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| 15:29 Uhr

Virus rückt immer näher
Ausbruch der Schweinepest in Brandenburg jederzeit möglich

Mecklenburg-Vorpommern, Wismar: Eine Tafel informiert in verschiedenen Sprachen an einem Autobahnrastplatz an der Autobahn A20 bei Wismar über Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Schweinepest. Die Afrikanische Schweinepest ist nun auch in Westeuropa aufgetaucht: Nur 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze sind in Belgien Fälle festgestellt worden.
Mecklenburg-Vorpommern, Wismar: Eine Tafel informiert in verschiedenen Sprachen an einem Autobahnrastplatz an der Autobahn A20 bei Wismar über Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Schweinepest. Die Afrikanische Schweinepest ist nun auch in Westeuropa aufgetaucht: Nur 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze sind in Belgien Fälle festgestellt worden. FOTO: dpa / Jens Büttner
Potsdam. Schon ein gedankenlos aus dem Autofenster geworfenes Wurstbrot kann die Afrikanische Schweinepest auslösen. Wildschweine, die in Kontakt mit solchen Lebensmitteln kommen, übertragen die Seuche. Sie steht bereits vor Brandenburgs Grenzen.

In Brandenburg ist aus Expertensicht jederzeit mit einem möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest zu rechnen. „Wir wissen aber nicht wann und können den genauen Zeitpunkt nicht vorhersagen“, sagte Landestierarzt Stephan Nickisch am Freitag in Potsdam. Bei dem Pressetermin wurde über den Stand der Vorbereitungen informiert – für den Fall, wenn das Virus das erste Mal bei einem toten Wildschwein nachgewiesen wird.

„Es gibt derzeit eine abstrakte Gefährdung. Landkreise und kreisfreie Städte sind sensibilisiert, Brandenburg ist vorbereitet“, sagte Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (Linke). Die Viruserkrankung wird von Wildschweinen übertragen, die kontaminierte Speisereste fressen.

Im September waren in Belgien Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei toten Wildschweinen festgestellt worden - erstmals in Westeuropa. Die Seuche hat sich mittlerweile im Baltikum und in Ostpolen festgesetzt. Auch in Tschechien, Bulgarien und Rumänien gibt es Fälle. „Das bestätigt uns, wir müssen jederzeit mit einem Ausbruch rechnen“, sagte Nickisch. Noch sei kein Fall in Deutschland bekannt.

Deutschland und damit auch Brandenburg sei als Transitland besonders in Gefahr, stellte Minister Ludwig fest. Rund sechs Millionen Ein- und Ausfahrten pro Jahr werden registriert (Stand: 2014). An Rastplätzen und Autohöfen müssen Lebensmittel, die nicht mehr verzehrt werden, sicher entsorgt werden, so dass Wildschweine nicht damit in Kontakt kommen.

In den vergangenen Monaten wurden Nickisch zufolge Bürger, Tierärzte, Landwirte, Jäger und Saisonarbeiter über die Gefahren und das richtige Verhalten informiert. Seit Jahresanfang erhalten Jäger 30 Euro für die Entnahme von Proben aus verendeten Wildschweinen. Seitdem hat sich Zahl der Proben auf 155 verfünffacht. Zudem steht bereits die Besetzung eines Landeskrisenstabes fest, der im Schadensfall Maßnahmen wie die Einrichtung einer Sperrzone von drei bis vier Kilometern rund um den Ausbruchsort koordiniert.

Zur Vorsorge gehört zudem die weitere Reduzierung des Bestandes von Wildschweinen als Hauptübertragungsträger. In der zu Ende gegangenen Jagdsaison wurden knapp 90 000 Schwarzkittel erlegt - ein neuer Rekord.

Eine Impfung oder Behandlung ist nicht möglich. Beim Auftreten der Schweinepest in einem Agrarbetrieb müssten dort sämtliche Hausschweine getötet werden. Für den Menschen ist die Krankheit hingegen ungefährlich. In Brandenburg werden derzeit rund 754 000 Schweine gehalten, der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Wenn in Deutschland ein Seuchenfall auftritt, darf deutsches Schweinefleisch außerhalb der Europäischen Union nicht gehandelt werden. Tritt der Virus in einem Hausschweinbestand auf, müssten zudem alle Tiere des Bestandes getötet werden.

Besonders hart treffen würde ein Ausbruch der Schweinepest also Landwirte und Schweinezüchter samt der Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe, die an der Schweinefleischproduktion mit dranhängen. Ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest wäre also für die rund 27.000 Schweinehalter in Deutschland dramatisch.

Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest laut Experten ungefährlich.

(dpa/lsc)