ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:55 Uhr

Sondersitzung in Potsdam
Aufklärung im Brandenburger Medikamentenskandal?

Im Fokus der Kritik: Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Die Linke).
Im Fokus der Kritik: Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Die Linke). FOTO: dpa / Britta Pedersen
Potsdam . Krebsmedikamente aus Griechenland – vermutlich gestohlen – landen in Brandenburg. Hinweise gab es schon früher – sie blieben unbeachtet. Warum, soll nun aufgeklärt werden. Ob das funktioniert?

Gestohlene Medikamente sollen von Griechenland nach Brandenburg und dann an Krebspatienten in Deutschland gegangen sein. Obwohl es bereits im Dezember 2016 erste Hinweise auf Unstimmigkeiten gab, wurde lange nichts gegen den Pharmahändler in Brandenburg unternommen. Erst jetzt - nach einem Medienbericht - reagieren die Behörden: Die Staatsanwaltschaft durchsuchte am Sonntag das Unternehmen, dem zwei Tage zuvor die Betriebserlaubnis entzogen worden war.

Zudem wurden personelle Konsequenzen im Ministerium veranlasst und eine Strafanzeige gestellt. Für Mittwoch wurde auf Antrag der Fraktionen von Grüne und CDU eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses einberufen.

Bei der Durchsuchung des Pharmaunternehmens im Landkreis Teltow-Fläming beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft Unterlagen und Medikamente, wie Dorina Dubrau, Sprecherin der Potsdamer Staatsanwaltschaft, am Montag mitteilte. Seit dem Frühjahr wird wegen Hehlerei gegen die Geschäftsführerin und einen Mitarbeiter der Firma ermittelt. Weitere Details wollte die Sprecherin unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen.

„Staatliche Kontrollen haben offensichtlich versagt“, kritisierte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, am Montag. Opfer der gefährlichen Medikamente seien Hunderttausende Patienten, die Hoffnung auf Heilung haben. „Das ist unerträglich“, sagte er. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müsse staatliche Kontrollen ausbauen und Schlupflöcher schließen.

Eine Task Force zur Untersuchung der Vorgänge hat die Arbeit im Brandenburger Ministerium aufgenommen. Mit der Berufung von Prof. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker (AMK), sei auch die AMK nunmehr eingebunden, sagte ein Sprecher der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände.

Die seit vergangenen Freitag geschaltete Infohotline nutzten allein am Wochenende 130 Anrufer. Sie interessierten sich vor allem für die betroffenen Mittel, deren Namen auf der Internetseite des Ministeriums veröffentlicht wurden, hieß es. Patienten, die eines der Medikamente erhalten hatten, wurden gebeten, sich mit dem behandelnden Arzt in Verbindung zu setzen. Der könne wissen, welche Apotheke es geliefert habe. Die könne wiederum nachweisen, ob es von dem nun durchsuchten Brandenburger Händler stammte.

Der Firma war am vergangenen Freitag die komplette Betriebserlaubnis entzogen worden. Im Juni 2017 war nur der Handel mit einer griechischen Apotheke untersagt worden, weil die kein Großhändler war.

Der Skandal beschäftigt schon seit längerem Griechenland. Nach mehrmonatigen Ermittlungen der Polizei liegt der Fall seit Ende Mai in den Händen der Justiz. Die Untersuchungen dauerten noch an, hieß es. Nach ersten Erkennnissen sollen die Medikamente in Krankenhäusern gestohlen und nach Deutschland mit hohem Gewinn exportiert worden sein.

Mediziner sollen die Versicherungsnummern ahnungsloser Patienten genutzt haben, um Arzneimittel zu bestellen. Das Brandenburger Ministerium hat bislang nach eigenen Angaben keine offizielle Bestätigung der griechischen Behörden und Arzneimittelüberwachung erhalten, dass die Medikamente gestohlen waren.

(dpa/bob)