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| 16:38 Uhr

Polizei ist auf A 10 unterwegs
Autobahn-Kontrolle mit Videowagen, Motorrädern und Drohne

Ein Videowagen der Verkehrspolizei fährt auf der Autobahn 10 bei Ludwigsfelde. Er kontrolliert die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer, das Einhalten des Sicherheitsabstandes und bei Staus die Einhaltung der Rettungsgasse.
Ein Videowagen der Verkehrspolizei fährt auf der Autobahn 10 bei Ludwigsfelde. Er kontrolliert die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer, das Einhalten des Sicherheitsabstandes und bei Staus die Einhaltung der Rettungsgasse. FOTO: dpa / Bernd Settnik
Ludwigsfelde. Mehr als 800 Kilometer Autobahnen überwacht die Brandenburger Polizei – auf der Straße und aus der Luft. Dabei geht es nicht nur um Raser auf der Piste. Ein Schwerpunkt der Kontrolle ist mittlerweile der „Normalfall“ Stau. Von Klaus Peters

Polizeihauptmeister Udo Scheil blickt bei der Streifenfahrt auf dem südlichen Berliner Autobahnring in den Rückspiegel und gibt der Kollegin ein Zeichen. Polizeihauptmeisterin Ines Großhanß schaltet das Videomessgerät ein.

Die Polizei hat die Verkehrssünder auf der A 10 im Visier. Moderne Technik im zivilen Streifenwagen hilft dabei.
Die Polizei hat die Verkehrssünder auf der A 10 im Visier. Moderne Technik im zivilen Streifenwagen hilft dabei. FOTO: dpa / Bernd Settnik

„Der kommt mit Macht“, meint Scheil. Mit mehr als 140 Kilometer pro Stunde rauscht ein Auto im Baustellenbereich auf der linken Spur an dem zivilen Wagen der Verkehrspolizei vorbei. „Fünf Sekunden Messung reichen, um den Geschwindigkeitsverstoß gerichtsfest nachzuweisen“, erläutert Scheil. „Heute morgen hatten wir bereits einen mit 178 Stundenkilometern in der 120er-Zone und einen mit 140 in der 80er-Zone.“

Großhanß und Scheil sind am Dienstag auf der Autobahn 10 zwischen Ludwigsfelde und dem Autobahndreieck Nuthetal unterwegs, um Temposünder, unzulässig geladene Sattelzüge und andere Verkehrssünder aufzuspüren. Unterstützt werden sie von zwei Beamten mit Motorrad. Temposünder und auffällige Lastwagen werden auf einen Parkplatz gelotst und dort von Kollegen der Verkehrspolizei überprüft.

Ein Schwerpunkt ist, ob die Lastwagen auf der rechten Spur den Mindestabstand von 50 Metern einhalten. Anhaltspunkte sind dafür die reflektierenden Streckenpfähle, die an den Autobahnen alle 50 Meter gesetzt sind. „Bei Sonne kann man sich an den Schlagschatten der Lkw orientieren“, erläutert Scheil. Die Frontkamera zeichnet die Verstöße zuverlässig auf.

Auf dem Parkplatz stellen die Kollegen der Verkehrspolizei bei einem Lastwagen weitere Verstöße fest. Fünf der Gurte für die Sicherung der Ladung sind verschlissen und müssen vom Fahrer ausgetauscht werden.

Ein Laster, der auf seinem Auflieger einen Kran transportiert, wird von den Motorradpolizisten herausgewunken. Der Fahrer hat die erforderliche Ausnahmegenehmigung für eine Überlänge bis 20,98 Meter – die Messung der Beamten ergibt 20,78 Meter. Alles in Ordnung.

Kommt es zum Stau, setzt Großhanß das Blaulicht aufs Dach. Dann wird kontrolliert, ob Autofahrer die Rettungsgasse blockieren. Bis zu 320 Euro, zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot kann das seit der Gesetzesverschärfung im Oktober vergangenen Jahres kosten.

Aus Sicht von Scheil eigentlich immer noch zu wenig für Autofahrer, die Rettungskräften womöglich den Weg zu lebensgefährlich Verletzten blockieren. „In der Schweiz und in Österreich klappt das mit der Rettungsgasse hervorragend – aber da liegen die Bußgelder über 1000 Euro“, sagt der Polizeihauptmeister.

Allein in der Polizeidirektion West wurden in diesem Jahr bereits 276 Verstöße gegen die Pflicht zur Bildung einer Rettungsgasse angezeigt. Und es könnten noch mehr werden: Zumindest testweise setzt die Polizeidirektion West bereits eine Drohne ein, die den Stau zur Kontrolle der Rettungsgasse überfliegen kann.

Aber am Dienstagvormittag gibt es zumindest auf dem kontrollierten Streckenabschnitt keinen Stau. Der bildet sich 20 Kilometer vorher – nach einem Unfall zwischen einem Lastwagen und einem Auto. Doch Großhanß und Scheil können nicht überall sein.

„Mir macht das Spaß, ich mach das schon seit 2010 und bleibe dabei bis zur Rente“, sagt der 61-Jährige. Wichtig sei ihm die Verkehrserziehung im Gespräch mit den erwischten Autofahrern. „Da gibt es immer wieder auch Einsicht in das Fehlverhalten, wenn die Fahrer unseren Film sehen“, meint Scheil. „Das ist anders als bei einem Blitzer, wo man Wochen später das Bußgeld per Post bekommt.“