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| 05:26 Uhr

Kurort-Status in Gefahr
Ein Kurort auf der Suche nach Investoren

Die umstrittene Brücke der Bundesstraße 158, die mitten durch den Kurort im Landkreis Märkisch-Oderland führt. In Bad Freienwalde gibt es kaum Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste.
Die umstrittene Brücke der Bundesstraße 158, die mitten durch den Kurort im Landkreis Märkisch-Oderland führt. In Bad Freienwalde gibt es kaum Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Bad Freienwalde. Bad Freienwalde kämpft um seinen Status als Kurort. Die Stadt erfüllt zwar bisher formal die Auflagen des Brandenburger Gesundheitsministeriums. Doch so einfach ist die Sache dann doch nicht.

Brandenburgs ältester Kurort braucht dringend Investoren. In Bad Freienwalde, malerisch in der Landschaft eingebettet, gibt es kaum Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste. Das einzige Hotel ist schon vor Jahren pleite gegangen. Das macht der Stadt zu schaffen – denn der Status als „staatlich anerkanntes Moorheilbad“ steht auf der Kippe.

Noch bis Mitte 2020 hat die Kommune Zeit, Infrastruktur und Kur-Angebote zu verbessern. Aber das ist nicht so einfach. „Wir als Stadt können eine Herberge gehobenen Standards nicht selber bauen oder gar betreiben“, sagt der Bad Freienwalder Stadtentwickler Rainer Texdorf. Dennoch habe die Kommune dafür schon einiges getan. Denn geeignete Gebäude gebe es dafür schon.

So hat die Stadt das schon lange leerstehende Kreishaus nebst der früheren Landratsvilla im Stadtzentrum gekauft, ein Exposé dazu erstellt und an rund 300 potenzielle Investoren verschickt. Im Ergebnis gab es laut Texdorf einen „schmalen Rücklauf“. Lediglich mit einer Firma aus Bayern sei die Stadtverwaltung in Kontakt, deren Konzept ist laut Landesinvestitionsbank jedoch nicht förderfähig.

„Wir haben unsere Vorarbeit geleistet. Das Problem liegt in der Brandenburger Förderpolitik“, kritisiert der Stadtentwickler. Doch auch er ist sich bewusst, dass das am Ende nicht zählt. Seit 2003 trägt die 12 000-Einwohner-Stadt den Titel „Moorheilbad“. Auflagen zur Verbesserung der Angebote für Kurgäste gab es schon damals. Als das Gremium nach zehn Jahren die Vorgaben überprüfte, stellte es fest, dass sich in Bad Freienwalde so gut wie nichts getan hatte. Der Landesfachbeirat, der das zuständige Gesundheitsministerium berät, empfahl die Aberkennung des Kurorte-Status. Bad Freienwalde drohte sein wichtigstes Aushängeschild zu verlieren. Ministerin Diana Golze (Linke) gewährte nach langem Hin und Her vor zwei Jahren nochmals eine Galgenfrist bis Mitte 2020, nach der die Auflagen endlich erfüllt werden müssen.

Bad Freienwaldes Bürgermeister Ralf Lehmann (CDU) gibt sich optimistisch. „Wir haben bisher alle Auflagen erfüllt und werden den Fachbeirat Mitte 2020 überzeugen.“ Formal gesehen sei das durchaus richtig, bestätigt Gabriel Hesse, Sprecher im Brandenburger Gesundheitsministerium. „Der Rückbau der unansehnlichen Beton-Hochbrücke ist verfahrenstechnisch eingeleitet worden.

Der Flächennutzungsplan der Stadt ist beschlossen, ebenso die Kurort-Entwicklungskonzeption“, sagt er. Die fristgerechte Einreichung sage allerdings noch nichts über die praktische Umsetzung der inhaltlichen Vorgaben. Deswegen werde sich der Landesfachbeirat im Herbst 2018 direkt in Bad Freienwalde ein Bild davon machen.

Nicht besonders positiv dürfte er dabei aufnehmen, dass der Kurdirektor nach zwei Jahren bereits wieder das Handtuch geworfen hat, wie schon einige vor ihm. Und zur inhaltlichen Umsetzung gehört auch ein Angebot unterschiedlicher Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste in Bad Freienwalde, ist sich Stadtentwickler Texdorf bewusst. „Ein Hotel ist der springende Punkt.“

Hoffnungen setzt er neben dem alten Kreishaus auch auf eine Villa im Kurviertel. „Die gehört einem Australier, der endlich bereit ist, sie zu verkaufen. Da suchen wir jetzt Investoren.“

Infrage käme eventuell auch der gegenüber liegende Luisenhof, der aber einem Privatmann gehöre. Das Bethanienhaus, ebenfalls in privater Hand, werde im Herbst versteigert. „Wir haben ein Konzept erstellt und versuchen ebenfalls, Investoren zu finden“, sagt der Stadtentwickler.

Die Stadtverwaltung hat sich seinen Angaben zufolge auch um die Ansiedlung einer weiteren Fachklinik bemüht, wie vom Landesfachbeirat gewünscht. Dazu kaufte die Kommune ein früheres Kasernengelände aus privater Hand zurück. Die Verwaltung spreche mit einem Interessenten, der dort womöglich eine Anti-Aging-Klinik bauen wolle, aber auch noch mit anderen Standorten im Gespräch sei.

„Das sind alles nur vage Hoffnungen. Bad Freienwalde ist für Investoren nicht attraktiv, schon von der Lage und den Verkehrsanbindungen her“, meint hingegen Reinhard Schmook (SPD), Vorsitzender des Bad Freienwalder Hauptausschusses.

Dennoch glaubt er, dass die Auflagen des Gesundheitsministeriums zum Erhalt des Kurortstatus erfüllbar seien.

Bei Gästen müsse Bad Freienwalde mit Tradition und Geschichte, der besonderen Landschaft und natürlich mit dem anerkannten Heilmittel Moor in vielfältigen Angeboten punkten. In dieser Hinsicht seien die Bemühungen der Stadt zu unbeholfen.

„Wir arbeiten auf zu vielen Gleisen parallel. Das übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Kommune“, sagt Schmook.

(dpa)