßnahmen sollen vor einem Seuchenfall schützen, sondern eben auch die Verringerung der Population. Wildschweine lieben Mais und verbringen ab August viel Zeit in den Feldern. Während im Forst die Jagd auf Wildschweine nicht ganzjährig erlaubt ist, gilt für die Schwarzkittel auf den Feldern keine Gnadenpause. "Im Wald gelten die Wildschweine ja auch als Grubber des Bodens. Auf den Feldern ist der jährlich angerichtete Schaden hoch", erläutert Höhne weiter.

Aber das Problem ist viel weitreichender. Die Bauern fürchten bei einem Seuchenausbruch um ihre Schweinebestände. Beispielsweise hat die Agrargenossenschaft Züllsdorf 3800 Schweine-Mastplätze. Für ein Mastschwein gibt es gegenwärtig laut Höhne 130 Euro. "Der Erlösausfall wäre schlimm", sagt er. "Wenn ein Seuchenfall bekannt wird, ist für diese Gegend alles vorbei." Zu dem riesigen wirtschaftlichen Schaden käme der seelische Druck noch hinzu. "Wir hoffen, dass zügig ein wirksamer Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest gefunden wird", sagt Höhne.

Die Jäger wiederum wollen vor allem die Fraßschäden in der Landwirtschaft so gering wie möglich halten. Für die Begleichung von Wildschäden sind nämlich die Jagdgenossenschaften zuständig. Da werden nicht nur Maisfelder geplündert, auch Erbsen und die Ähren von Hafer und Weizen schmecken Wildtieren offensichtlich gut. "Wir halten dafür die Jagdpacht gering", sagt Höhne. Er weiß nämlich, dass Jäger ganz schön zur Kasse gebeten werden. Neben den Fressschäden gehen Munition, Laboruntersuchungen von Tierproben, Trichinenuntersuchung und Ähnliches ins Geld. "Manche Fläche kann manchmal schon nicht mehr verpachtet werden, weil die Begleichung der Wildschäden zu hoch wäre", weiß Höhne ebenso.

An einer engen Zusammenarbeit von Bauern und Jägern führe aber nichts vorbei, sagt der Chef des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster. Schon deshalb, weil gerade die Wildschweine ziemlich schlau seien. Sie würden recht schnell registrieren, wo sie sich gefahrlos aufhalten könnten. Das seien zum Beispiel Schutzgebiete wie Kippenflächen. "Wenn aber die Pest da ist, dann wird dieser Schutzstatus hinfällig", sagt Höhne. Sicher fühlten sich die Schwarzkittel auch im hohen Mais, dessen Schläge in seiner Genossenschaft zehn bis 20 Hektar groß seien. Um da für die Jäger gute Abschussbedingungen zu schaffen, würden vorausblickend Bejagungsschneisen eingehächselt oder schon während des Einsäens im Frühjahr angelegt. So könnten die Jäger Spuren erkennen und sich bei Wildwechseln auf die Lauer legen.

Der Deutsche Jagdverband e.V. hat zudem Jäger und Landwirte aufgerufen, ungeklärte Todesfälle bei Wildschweinen unverzüglich dem zuständigen Veterinäramt zu melden, da das Virus hochansteckend und für Schweine immer tödlich sei. Gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband fordert er zudem aufgrund der aktuellen Situation Bund und Länder auf, eine effektive und flächendeckende Schwarzwildbejagung in Deutschland sicherzustellen. Dazu gehöre insbesondere, die Jagdruhe in Schutzgebieten aufzuheben. Zudem sollten Behörden bundesweit dem Vorbild einiger Bundesländer und Kommunen folgen und künftig keine Gebühren mehr für die Trichinenuntersuchung von Frischlingen erheben.

Weitere Stimmen:

Elke Faber, die Vorsitzende des Kreisjagdverbandes für den Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises: Zudem steht die Schweinepest schon vor der Tür. Der deutlich schnellere als berechnete Vormarsch der Krankheit über Polen und Tschechien erzeugt besorgte Gesichter. Das Virus ist bereits bis auf 300 Kilometer an die deutsche Grenze herangerückt. Die Infektion verursacht sowohl bei Wild- als auch bei Hausschweinen schwere Erkrankungen und ist immer tödlich. Menschen können sich nicht anstecken. Die große Furcht ist die vor enormen materiellen Schäden in der Landwirtschaft.

"Wir müssen es schaffen, das Schwarzwild deutlich zu reduzieren", erklärt Dr. Dirk-Henner Wellershoff, der Vorsitzende des Landesjagdverbandes Brandenburg. Im Ernstfall erhalte der Kreis-Veterinär die Jagdhoheit.

SYMPTOME FÜR DIE AFRIKANISCHE SCHWEINEPEST

Bei Schwarzwild führt die Infektion zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft ("Liegenbleiben in der Suhle") oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen zum Tod des Tieres etwa innerhalb einer Woche.

Beim Aufbrechen der Stücke sollte auf vergrößerte, "blutige" Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt.

?(Hinweise des Friedrich-Loeffler-Instituts)