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Umsatzplus in Schwarzheide
Chemieriese übersteigt Milliardengrenze

Für die neue Verbrennungsanlage haben BASF-Geschäftsführer Jürgen Fuchs (v.l), der Aufsichtsratsvorsitzende Uwe Liebelt und Infrastruktur-Chef Bram Jansen jetzt den Startschuss gegeben.
Für die neue Verbrennungsanlage haben BASF-Geschäftsführer Jürgen Fuchs (v.l), der Aufsichtsratsvorsitzende Uwe Liebelt und Infrastruktur-Chef Bram Jansen jetzt den Startschuss gegeben. FOTO: BASF Schwarzheide GmbH / Steffen Rasche/Medfienverlag
Schwarzheide. Die BASF in Schwarzheide glänzt mit einem Umsatz-Rekord. Trotz toller Zahlen steht das Unternehmen vor Problemen. Von Jan Augustin

Einen schwindelerregenden Umsatz hat der Chemieriese aus Schwarzheide wieder geschafft. Der Gesamtwert der verkauften Produkte und Dienstleistungen stieg im vergangenen Jahr auf 1,13 Milliarden Euro an. Das hat der Vorsitzende der BASF-Geschäftsführung Jürgen Fuchs am Donnerstag am Rande der Bilanz-Pressekonferenz auf Nachfrage bestätigt. Über den erzielten Gewinn wollte er keine Auskunft geben. „Unser Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu steigern und dabei Faktoren auszuloten, die wir als Unternehmen gestalten und beeinflussen können“, sagte Jürgen Fuchs. Dafür wolle das Unternehmen weiter kräftig investieren.

So sollen etwa rund 33 Millionen Euro in die Erneuerung der Rückstandsverbrennungsanlage fließen. Der symbolische Spatenstich dafür wurde am Donnerstag vollzogen. „Im Zuge der Modernisierung wird das Verfahren der Rauchgaswäsche optimiert“, erläuterte Fuchs. Künftig werde mit einem abwasserfreien Verfahren gearbeitet. „Dadurch können wir die Anlage nicht nur wirtschaftlicher betreiben und deren Verfügbarkeit erhöhen, sondern die Umwelt weiter entlasten“, sagte er. Die Inbetriebnahme ist im kommenden Jahr geplant.

Weitere Investitionsprojekte seien bereits in Planung. Dazu gehört die Genehmigung zur Modernisierung der Gasturbine des Gas- und Dampf-Kraftwerkes auf dem Gelände. Für die Modernisierung rechnet BASF mit Kosten von 61 Millionen Euro. Darüber hinaus werde geprüft, das Produktportfolio des Standortes zu erweitern. „Als Produktionsstandort sind wir in der Verantwortung, wettbewerbsfähig für die Unternehmensbereiche der BASF-Gruppe zu produzieren. Investitionen sichern die Attraktivität unseres Standortes“, betonte Fuchs.

Schwarzheide habe mit der logistischen Anbindung auch jetzt schon einen Standortvorteil. Bis Ende des kommenden Jahres sollen die Umbauten des Eisenbahnknotens Ruhland abgeschlossen werden. Die Deutsche Bahn investiert hier 70 Millionen Euro. Der Knotenpunkt ist Bestandteil der „Niederschlesischen Magistrale“, die Häfen und Wirtschaftszentren zwischen West- und Osteuropa verbindet. Speziell für die BASF in Schwarzheide wurde ein zusätzliches elektrifiziertes Gleis eingerichtet.

Trotz toller Umsatz-Zahlen, millionenschweren Investitionen und guten Aussichten steht die BASF in Schwazheide aber auch vor Problemen. Das Unternehmen sucht händeringend Mitarbeiter.

Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung am Standort und möglichen zukünftigen Investitionen sind in diesem Jahr rund 100 Stellen zu besetzen, erklärte der Kaufmännische Geschäftsführer Colin von Ettingshausen. Personal benötigt das Unternehmen auch für seine digitale Modernisierung.

Schwarzheide will konzernweit der erste vollständig digital-transformierte Standort werden. Der Weg dahin sei zwar lang. „Erste Schritte sind aber gemacht“, betonte Jürgen Fuchs. Ein Expertenteam tüftelt seit einem Jahr für diesen Schritt. Aktuell sucht der Betrieb nach Daten-Spezialisten (Data Scientists).

Das Thema Fachkräftesuche steht ganz weit oben auf der BASF-Agenda. Im Januar fand im Haus mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden die erste Fachkräftekonferenz statt. An diesem Freitag folgt die zweite Auflage der Konferenz in Senftenberg.

„Gemeinsam diskutieren wir, ein Leistungszentrum für die Lausitz zu gestalten“, sagte von Ettingshausen. „Wenn es uns gelingt, die Kompetenzen und Ressourcen in den Bereichen Aus-, Fort- und Weiterbildung zu bündeln, dann können wir ein starkes Signal für die Zukunft der Region setzen.“