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| 18:20 Uhr

Medizin
Antibiotika als tickende Zeitbombe

Viel hilft nicht viel: Das gilt ausdrücklich auch bei Antibiotika.
Viel hilft nicht viel: Das gilt ausdrücklich auch bei Antibiotika. FOTO: Matthias Hiekel
Potsdam. Brandenburg liegen keine Zahlen zum Einsatz in Human- und Veterinärmedizin vor. Von Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Landesregierung liegen offenbar keine detaillierten Informationen zum Antibiotikaeinsatz in der Medizin sowie der Tiermedizin vor. Das geht aus einer Antwort des Potsdamer Ministeriums für Gesundheit auf eine „Kleine Anfrage“ des fraktionslosen Landtagsabgeordneten Christoph Schulze hervor, die der RUNDSCHAU vorliegt.

Da es keine gesetzliche Grundlage zu einer Meldung des Antibiotikaeinsatzes in der Humanmedizin gebe, lägen der Landesregierung dazu keine Daten vor, heißt es in der Antwort. Gleiches gelte für die Verwendung von Antibiotika in der Tiermedizin: „Der Antibiotikaeinsatz in der Tiermedizin wird durch die Behörden nicht systematisch erfasst.“ Lediglich für bestimmte Masttiere lägen Daten vor, dadurch könne man sagen, „dass der Antibiotikaeinsatz im Land Brandenburg außer in der Produktion von Masthühnern erheblich zurückgegangen ist.“

Der Einsatz von Antibiotika in Medizin und Tiermedizin ist besonders wegen der Gefahr der Bildung von Resistenzen in der Diskussion. „Wir haben immer mehr mit multiresistenten Keimen in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu tun“, sagt der Landtagsabgeordnete Christoph Schulze, der selbst Arzt ist. Er selbst habe im vergangenen Jahr mehrfach Fälle von Resistenzen sowie Lieferengpässen bei wichtigen Antibiotika erlebt. „Selbst wenn das Land sagt, dass man da nicht zuständig sei, könnte man sich doch wenigstens im Bundesrat für eine bessere Kontrolle und Überwachung des Antibiotikaeinsatzes einbringen“, sagt Schulze. „Das ist sicher ein politisches Randthema, aber eines, das schnell lebensgefährlich werden kann.“

Dabei ist der fraktionslose Abgeordnete Schulze nicht der erste Brandenburger Politiker, der sich beim Thema Antibiotikaeinsatz zu Wort meldet. So appellierten die Grünen-Abgeordneten Ursula Nonnemacher und Benjamin Raschke bereits 2016 in einem offenen Brief an Brandenburgs Tierärzte, größtmögliche Sorgfalt bei der Verschreibung und Überwachung von Antibiotika walten zu lassen.