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| 06:17 Uhr

Der Herbstzug nach Süden hat begonnen
Aufbruchstimmung bei den Lausitzer Störchen

Auf nach Süden
Auf nach Süden FOTO: dpa / Boris Roessler
Potsdam/Lübben/Weißwasser. In Brandenburg und Sachsen sammeln sich derzeit die Störche für ihren Flug in den Süden. Die Bilanz des Sommers fällt gespalten aus.

In vielen Gegenden Brandenburgs sind die Störche bereits zu ihren Winterquartieren in den Süden aufgebrochen. „Viele sind schon weg“, sagte Nabu-Storchexperte Bernd Ludwig. Er sprach von einem weiteren schlechten Storchenjahr. Die Bestände gingen zurück. Vor allem in der Uckermark seien die Störche schon spürbar weniger geworden. Genaue Zahlen für 2018 könne er jedoch noch nicht nennen.

In der Lausitz fallen die Bilanzen unterschiedlich aus. Im Spreewald spricht Experte Arnulf Weingardt vom Biosphärenreservat von einem guten Jahr. Für die Oberlausitz fällt die Analyse eher durchwachsen aus.

2014 sei das letzte gute Storchenjahr gewesen, erläuterte Ludwig. „Damals wurden landesweit 1424 Brutpaare gezählt. Das war die größte Zahl seit der Erfassung 1966.“ Die Geburtenrate habe durchschnittlich bei 1,8 flüggen Jungtieren je Horst gelegen. Im vergangen Jahr seien es bei 1274 Paaren 1,5 gewesen. „Vermutlich wird es diesmal ähnlich werden. Eigentlich müsste es mindestens 2 sein.“ Brandenburg bleibe dennoch das storchenreichste Land in Deutschland, sagte Ludwig.

Ludwig zufolge hatte diesmal vor allem die knappe Nahrung den Tieren zu schaffen gemacht. Wegen des kalten Frühjahrs und der langen Trockenheit hatten sich unter anderem die Regenwürmer, eine der Hauptnahrungsquellen der Adebare, tief in die Erde verkrochen. Auch Amphibien und Feldmäuse waren rar. Zudem böten die großen Felder mit Monokulturen wie Mais, Raps und Getreide kaum noch Nahrung, sagte der Nabu-Experte. Zudem töteten Pestizide die kleinen Lebewesen. Auf der Suche nach Nahrung seien die Altstörche deshalb jetzt mitunter auch am Straßenrand unterwegs, was bereits zu Unfällen mit Autos geführt habe.

Klaus-Henry Tauchert von der Sächsischen Vogelwarte Neschwitz verwiest hingegen auf Alternativen für die Störche. Immerhin seien Grashüpfer und Heuschrecken reichlich vertreten gewesen. „Diese Arten können einen gewissen Nahrungsausgleich bilden“, mutmaßt Tauchert.

„Trockene Jahre können auch gute Jahre sein“, bestätigt Arnulf Weingardt vom Biosphärenreservat Spreewald.

Nun also beginnt der Flug gen Süden. „Am vergangenen Sonntagvormittag haben sie sich getroffen und dann sind sie weggeflogen“, berichtete Renate Heider vom Nabu-Besucherzentrum im Storchendorf Rühstädt (Prignitz). Nur etwa fünf oder sechs Altstörche sowie drei Jungtiere, die spät geschlüpft waren, seien noch da.

(dpa/bob/is/cb/trt)