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| 18:39 Uhr

Betrieb soll Ferkel getötet haben
Tierschutzverein zeigt Schweinezüchter in Neuzelle an

Ferkel sollen nach Angaben der Tierschützer seit einigen Jahren auch in anderen Bundesländern systematisch erschlagen werden, da sich ihre Aufzucht nicht mehr lohne.
Ferkel sollen nach Angaben der Tierschützer seit einigen Jahren auch in anderen Bundesländern systematisch erschlagen werden, da sich ihre Aufzucht nicht mehr lohne. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Neuzelle. Der Tierschutzverein Animal Rights Watch (Ariwa) hat gegen die Agrargenossenschaft Neuzelle (Oder-Spree) Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt. Ariwa hat heimlich Filmaufnahmen gemacht, die beweisen sollen, dass gesunde Ferkel getötet werden.

„Es wurden versteckte Kameras in der Schweinezucht aufgehängt“, berichtet Sandra Franz, Presseverantwortliche des Vereins Animal Rights Watch, der seinen Sitz in Aalen in Baden-Württemberg hat. „Und da wurde in einer Nacht Anfang Juni gefilmt, wie kleine, aber überlebensfähige Ferkel durch Schlagen auf den Boden totgeprügelt werden, einfach weil sich deren Aufzucht finanziell nicht lohnt.“
Dieses Vorgehen sei seit Längerem bekannt, sagt Franz. Ariwa hatte bereits im Jahr 2014 Filmmaterial aus anderen Bundesländern vorgelegt, das beweisen sollte, dass Ferkel in deutschen Schweinezuchten systematisch erschlagen werden. Nun gebe es solche Bilder eben auch aus der Neuzeller Agrargenossenschaft. „Dort passiert das auch, total massiv“, erklärt Sandra Franz. „Wir haben Strafanzeige gestellt, weil es ganz klar ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ist, eine Tötung ohne vernünftigen Grund vorzunehmen.“ Man dürfe lediglich nicht überlebensfähige, kranke Ferkel töten, allerdings müsse selbst das anders passieren. Sie einfach gegen eine Wand zu hauen, das gehe gar nicht. Ariwa geht davon aus, dass es sich bei den Aufnahmen in Neuzelle nicht um einen Einzelfall handelt. „Die Größe der Ferkel wurde verglichen. Wenn eins zu klein war, wurde es tot gehauen.“ Teilweise seien die Ferkel nach dem Schlag noch am Leben gewesen, hätten auf dem Boden gezappelt.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat auf Nachfragen dieser Zeitung am Montag bestätigt, dass seit der Vorwoche eine Strafanzeige von Ariwa gegen die Agrargenossenschaft Neuzelle vorliegt. Es gebe auch Filmmaterial, sagte Sprecher Ulrich Scherding. Zu dessen Inhalt allerdings wurde noch nichts gesagt. Diesbezüglich habe man sich noch einmal mit dem Verein in Verbindung gesetzt.
Die Agrargenossenschaft Neuzelle war bereits am vergangenen Freitag in die Offensive gegangen, nachdem sich das Veterinäramt des Landkreises Oder-Spree an das Unternehmen, das etwa 140 Mitarbeiter hat, gewandt hatte. Was auf den Filmaufnahmen zu sehen ist, war zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannt. „Wir setzen alles daran, Gesetze, Verordnungen, Richtlinien einzuhalten und umzusetzen. Unsere Mitarbeiter sind angewiesen, all diese Vorschriften einzuhalten. Wenn es Zuwiderhandlungen durch Mitarbeiter gab, bedauern wir das zutiefst. Eventuelle Verstöße werden geahndet. Missstände stellen wir sofort ab und ziehen entsprechende Konsequenzen, sodass eine Wiederholung ausgeschlossen ist“, hieß es in einer Stellungnahme, in der auch die Rede davon ist, dass Personen sich offensichtlich unerlaubt Zutritt zu den Anlagen verschafft und dann gefilmt hätten. „Wir werden regelmäßig auf die Einhaltung verschiedenster Kriterien geprüft“, betonte der Vorstand. Und weiter: „Das Vertrauen unserer Kundschaft ist ein kostbares Gut, welches wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“

Am Montag auf die vermeintlichen Filmaufnahmen angesprochen, erklärte der Vorstand: „Wir warten jetzt auf ein Schreiben von offizieller Seite, ehe wir uns weiter äußern.“ Die Agrargenossenschaft Neuzelle betreibt Ackerbau und hält 4000 Schweine und 2600 Rinder.

(Von Janet Neiser)