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Geschichte
Als Einsteins Segelboot von den Nazis beschlagnahmt wurde

Auch Akten über den Zwangsverkauf des Segelbootes lagern heute im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam.
Auch Akten über den Zwangsverkauf des Segelbootes lagern heute im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam. FOTO: Benjamin Lassiwe
Potsdam. Vergilbte Verwaltungsakten schildern Schicksale aus der Nazi-Zeit. Brandenburger Akten zu NS-Verbrechen sollen jetzt digitalisiert werden. Von Benjamin Lassiwe

Albert Einstein hatte einst ein Segelboot. Es lag an der Havel, in Caputh, wo er seit 1929 ein Haus besaß. Doch Albert Einstein war bekanntlich Jude. Nach der NS-Machtergreifung gab er 1933 seinen Pass zurück und emigrierte in die USA. Und das Segelboot des weltberühmten Physikers wurde von den Machthabern beschlagnahmt und verkauft. In den Akten ist zu lesen, dass das zuständige Regierungspräsidium Potsdam sicherstellen wollte, dass der Käufer das Boot nicht an „staatsfeindliche Organisationen“ übergeben sollte.

Die Akten über den Zwangsverkauf des Segelbootes lagern heute im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam. Bald schon allerdings können sie auch von den Nutzern des Washingtoner „US Holocaust Memorial Museum“ eingesehen werden. Denn sie sind Teil einer neuen Zusammenarbeit, die bereits im Juni 2017 gestartet wurde, aber erst jetzt in Potsdam der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Experten des US-Museums digitalisieren etwa 300 000 Seiten aus dem Bestand des Potsdamer Archivs und stellen diese ihren Benutzern zur Verfügung. Die Kosten dafür trägt das US-Museum. Die Originale verbleiben anschließend in Potsdam, zusätzlich erhält das Landeshauptarchiv ebenfalls einen Satz der digitalisierten Archivalien, so dass auch hiesige Forscher statt mit staubigen Akten im Lesesaal bequem am Schreibtisch arbeiten können.

Wie Bildungsministerin Martina Münch (SPD) am Mittwoch in Potsdam erklärte, sei die Kooperation zur Aufarbeitung des Holocaust vor dem Hintergrund der Zunahme von Hass und Populismus in Europa heute wichtiger denn je. „Sie bestärkt uns als Landesregierung darin, rassistischen und antisemitischen Stimmungen bereits früh entschlossen entgegenzutreten und sich engagiert für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Freiheit einzusetzen.“

Der Direktor des jährlich von 1,7 Millionen Menschen besuchten US-Museums, dessen Forschung derzeit ausschließlich durch private Spenden finanziert wird, Radu Ioanid, hob die gute Zusammenarbeit mit dem Landeshauptarchiv hervor. „Archivalische Beweise sind wichtige Quellen, um der Holocaustleugnung und anderen Ideologien, die auch in der digitalen Welt zunehmen, zu begegnen.“ Die politische Entwicklung in Deutschland und den USA sei so, dass dieses Thema eine immer größere politische Bedeutung erhalte.