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| 02:10 Uhr

Gewagtes Experiment mit Folgen
Auswilderung einer Wölfin in Polen misslungen

Diese beiden Wolfswelpen wachsen im Wildpark Schwarze Berge in Niedersachsen auf. Der Weg in die Freiheit wird ihnen wohl verwehrt bleiben. Experimente mit in Gefangenschaft geprägten Wölfen, die ausgewildert wurden, sind in Polen jetzt gescheitert.
Diese beiden Wolfswelpen wachsen im Wildpark Schwarze Berge in Niedersachsen auf. Der Weg in die Freiheit wird ihnen wohl verwehrt bleiben. Experimente mit in Gefangenschaft geprägten Wölfen, die ausgewildert wurden, sind in Polen jetzt gescheitert. FOTO: dpa / Daniel Bockwoldt
Warschau/Rzeszow. Ein Wolf hat Ende Juni im Südosten Polens eine Frau auf einem Campingplatz und zwei Kinder gebissen. Polnischen Medien zufolge könnte das Tier zur Gefahr für Menschen geworden sein, weil es in Gefangenschaft gehalten worden war.

Ein Wolf, der Ende Juni im Südosten Polens eine Frau und zwei Kinder gebissen hat, ist erschossen und an der biologischen Fakultät der Universität Warschau untersucht worden. Polnischen Medien zufolge habe das Tier weder die Tollwut gehabt noch sei die vermutete Kreuzung von einem Haushund mit einem Wolf zutage getreten. Das schreibt die Märkische Oderzeitung (MOZ) und beruft sich dabei auf die überregionalen Boulevardzeitung „Fakt“ der polnischen Tochtergesellschaft des deutschen Axel-Springer-Konzerns. Das Raubtier hatte demnach ein Mädchen (8) und einen Jungen (10), die im Freien spielten, verletzt. Die Eltern konnten den Wolf vertreiben, die Bisswunden fesselten die Kinder einige Tage ans Krankenhausbett. Der Vorfall hat in Polen für Aufruhr gesorgt. Hier war 1937 der letzte Angriff eines Wolfes auf einen Menschen registriert worden. Und eine jüngste Auswilderung - wenigstens eines Raubtieres - ist gescheitert.

Friedrich Noltenius aus dem sächsischen Lichtenberg, der Vorsitzende des Jagdverbandes Kamenz, hat die Geschichte in den polnischen Medien verfolgt und auf dem Internetportal www.wolfszone.de zusammengefasst.

Demnach hatte im November des vergangenen Jahres ein Bürger im ostpolnischen Bialystok eine Wölfin gefangen, die orientierungslos durch die Straßen gelaufen war. Vermutet wurde, dass das Tier als Welpe in Gefangenschaft geraten und in menschlicher Obhut aufgewachsen war. Aus der Obhut des polnischen Staatsforstes ist die Wölfin dann im März gemeinsam mit einem gesund gepflegten Wolfsrüden besendert in einem Wald bei Bydgoszcz (Bromberg) ausgewildert worden.

Etwa zwei Wochen später berichteten lokale Medien über einen Wolf, der sich in einem Park aufhielt und Einwohner der Stadt Solec Kujawski höchst beunruhigte. Das Tier, die Wölfin Harda (die Unbeugsame), wurde wieder eingefangen und ist jetzt dauerhaft eingesperrt. Der freigelassene Wolfsrüde hatte sich dem Sender zufolge bereits mehr als einhundert Kilometer vom Ort seiner Freilassung entfernt.

Fast drei Monate später im Juni sind die Frau auf einem Campingplatz und die beiden Kinder beim Spielen im Bieszczady Gebirge angefallen worden. Vermutet wird, dass der danach erschossene Angreiferwolf ebenso wie die erfolglos ausgewilderte Wölfin in Gefangenschaft aufgewachsen sein könnte und deshalb in Freiheit zur Gefahr für Menschen wurde. Dieser Verdacht fußt auf der Tatsache, dass der getötete Wolf stark abgenutzte Krallen hatte. Dies und sein Verhalten ließen den Schluss zu, dass das Raubtier in einem Gehege gehalten worden war.

(kw)