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Gesundheit
 Ambrosia-Gefahr in der Lausitz wird unterschätzt

Gefährlich für Allergiker: Ambrosia-
pflanzen.
Gefährlich für Allergiker: Ambrosia- pflanzen. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Potsdam. Der verregnete Sommer hat den von Ambrosiapollen geplagten  Allergikern etwas Erleichterung verschafft. Wie Messungen im Hauptverbreitungsgebiet der Niederlausitz ergaben, war die Pollenflugphase  kürzer und weniger intensiv als 2016. Für den Cottbuser Lungenfacharzt Ulf Gereke  kein Grund zur Entwarnung. „Auch wenn die Pollen nicht fliegen, verbreiten sie sich dennoch“, sagt der Mediziner, der Ambrosia-Niederschläge in  Pollenfallen auswertet. Manfred Rey/dpa

Die Region um die Gemeinden Drebkau (Spree-Neiße) und Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) gelten als das europaweit am stärksten von Ambrosia besiedelte Gebiet. Die Pflanze droht nach Einschätzung des Julius-Kühn-Instituts aber in ganz Deutschland zu einem ernstzunehmenden gesundheitlichen Problem zu werden.

Seit Jahren beobachtet Gereke, wie sich die hochallergene Pflanze ausbreitet. Der Landesregierung wirft er vor, sie unterschätze das Problem „und sitze es aus - trotz klarer Messwerte“, wie er sagt.

Wie Gereke verweist auch Drebkaus Bürgermeister Dietmar Horke (parteilos) auf das Beispiel Schweiz, wo es dem Kanton Zürich gelungen ist, Ambrosia praktisch auszurotten. „Warum geht das bei uns nicht?“, fragt Horke.

Brandenburgs Agrarministerium hat dazu eine einfache Erklärung, wie es in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion heißt: „In Deutschland ist eine umfassende Bekämpfungs- und Meldepflicht auf der Grundlage des Pflanzenschutzrechts nicht möglich.“ Allerdings könnten die Ordnungsbehörden in Brandenburg eine Melde- und Bekämpfungspflicht „zur Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung erlassen“, erklärt das Ministerium weiter. Dies müsse im Einzelfall geprüft und vom „jeweils zuständigen Ressort entschieden werden“.

Auf den Weg gebracht ist nur eine Arbeitsgruppe aus mehreren Ministerien. Ein Koordinator soll das Vorkommen der Pflanze erfassen und Ratschläge zu ihrer Bekämpfung erteilen. Für Bürgermeister Horke ist das zu wenig. Er fordert entschiedene Regelungen, etwa zu den Randstreifen an Agrarflächen. Dort dürfen Landwirte aus Gründen des Naturschutzes keine Unkrautvernichtungsmittel einsetzen. „Auf dem Niemandsland aber wächst Ambrosia munter vor sich hin“, klagt Horke.

Für die Grünen im Landtag ist 2017 „wieder ein verlorenes Jahr“, bedauert ihr Gesundheitsexperte Benjamin Raschke. Jahr für Jahr breite sich Ambrosia aus, „ganze Felder sind befallen“. Da helfe es nicht, mit Broschüren aufzuklären und einen Ambrosiaatlas herauszugeben. „Wir wollen ähnlich wie in der Schweiz eine Melde- und Bekämpfungspflicht“, sagt Raschke.