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| 05:15 Uhr

Wahl-Wahnsinn in Rangsdorf
Andreas Kalbitz Spitzenkandidat der AfD-Brandenburg?

 Andreas Kalbitz wird wohl Spitzenkandidat der Brandenburger AfD.
Andreas Kalbitz wird wohl Spitzenkandidat der Brandenburger AfD. FOTO: Bernd Settnik
Rangsdorf. Sie zählten, zählten und verzählten sich. Bei der Wahl des Spitzenkandidaten der Brandenburger AfD am Sonntagnachmittag in Rangsdorf, konnte am Montagmorgen noch immer kein Spitzenkandidat genannt werden. Allem Anschein nach, macht Andreas Kalbitz das Rennen. Von Benjamin Lassiwe

Es ist der frühe Montagmorgen. Im Seehotel in Rangsdorf sitzen einige übermüdete Menschen in einem leeren Saal. Am Sonntagvormittag hatte Brandenburgs Landesverband der „Alternative für Deutschland“ (AfD) hier mit der Wahl ihres Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 1. September begonnen. Mehr als 500 teils extra zum Wahlakt herbeigeholte Parteimitglieder erhielten Stimmzettel, auf denen sie hinter den Namen von 86 Bewerbern jeweils „Ja“, „Nein“ und „Enthaltung“ ankreuzen durften. „Akzeptanzwahl“ nennt man dieses System. Wer dabei mehr „Ja“- als „Nein“-Stimmen erhält, ist gewählt. Über die Reihenfolge auf der Landesliste entscheidet die Zahl der „Ja“-Stimmen – der Kandidat mit den meisten Stimmen ist der Spitzenkandidat.

Doch den zu ermitteln, bereitete der Brandenburger AfD am Sonntag massive Schwierigkeiten. Die Partei, die nach Aussage des Landesvorsitzenden Andreas Kalbitz das Land Brandenburg nach der nächsten Wahl regieren möchte, benötigte sechs Stunden allein für die Stimmabgabe. Ab 16.30 Uhr wurde dann ausgezählt – auf den fast 500 Zetteln waren bis zu 40 000 Stimmkreuze auszuwerten. Andere Parteien brauchen für die Vorstellungsreden, die Stimmabgabe und das Auszählen des Ergebnisses einen Nachmittag. Bei der Alternative für Deutschland war zunächst kein Ende absehbar. Die ehrenamtlichen Mitglieder der Zählkommission zählten, zählten - und verzählten sich. Zwischenzeitlich wurde eine weitere Zählkommission in einem Nebenraum eingerichtet. Vor dem Seehotel in Rangsdorf parkte ein Lautsprecherwagen mit der Aufschrift „Sei schlau, wähl blau!“.

Nach über neun Stunden Auszählens ein Lichtblick. Um 1.34 Uhr tritt der stellvertretende Versammlungsleiter, der sächsische Landtagsabgeordnete Carsten Hütter, vor die Tür des Raumes der Zählkommission. Er kündigt eine sogenannte „Prognose“ an – in 40 Minuten. Zwischenzeitlich gibt es Salzstangen für die zählenden Parteimitglieder. Im Plenarsaal liegt ein AfDler und hält auf einer Stuhlreihe ein Nickerchen, an der Bar warten die letzten Unentwegten. Um zwei Uhr betritt die Versammlungsleitung dann den Saal. „Meine Damen und Herren, im Namen des Wahl- und Zählkommsionsleiters kann ich Ihnen mitteilen, dass wir in der Zeit leider nur so weit gekommen sind, dass wir eine grobe Prognose abgeben können. Wir sind noch dabei, sämtliche Wahlzettel noch einmal quer zu kontrollieren“, sagt Hütter. Dann nennt er den Spitzenkandidaten: Es wird der Landesvorsitzende Andreas Kalbitz. Auf Listenplatz zwei folgt Daniel Freiherr von Lützow, auf Platz drei der Gründer des rechtsgerichteten Vereins „Zukunft Heimat“ aus Golßen (Dahme-Spreewald), Christoph Berndt. Die Abgeordnete Birgit Bessin ist auf Platz vier, der Kreisvorsitzende von Spree-Neiße, Steffen Kubitzki, auf Platz fünf. Stimmenzahlen nennt Hütter nicht: Denn es handelt sich eben nur um eine Prognose. Und bis zu einem Endergebnis könne es noch zweieinhalb Stunden dauern.

Doch manch bekannter Name fehlte: Die Landtagsabgeordneten Sven Schröder und Rainer van Raemdonck sind ebenso durchgefallen wie die Cottbuserin Marianne Spring-Räumschüssel. Dafür haben es der Landtagsabgeordnete Franz Wiese, dessen Diäten laut eines Berichts der BILD-Zeitung derzeit gepfändet werden, und die Islamkritikerin Layla Bilge auf die Liste geschafft. Und auch damit ist dann der Wahl-Wahnsinn der Alternative für Deutschland noch nicht vorbei. Denn den Mitgliedern, die zum Landesparteitag nach Rangsdorf kamen, gelang es nicht, eine vollständige, vierzig Plätze umfassende Landesliste zu wählen. Lediglich 29 Kandidaten kamen durch. Die übrigen Positionen sollen nun auf einem gesonderten Parteitag Anfang Februar bestimmt werden.