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Naturschutz
Ausreichend Platz für Wisente in der Lausitz

Es gibt in Deutschland einige Vorzugsgebiete für die Wiederansiedlung von Wisenten. Besonders prädestiniert ist laut WWF die Lausitz.
Es gibt in Deutschland einige Vorzugsgebiete für die Wiederansiedlung von Wisenten. Besonders prädestiniert ist laut WWF die Lausitz. FOTO: Bernd Settnik / dpa
Cottbus/Guben. Deutschland hat ausreichend Platz für wildlebende Wisente. Das ist das Ergebnis einer WWF-Studie, die die Naturschutzorganisation am Freitag veröffentlicht und die der RUNDSCHAU vorab vorliegt. Besonders geeignet für eine Wiederansiedlung der Tiere ist die Lausitzer Region um Cottbus, den Spreewald und Guben (Spree-Neiße). Von Rüdiger Hofmann

Die Analyse, die von der Humboldt-Universität in Berlin und dem WWF erstellt wurde, hat zehn potentielle Gebiete für eine Wiederansiedlung des Wisents in Deutschland identifiziert. Besonders vielversprechend sind demnach laut WWF-Einschätzung die Region Cottbus-Spreewald-Guben, der Müritz-Nationalpark mit der Mecklenburgischen Seenplatte, der Harz und der Pfälzer Wald.

„Unter ökologischen Gesichtspunkten gibt es in Deutschland genügend Platz für den Wisent“, sagt Dr. Diana Pretzell, die Leiterin des WWF-Naturschutzes für Deutschland. „Jetzt kommt es darauf an, ob die Bevölkerung in den potentiellen Wisent-Regionen sowie die Politik eine Rückkehr der einst ausgerotteten Wildrinder wollen. Dass eine Ansiedlung problemlos erfolgen kann, zeigen andere Projekte in Mittel- und Osteuropa.“ Der Europäische Wisent ist der größte überlebende Pflanzenfresser in Europa und ein naher Verwandter des Amerikanischen Bisons.

Mit 71 bis 78 Einwohnern pro Quadratkilometer ist die Region Cottbus-Spreewald-Guben relativ dünn besiedelt. Über ein Drittel der 880 Quadratkilometer, die als Habitat infrage kommen – zum Teil ehemalige Militärübungsplätze – ist bereits geschützt. Zusätzliche Vorteile für eine Wiederansiedlung des Wisents in diesem Gebiet: die Nachbarschaft zu weiteren geeigneten Lebensräumen in Polen, wodurch eine größere grenzüberschreitende Population entstehen könnte, sowie im Westen die Begrenzung durch die Spree, die eine natürliche Barriere zu den dortigen dichter besiedelten und landwirtschaftlich genutzten Gebieten bildet.

Ein nächster Schritt bestehe nun darin, ein Wiederansiedlungsprojekt tatsächlich zu verwirklichen. Dafür sind laut WWF Machbarkeitsanalysen notwendig, die mit den Akteuren vor Ort erarbeitet werden müssen und folgende Punkte beinhalten sollten:

• Genaue Beschaffenheit und Verfügbarkeit von geeignetem Habitat (Waldbedeckung und -zusammensetzung, Bodenbewuchs, offenes Gelände, Wasserquellen)

• Fragmentierung der Flächen und mögliche Vernetzung (Barrieren, mögliche Korridore, Perspektiven zur Verbindung mit anderen Herden)

• Aufnahmekapazität (soziale Akzeptanz, Notwendigkeit und Möglichkeit der Winterfütterung, Modell der Populationsentwicklung)

• Verhältnis zum Menschen (potenzielle Konflikte mit Forst, Landwirtschaft, Verkehr; Gefahren für Mensch und Tier; Maßnahmen zur Schadensminderung; vorhandene Naturschutzgebiete und -ziele; Einrichtung eines Geheges, wirtschaftliche Möglichkeiten, wie Ökotourismus, Akzeptanz gegenüber dem Wisent in der lokalen Bevölkerung)

• Wiederansiedlungsplan (Größe und Zusammensetzung der Ausgangsgruppe; genetische Struktur; rechtlicher Status; Budgetplan).