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| 06:57 Uhr

Zoll-Alarm an der Grenze
Auf dem Rücksitz das Kind und die Tüte Silvester-Böller

Beschlagnahmtes Silvester-Feuerwerk aus Polen.
Beschlagnahmtes Silvester-Feuerwerk aus Polen. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Cottbus. Der Feuerwerksverkauf startet in Deutschland für Silvester. Zollbeamte warnen zugleich vor illegaler Pyrotechnik. Gefährlich ist vor allem der „Blitzknallsatz“.

„Da sitzt das Kind hinten im Auto und nebendran steht die Tüte mit den Böllern.“ Zollbeamte sehen solchen fahrlässigen Umgang mit Pyrotechnik bei der Kontrolle in der brandenburgischen Grenzregion zu Polen immer wieder, wie die Sprecherin des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder), Astrid Pinz, berichtet. Sie stoppen Privatautos, Kleintransporter und sogar Lastwagen mit Feuerwerk, das im Nachbarland gekauft wird und an dem die nötigen Kennzeichnungen fehlen. „Die Tendenz ist steigend“, sagt Pinz über die erwartete Menge für das Jahr 2017 in der Region. Ein Grund sei, dass in Polen das gesamte Jahr über Pyrotechnik zu kaufen ist.

Der Begriff „Polenböller“ gilt als Synonym für in Deutschland nicht zugelassene Knallkörper, die eine besondere Sprengkraft haben, wie der Verband der pyrotechnischen Industrie erläutert. Diese Knaller seien an der Lautstärke zu erkennen. Vor allem werden sie in Polen gekauft - daher kommt auch der Begriff. Geschäftsführer Klaus Gotzen sagt, dass diese Knaller der heimischen Feuerwerkindustrie einen Imageschaden verursachen, weil es immer wieder zu schlimmen Unfällen damit komme.

Die Deutschen können sich ab Donnerstag (28. Dezember) in hiesigen Geschäften wieder mit Knallern und Raketen für die Silvesterfeiern eindecken. Der Verkauf erfolgt in diesem Jahr laut Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung bis zum 30. Dezember.

Die Behörde hatte unlängst vor illegalem Feuerwerk gewarnt. Hintergrund ist der „Blitzknallsatz“ - ein Oxidationsmittel in Kombination mit einem Metallpulver. Wegen der Sprengkraft könne es zu Unfällen mit abgetrennten Gliedmaßen kommen, heißt es. Die in Deutschland zugelassenen Knallkörper bestehen hingegen aus Schwarzpulver. Die als „Polenböller“ bezeichneten Knaller werden laut Behörde vor allem in China gefertigt. Das Land sei generell der Haupthersteller von Feuerwerk.

Dass Zollbeamte immer häufiger illegales Feuerwerk sicherstellen, zeichnet sich seit mehreren Jahren im brandenburgischen Grenzgebiet ab. 2016 waren es 9,5 Millionen Tonnen Böller, Kracher und Feuerwerk, wie es vom Hauptzollamt Frankfurt (Oder) heißt. Den Löwenanteil hatte damals ein Fund Ende November 2016 in Südbrandenburg bei Forst ausgemacht - ein Lastwagen hatte ganze fünf Tonnen illegale Pyrotechnik geladen. Das Fahrzeug war nicht gesichert für einen solchen Transport und der Fahrer hatte keine Sicherheitslizenz. Eine große Gefahr im Verkehr.

Genau dieses Problem taucht immer wieder auf: Kleintransporter oder Lastwagen haben gefährliche Fracht geladen und sind ungesichert im Verkehr unterwegs. „Das kann zu Wahnsinnsschäden führen“, betont Pinz. Mit Sorge betrachten die Zollbeamten, dass unter den Funden immer wieder sehr großes Feuerwerk ist, das für Stadtfeste verwendet wird und nur von geschulten Pyrotechnikern gezündet werden darf.

Die häufigsten Funde macht der Zoll insgesamt bei Autos. Die Silvesterknaller seien für den privaten Gebrauch, sagt Pinz. Aber es gibt eben auch die Funde in Kleintransportern und Lastwagen mit teils erheblichen Mengen. Mitte Dezember zum Beispiel gab es wieder einen großen Fund in Südbrandenburg auf der Autobahn 15: 2,5 Tonnen Knaller, Raketen und Batterien in Kartons in einem Kleintransporter verpackt. Der Transporter mit niederländischem Kennzeichen war Richtung Berlin unterwegs - an dem Wagen fehlten Warnhinweise zum Gefahrgut.

(dpa/bob)