„Die meisten Milchkühe sind permanent krank“, behauptet der Schauspieler und Tierwohl-Aktivist Hannes Jaenicke. „Das ist falsch“, entgegnet Lars Schmidt, Vorsitzender des Milchbeirats im Landesbauernverband Brandenburg. Schon ökonomisch würde es überhaupt keinen Sinn ergeben, kranke Tiere zu halten. „Hinzu kommt unser Berufsethos. Die Tiere liegen uns am Herzen“, sagt Schmidt über die Bauernschaft in Brandenburg und darüber hinaus.
Vereinzelte schwarze Schafe gebe es in jeder Branche. Aber das Netz an verpflichtenden Kontrollen durch Ämter und freiwilligen Checks etwa im Rahmen des Qualitätsmanagements Milch sei sehr dicht. „Bei QM Milch machen in Brandenburg alle Milchbauern mit“, betont Schmidt.

Der Zellzahlwert gibt Auskunft über die Eutergesundheit

So werde zum Beispiel in der Regel einmal im Monat bei jeder Milchkuh der Zellzahlwert gemessen, der Auskunft über die Eutergesundheit gibt. Und das sei nur einer von vielen Gesundheits-Parametern, die man als Milchbauer ständig im Blick habe. Und zwar um zu erkennen, wie es der Herde gerade geht. Sommer-Wetter beispielsweise könne eine Belastung sein, die den Stoffwechsel verändere. Darauf müsse man dann gegebenenfalls mit einer Futterumstellung reagieren. „Milchviehhalter dokumentieren akribisch, wie es ihren Tieren geht“, betont Lars Schmidt.
Gebe man die Milch seiner Kühe in den Tankwagen der Molkerei, werde sie jedes Mal per Schnelltest untersucht. Mit der seit Juli 2021 verschärften Milchgüteverordnung sei zudem das Netz der Kontrollen auf Antibiotika-Rückstände in der Milch noch einmal verdichtet und verfeinert worden. „Engmaschiger geht es nicht mehr. Alles wird notiert“, sagt Lars Schmidt. Das gehe schon beim Tierarzt los, der selbstverständlich alles dokumentiere, was mit den Kühen passiert.

Entzündungshemmer und Antibiotika für das Euter

Auch über Jaenickes Aussage, Milchkühe würden „ständig Medikamente bekommen“, könne er nur den Kopf schütteln, sagt der Vorsitzende des Milchbeirats. „Unser Anspruch ist, mit gutem Futter und optimalen Haltungsbedingungen zu verhindern, dass Krankheiten auftreten“, versichert Lars Schmidt. In seinem Betrieb seien derzeit von 700 Milchkühen zwei Tiere krank, unterstreicht der Landwirt. Die Entzündungen ihrer Euter werden mit einem Entzündungshemmer und mit „so wenig wie möglich“ Antibiotikum behandelt.
Es dauere dann im Durchschnitt nach der letzten Behandlung eine Woche, bis die Milch dieser Kühe nicht mehr weggekippt wird, sondern wieder in den Verzehr geht. „Vorher machen wir natürlich einen sehr sensiblen Test und schauen, ob wirklich alles raus ist.“

Statt maximaler Milchleistung stärkerer Fokus auf Langlebigkeit

Das Thema „Hochzüchtung“ der Kühe mit Blick auf eine immer größere Milchleistung schätzt Lars Schmidt als ambivalent sein. Natürlich spiele die Milchleistung ökonomisch eine große Rolle. Aber schon seit einigen Jahren verschiebe sich der Fokus. Bei den Zuchtwerten für Milchkühe komme es nun verstärkt auf Langlebigkeit an. „Da steckt auch ein ethischer Ansatz dahinter. Wir wollen die Kühe möglichst lange behalten“, unterstreicht Lars Schmidt.