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| 19:28 Uhr

Kriminalität
Automatensprenger vor Gericht

 „Sprengmeister“ Sven S.: Der mehrfach vorbestrafte, 43-jährige Hauptangeklagte wird am Donnerstag in den Saal 007 am Frankfurter Landgericht geführt.
„Sprengmeister“ Sven S.: Der mehrfach vorbestrafte, 43-jährige Hauptangeklagte wird am Donnerstag in den Saal 007 am Frankfurter Landgericht geführt. FOTO: MOZ / Mathias Hausding
Frankfurt (Oder). Bande soll von Sparkassen 330 000 Euro erbeutet haben. Dem Hauptverdächtigen droht Sicherungsverwahrung. Von Mathias Hausding

Sie machen fette Beute und verbreiten Angst und Schrecken – seit einigen Jahren treiben auch in Brandenburg Geldautomaten-Sprenger ihr Unwesen. Nun steht in Frankfurt (Oder) eine Bande vor Gericht. Weitere Prozesse sollen folgen.

Die Masche der modernen Bankräuber, die zumindest nicht mehr Angestellte und Kunden bedrohen, ist immer die gleiche. Tief in der Nacht steuern sie abgelegene Geldautomaten an, hebeln die Geräte auf, leiten ein Gasgemisch ein und jagen sie in die Luft. Dann entnehmen sie die Geldkassetten und machen sich aus dem Staub.

Zurück bleiben oft verschreckte Nachbarn, zerstörte Bank-Räume
und leere Kassen. 140 000 Euro Sachschaden und 330 000 Euro gestohlenes Bargeld gehen laut Staatsanwaltschaft aktuell auf das Konto jener Bande, von der sich seit Donnerstag zwei Männer vor Gericht verantworten müssen. Diverse Mittäter sind noch auf der Flucht oder deren Taten werden gesondert verfolgt.

Gegen den Hauptangeklagten Sven S. aus Märkisch-Oderland läuft außerdem in Thüringen ein Prozess wegen Geldautomaten-Sprengungen im großen Stil, der allerdings Ende 2018 nach 24 Verhandlungstagen wegen seiner enormen Komplexität ausgesetzt wurde. Deshalb darf sich jetzt die 2. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts um die Vorsitzende Claudia Cottäus mit jenem Mann befassen, der für die Brandenburger Polizei ein alter Bekannter ist.

„Den kenne ich schon lange. Er hat als Einbrecher angefangen, ist uns immer wieder aufgefallen. Eine traurige Karriere“, erzählte Polizeiführer Mathias Schäle im vergangenen Sommer auf einer Pressekonferenz. Weil der mehrfach vorbestrafte 43-Jährige als unbelehrbar gilt, strebt die Staatsanwaltschaft im jetzigen Verfahren die Sicherungsverwahrung an, also die langfristige Unterbringung auch nach einer möglichen Haftstrafe.

In Frankfurt sollen an insgesamt 22 Verhandlungstagen bis Anfang September vier Sprengungen aufgeklärt werden. So wird Sven S. zur Last gelegt, am 10. Februar 2014 mit einem unbekannten Mittäter eine Bank in Straupitz im Spreewald überfallen zu haben. Mithilfe einer Schweißausrüstung soll der „Sprengmeister“ gegen 23 Uhr ein Acetylen-Sauerstoffgemisch in den Geldautomaten geleitet haben. Die anschließende Explosion habe den Automaten zerstört, aber nicht den Tresor. Also zogen die Täter ohne Beute ab.

Am 16. August 2016 in Neuenhagen bei Berlin sei es ähnlich gelaufen. Nur scheiterten die drei Täter diesmal daran, dass ein im Automaten installiertes Anti-Gas-Alarmsystem die Explosion verhinderte. Mehr Glück hatten sie laut Anklage am 11. November gleichen Jahres gegen vier Uhr in einer Werneuchener Sparkassen-Filiale. Sie konnten nach der herbeigeführten Explosion die Geldkassetten entnehmen und auf diese Art 232 000 Euro erbeuten.

Bei den zwei letztgenannten Taten soll der mitangeklagte Grigory W. dabei gewesen sein. Der in Potsdam ansässige Familienvater mit kasachischen Wurzeln wurde im vergangenen Sommer in Brandenburgs Landeshauptstadt festgenommen. Die vierte angeklagte Tat ereignete sich am 1. September 2017 in Prieros. Von der dortigen Sparkasse sollen Sven S. und andere knapp 100 000 Euro erbeutet haben.

Zum Prozessauftakt schwiegen die beiden Angeklagten. Am 1. April soll es mit der Vernehmung erster Zeugen weitergehen. Die Anklage stützt sich vor allem auf belastende Aussagen von Leuten aus dem Umfeld der Täter. Eine wichtige Rolle soll zudem ein Handschuh spielen, der von den Tätern genutzt wurde und dessen Geruch dem Hauptangeklagten zugeordnet wird.

Da es in den vergangenen Jahren in Brandenburg Dutzende Geldautomaten-Sprengungen gab und in vielen Fällen Verdächtige ermittelt wurden, ist demnächst mit weiteren Strafprozessen zu rechnen, wie am Donnerstag von der Staatsanwaltschaft zu erfahren war.

 „Sprengmeister“ Sven S.: Der mehrfach vorbestrafte 43-jährige Hauptangeklagte wird am Donnerstag in den Saal 007 am Frankfurter Landgericht geführt.
„Sprengmeister“ Sven S.: Der mehrfach vorbestrafte 43-jährige Hauptangeklagte wird am Donnerstag in den Saal 007 am Frankfurter Landgericht geführt. FOTO: MOZ / Mathias Hausding