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| 02:38 Uhr

Auf dem Bau brummen die Geschäfte

Auf dem Bau herrscht auch in Südbrandenburg eine gute Stimmung. Vor allem im Wohnungsbau laufen die Geschäfte. Trotz des bevorstehenden Winters rechnen 71 Prozent der Unternehmen mit einem guten bis gleichbleibenden Geschäftsverlauf.
Auf dem Bau herrscht auch in Südbrandenburg eine gute Stimmung. Vor allem im Wohnungsbau laufen die Geschäfte. Trotz des bevorstehenden Winters rechnen 71 Prozent der Unternehmen mit einem guten bis gleichbleibenden Geschäftsverlauf. FOTO: dpa
Cottbus. Wenn die Geschäfte irgendwo brummen, dann auf dem Bau. Die Branche verzeichnet volle Auftragsbücher, vor allem im Wohnungsbau. Die Stimmungslage ist aber auch in anderen Bereichen so gut wie selten zuvor, verdeutlichen die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2015. Und dennoch gibt es Sorgen – auch hausgemachte. Christian Taubert

Was der erste Blick auf die siebente Herbstumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus zu den Konjunkturaussichten offenbart: Im Kammerbezirk Cottbus (siehe Infobox) ist die Wirtschaft "in einer sehr guten Verfassung". IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger verweist darauf, dass die Konjunktur andauert und auf Wachstumskurs bleibt.

So berichten 48 Prozent der befragten Unternehmen von einer guten Geschäftslage, neun Prozent sehen eine ungünstige Situation. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen beträgt plus 39 Prozentpunkte und bewegt sich auf dem Niveau des Vorjahres. Für Krüger wird damit die Stabilität der guten wirtschaftlichen Entwicklung in der Region unterstrichen. Untermauert wird dieser Trend von Geschäftserwartungen. So gehen 16 Prozent der Befragten von besseren und 63 Prozent von gleichbleibenden Geschäften aus. "Das spricht für einen weiterhin robusten Konjunkturverlauf", betont der IHK-Chef.

Versäumnisse der Vergangenheit

Begleitet wird eine der besten IHK-Prognosen von zunehmender Unsicherheit in der Region. Sie gründet sich auf die bevorstehenden Umbrüche in der Braunkohlebranche: Was wird aus Zulieferern und Dienstleistern, wenn die Vattenfall-Kohlesparte in der Lausitz verkauft ist? Zudem schlagen die geopolitischen Krisen negativ auf den Export zu Buche. Die Konjunktur stützt sich daher vorrangig auf die gute Binnennachfrage und die hohe Konsumbereitschaft der Verbraucher.

Was aber erst der zweite Blick auf die IHK-Herbstumfrage preisgibt: Es gibt auch hausgemachte Versäumnisse, die sich jetzt als Risikofaktor auf dem Weg in eine sichere konjunkturelle Zukunft erweisen. So finden Unternehmen in Industrie, Handel, Baugewerbe und bei Dienstleistern kaum noch fachgerechtes Personal. Hier rächen sich auch Versäumnisse der Vergangenheit.

Werben mit guten Löhnen

Die Baubranche bekommt das deutlich zu spüren. Denn ihre Auftragsbücher seien, so IHK-Volkswirtin Susanne Kwapulinski, heute derart gefüllt, dass Personal eingestellt werden müsste, um den Stau zügig abzuarbeiten. "Viele Unternehmen haben viel zu spät reagiert, sich um eine ausreichende Personalvorsorge zu kümmern", erklärt Wolfgang Krüger. Die jungen Facharbeiter seien Mitte der 1990er-Jahre - weil sie hier keinen Job bekamen - in den Westen gegangen.

Heute würden viele gern zurückkommen. Doch auf dem Arbeitsmarkt gelte das Prinzip von Angebot und Nachfrage, so Krüger. Wer Fachkräfte abwerben wolle, der müsse entsprechende Löhne und Gehälter zahlen. Zudem verweist der IHK-Hauptgeschäftsführer darauf, dass mehr Investitionen in die duale Ausbildung in den Betrieben notwendig seien. Dabei müsse deutlich werden, "dass man auch auf dem Bau gutes Geld verdienen kann", nennt Krüger ein Beispiel. Neben dem Fachkräftemangel und geringerer Investitionsbereitschaft der öffentlichen Hand sehen viele Unternehmen steigende Energiekosten als Konjunkturrisiko. Hier wird dem Bund laut Umfrage ein Versagen bei der Energiewende vorgeworfen. Krüger: "Die Wirtschaft sehnt sich nach verlässlichen Rahmenbedingungen für eine längere Zeit."

Zum Thema:
Der Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus umfasst die kreisfreie Stadt Cottbus sowie die Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße. An der Konjunktur-Umfrage Herbst 2015 haben sich rund 480 Unternehmen beteiligt. Diese Anzahl von Rückantworten sei nach IHK-Angaben extrem hoch. Zudem würde sich ein Stamm an Unternehmen im Frühjahr und Herbst an der Analyse beteiligen, womit eine hohe Vergleichbarkeit gewährleistet sei. Seit Jahren habe die IHK damit ein realistisches Bild von der Lage in Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe abbilden und als Kammer reagieren können, so IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger.