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Amt Lebus lässt Wisent erschießen

In Polen galt der umherziehende Wisent als friedfertig, im Amt Lebus sah dies der Amtsdirektor anders und ließ ihn abschießen (Symbolfoto).
In Polen galt der umherziehende Wisent als friedfertig, im Amt Lebus sah dies der Amtsdirektor anders und ließ ihn abschießen (Symbolfoto). FOTO: dpa
Lebus. Nach dem angeordneten Abschuss eines freilaufenden Wisents im Landkreis Märkisch-Oderland wird das Amt Lebus für das Vorgehen in Medien und sozialen Netzwerken heftig kritisiert. Das Umweltministerium in Potsdam teilte am Freitag auf Anfrage mit, dass man „entsetzt und empört“ sei. Frank Hilbert

Weder das Ministerium noch das Landesumweltamt seien in die Vorgänge eingebunden gewesen. Nach Polizeiangaben hatte ein Mann am Mittwoch den Wisent auf einem Deich bei Lebus gesichtet und die Polizei gerufen. Gemeinsam mit dem zuständigen Ordnungsamtsleiter sei bei Einbruch der Dunkelheit beschlossen worden, das Tier zum Schutz der Bevölkerung zu erlegen. Zwei Jagdpächter hätten den Wisent dann getötet. Der zuständige Amtsdirektor Heiko Friedemann verteidigte im rbb-Fernsehen die Abschuss-Entscheidung. Er sei dabei nicht "überfordert" gewesen, weil der Amtsbrandmeister ihm gesagt habe, dass "möglicherweise eine Gefahr" bestünde.

Friedemann wörtlich: "Ich hab da kein Abwägungsermessen, sondern Leib und Leben geht vor." Kritik an dem Abschuss kam auch von der Umweltorganisation WWF, die nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den Ordnungsamtsleiter stellte. "Die Abschussfreigabe eines streng geschützten Tieres ohne ein ersichtliches Gefährdungspotenzial ist eine Straftat", begründet WWF-Vorstand Naturschutz Christoph Heinrich den Schritt in einer Presseerklärung. "Nach mehr als 250 Jahren ist ein Wisent in Deutschland gesichtet worden, und alles, was dem Ordnungsamt einfällt, ist der Abschuss." Der Abschuss sei "leider auch Ausdruck der Hilflosigkeit der Behörden, wie sie mit Wildtieren umgehen sollen", so Heinrich. "Das Land Brandenburg zeigt sich im Wildtiermanagement auch bei Wolf und Elch in den vergangenen Jahren schon als wenig professionell.

Es fehlt an fachlich geschultem Personal in der Fläche. Hier ist jetzt Herr Vogelsänger gefragt. Der Landesumweltminister muss Stellung beziehen." Die Grünen-Fraktion im Landtag will den Vorfall im Umweltausschuss thematisieren. "Der Abschuss erscheint mir völlig unverhältnismäßig", sagte der GrünenLandtagsabgeordnete Benjamin Raschke. Der Bulle kam nach Ministeriumsangaben vermutlich aus Polen über die Grenze. Seit Längerem hatte sich ein Wisent im Gebiet des Nationalparks Warthemündung in Polen aufgehalten. Wisente zählen zu den streng geschützten Tierarten in Deutschland. Laut Umweltministerium, das sich auf polnische Angaben bezieht, handelte es sich bei dem Wisent um einen Bullen, der dort im Gebiet des Nationalparks Warthemündung seit längerem frei herumlief. (mit dpa)