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| 02:40 Uhr

Bald wieder Mönche in Neuzelle?

Ein Kloster könnte auch die Barockkirche in Neuzelle mit geistlichem Leben erfüllen.
Ein Kloster könnte auch die Barockkirche in Neuzelle mit geistlichem Leben erfüllen. FOTO: dpa
Neuzelle. Malerisch thront die Barockkirche von Neuzelle auf einer Anhöhe über dem Odertal. 1268 hatte der meißnische Markgraf Heinrich der Erlauchte hier ein Zisterzienserkloster gegründet. Bis Neuzelle 1815 an Preußen kam, lebten, beteten und arbeiteten hier Mönche. Zwei Jahre später, 1817, wurde das Kloster säkularisiert. Doch das könnte sich bald ändern. Benjamin Lassiwe / iwe1

Künftig könnten wieder gregorianische Gesänge in der prunkvollen Klosterkirche erklingen, künftig könnten auch wieder regelmäßig Stundengebete in Neuzelle (Oder-Spree) gefeiert werden. Denn der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt lässt gegenwärtig prüfen, ob es möglich ist, in Neuzelle wieder ein kleines Zisterzienserkloster einzurichten.

"Heute hat Abt Maximilian drei Mitbrüder, Pater Prior Simeon, Pater Meinrad und Frater Alberich gesegnet, denn sie brechen in das ehemalige Zisterzienserkloster Neuzelle auf", schrieben die Mönche des österreichischen Stifts Heiligenkreuz am Mittwoch auf ihrer Facebookseite. "Gemeinsam mit Pater Kilian, der dazustößt, wollen die vier erkunden, ob eine Wiederbesiedelung dieses Klosters möglich und sinnvoll ist." Gedacht sei an ein "ordentliches Kloster, wo Mönche leben, beten, Choral singen, Gästebetreuung und viel Jugendseelsorge machen können".

Das Kloster Heiligenkreuz besteht seit 1133 und ist heute nicht nur das größte, sondern auch das einzige ohne Unterbrechung bestehende Zisterzienserkloster Europas. Bekannt sind die dortigen Mönche unter anderem für ihre Priesterausbildung: Die im Kloster bestehende "Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz" gehört zu den am besten frequentierten Ausbildungsstätten der katholischen Kirche im deutschen Sprachraum. Und während in Deutschland Klöster geschlossen werden, verzeichnete die Abtei Heiligenkreuz 2015 mit 91 Mönchen einen Stand, den sie zuletzt im 13. Jahrhundert hatte. Papst Benedikt XVI. nannte das österreichische Kloster bei seinem Besuch im Jahr 2007 eine "geistliche Oase" und einen "Ort der Kraft".

Fällt etwas von dieser Kraft demnächst also auf Neuzelle? "Neuzelle ist für unser Bistum ein wichtiger geistlicher Ort", sagt Bischof Ipolt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Wallfahrten in die traditionellen schlesischen Marienwallfahrtsorte nicht mehr möglich waren, hatte das Bistum Görlitz dort eine Wallfahrt etabliert. Regelmäßig pilgern die Christen aus ganz Ostdeutschland seitdem nach Neuzelle, sogar ein eigenes Neuzeller Marienlied findet sich im katholischen Gesangbuch.

"Der Ort soll noch stärker mit geistlichem Leben gefüllt werden", wünscht sich der Bischof. Würde dort ein kleines Kloster errichtet, könnten die Mönche zum Beispiel Pilgergruppen begrüßen, Seelsorge anbieten und die Barockkirche mit Leben erfüllen. Und auch die katholische Kirchengemeinde in Neuzelle würde dann von einem Priester des Konvents geleitet. Endgültig über eine mögliche Klostergründung in Neuzelle entscheiden wollten die Mönche aus Heiligenkreuz allerdings erst im Herbst.

Die vom Land Brandenburg gegründete Stiftung Stift Neuzelle, die die Flächen und Gebäude der Klosteranlage verwaltet, war von der Idee der katholischen Kirche am Mittwoch einigermaßen überrascht. Direktor Walter Ederer will sich aber auf jeden Fall mit den österreichischen Zisterziensern treffen. "Im katholischen Pfarrhaus gäbe es wohl noch freistehende Wohnungen und Kapazitäten", sagt Ederer. Der Rest der Anlage sei mit der im Stift angesiedelten Schule schon recht ausgelastet. Aber die Gründung eines Konvents könnte schon zu einer Belebung des Areals führen und sei ein "interessanter Aspekt".