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| 19:13 Uhr

Mehr als 1000 Kilometer
Im Pferdewagen von Brück nach Nowgorod

2009 fuhr ein Pferdetreck vom belgischen Brügge ins brandenburgische Brück. Hier ist der Treck gerade in Ziesar (Brandenburg) angekommen. Er sollte an die Besiedlung des Flämings durch Flamen und Holländer erinnern. Dieses Jahr gehen die Brücker auf Tour mit Pferdewagen. Das Ziel: Russland.
2009 fuhr ein Pferdetreck vom belgischen Brügge ins brandenburgische Brück. Hier ist der Treck gerade in Ziesar (Brandenburg) angekommen. Er sollte an die Besiedlung des Flämings durch Flamen und Holländer erinnern. Dieses Jahr gehen die Brücker auf Tour mit Pferdewagen. Das Ziel: Russland. FOTO: dpa / Z1001 Nestor Bachmann
Brück. Am 18. Juli starten die Gespanne für „Titanen auf Tour“.

Allmählich steigt in Brück die Aufregung. Denn aus dem kleinen Ort bei Brandenburg (Havel) soll sich am 18. Juli ein großer Treck aus Kaltblutpferden und Planwagen auf den Weg machen. Immer weiter, 2100 Kilometer, durch Brandenburg, das Lebuser Land, Masuren, Ostpreußen und das Baltikum bis nach Nowgorod, dem alten Hansekontor im fernen Russland.

„Wir wollen ein Zeichen des Friedens und der Völkerverständigung setzen“, sagt Helmut Kauz, der evangelische Pfarrer des Ortes, der zusammen mit dem Brücker Kaltblut-Zucht- und Sportverein die Idee zu der weiten Reise hatte. „Wenn Grenzen keine Barrieren mehr sind, können die Menschen enger zusammenrücken.“

Vor zehn Jahren waren schon einmal Kaltblutpferde aus Brück unterwegs – unter dem Motto „Titanen auf Tour“ verbanden sie damals die flämische Hansestadt Brügge mit dem Brandenburger Fläming, so wie vor vielen hundert Jahren die ersten Siedler in die Mark zogen. Nun soll es weiter nach Osten gehen. „Am 20. Juli findet dann der offizielle Abschied vor dem Brandenburger Tor in Berlin statt“, sagt Helmut Kauz.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und der evangelische Landesbischof Markus Dröge hätten die Schirmherrschaft über die Pferdewagenreise übernommen.

Alle 35 Kilometer wollen die Planwagenfahrer dann Station machen: „Wir halten an auf Pferdehöfen oder Bauernhöfen, wo wir eine Koppel für die Tiere bekommen“, sagt Kauz. Das Futter nehme man komplett aus Deutschland mit, Schwierigkeiten gebe es im Moment noch bei der Unterbringung für die menschlichen Mitreisenden.

„Wir werden so im Durchschnitt 25 Leute sein.“ An jedem Ort soll eine extra für diese Reise gegossene Friedensglocke läuten. Die jeweiligen Bürgermeister und Pfarrer sollen die Kutscher begrüßen, und vor einem Kreuz, das aus einem mittelalterlichen Balken der Brücker Kirche gebaut wurde, soll eine kleine Andacht gefeiert werden.

Anschließend soll überall eine kleine Brücke symbolisch aufgebaut werden, „wir kommen ja schließlich aus Brück“, sagt Kauz. Und als Zeichen der Völkerverständigung sollen dann die örtlichen Gastgeber auf den Brückenteilen unterschreiben.

Doch noch ist nicht alles perfekt auf der Reise, die über Insterburg und Königsberg in Ostpreußen, Siauliai in Litauen und Riga in Lettland bis Sankt Petersburg führen wird: „Wir haben jetzt schon 20 bis 30 Pferde in Quarantäne gestellt, damit wir die Tiere auch nach Russland hineinbekommen“, sagt Kauz.

Spätestens vor der estnisch-russischen Grenze werde man die Tiere komplett austauschen müssen. „Aber wenn wir das dann nicht schaffen, kehren wir halt um – notfalls fahre ich die Friedensglocke eben per Fahrrad weiter nach Nowgorod.“

Und auch die Finanzen der Friedenstour sind noch nicht zu einhundert Prozent in trockenen Tüchern: Denn die Reise kostet alles in allem einen mittleren fünfstelligen Betrag. Stiftungen, Vereine und zahlreiche private Spender haben sich schon eingebracht – „aber noch ist erst die Hälfte der Summe auf unserem Konto“.