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| 02:39 Uhr

Auf strammem Rechtskurs

Saskia Ludwigs Interview stieß im Landtag fraktionsüber greifend auf Kritik.
Saskia Ludwigs Interview stieß im Landtag fraktionsüber greifend auf Kritik. FOTO: dpa
Potsdam. Die Ex-CDU-Chefin von Brandenburg, Saskia Ludwig, gab ein Doppelinterview mit Alexander Gauland, AFD-Fraktionschef im Landtag. Benjamin Lassiwe / iwe1

Saskia Ludwig provoziert mal wieder: Obwohl die CDU-Fraktion im Potsdamer Landtag größten Wert auf eine Distanzierung von der rechtspopulistischen "Alternative für Deutschland" legt, gaben die ehemalige Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion und der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland nun ein gemeinsames Interview in der Wochenzeitung "Junge Freiheit".

In dem Interview wirft Ludwig Teilen ihrer Partei vor, zu glauben, "die 68er-Bewegung habe sich durchgesetzt, und wir müßten diesen Utopien hinterherlaufen". Der AfD attestiert sie, "ein Sammelbecken von Konservativen, Glücksrittern und Radikalen" zu sein, das sich früher oder später unvermeidlich spalten werde. "Wären Sie und andere in der Union geblieben, lieber Herr Gauland, wären die Konservativen dort schon heute sehr viel weiter", sagte Ludwig.

In der Potsdamer Landespolitik stieß das Doppelinterview am Donnerstag fraktionsübergreifend auf Kritik. Dabei waren es weniger die eigentlichen Äußerungen der CDU-Politikerin, die in Potsdam für die Bundestagswahl kandidiert und von ihrer Partei auf den aussichtslosen Listenplatz acht gesetzt wurde, als vielmehr die Tatsache des Interviews in der "Jungen Freiheit" an sich: Die Wochenzeitung gilt gemeinhin als ein Blatt, das die Grenzen zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus in beide Richtungen überschreitet.

SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz bezeichnete Saskia Ludwig nach dem Interview als "politisch heimatlos". "Gegen Merkel zu stänkern und gleichzeitig für die CDU in den Bundestag zu wollen, das passt nicht zusammen", sagte Geywitz. Die Landesgeschäftsführerin der Brandenburger Linken, Anja Meyer, forderte die CDU auf, für "Klärung im eigenen Laden" zu sorgen. "Mit dem rechtsnationalen Milieu zu kokettieren, steht einer demokratischen Partei wahrlich nicht gut zu Gesicht und konterkariert die bisherigen Abgrenzungstendenzen der CDU Brandenburg", so Meyer. "Es ist eindeutig, dass Saskia Ludwig derzeit eine größere Nähe zur AfD als zu ihrer eigenen Partei hat", sagte die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Annelena Baerbock. "Sie strebt offensichtlich eine CDU-AfD-Zusammenarbeit an." Die CDU-Bundesführung habe sich von einer Zusammenarbeit mit der AfD jedoch mehrfach distanziert. "Deshalb steht die Frage im Raum, ob Ludwig sich nicht nach der Wahl - trotz gegenteiliger Beteuerungen - der AfD anschließen wird - sofern Ludwig überhaupt in den Bundestag einzieht." Wer Saskia Ludwig wähle, wähle die AfD im Schafspelz.

Auch in der eigenen Partei stieß Ludwig am Donnerstag auf Widerspruch. "Saskia Ludwig liegt falsch, wenn sie glaubt, dass sich der Wertekompass der Konservativen in der CDU mit dem der rechtspopulistischen Clique eines Alexander Gauland überschneidet", sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der CDU, der Prignitzer Abgeordnete Gordon Hoffmann. "Wir unterscheiden uns deutlich von diesen Leuten." So, wie sich Alexander Gauland heute im Landtag verhalte, hätte er zu keinem Zeitpunkt einen Platz in der Union gefunden. Und während Ludwig dem heutigen innenpolitischen Sprecher der CDU, Sven Petke, vorwarf, an ihrem Scheitern in der Partei Schuld zu tragen, erklärte Hoffmann: "Saskia Ludwig ist einzig und allein an Saskia Ludwig gescheitert und an keinem anderen."

Zum Thema:
Die RUNDSCHAU versuchte am Donnerstag auch, eine Stellungnahme von Saskia Ludwig zu erhalten. Die Landtagsabgeordnete wollte sich jedoch nur in Form eines autorisierten Wortlaut-Interviews äußern. Auf schriftlich eingereichte Fragen antwortete Ludwig wie folgt:Aus welchem Grund haben Sie gemeinsam mit Dr. Gauland der Jungen Freiheit ein Interview gegeben?Ludwig Hätten Sie mir die Gelegenheit dazu gegeben?Wie schätzen Sie die Politik der AfD Brandenburg ein?Ludwig Es ist nicht meine Aufgabe, die Politik der AfD Brandenburg zu bewerten, sondern die der Wähler.Halten Sie eine engere Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD für erstrebenswert?Ludwig Nein.