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Air Berlin will heute normal fliegen

Berlin. Nach zahlreichen Flugausfällen können sich Passagiere der Air Berlin heute wieder auf einen normalen Betrieb der insolventen Airline einstellen. Am Dienstag und Mittwoch waren rund 200 Flüge ausgefallen, weil etliche Piloten sich krankgemeldet hatten. Burkhard Fraune

Gegen Mittwochmittag gab es dann die Entwarnung, dass viele Crews an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten. Die Beschäftigten fürchten um ihre Einkommen und Arbeitsplätze, wenn Air Berlin wie geplant zerschlagen wird.

Vorstandschef Thomas Winkelmann appellierte erneut an die Piloten: "Meldet Euch aus dem Off freiwillig zurück." Er betonte: "Potenzielle Investoren werden durch die gestrige und heutige Performance verschreckt."

Am Montag waren Gespräche gescheitert, in denen die Arbeitnehmerseite einen Sozialplan erreichen wollte. Das Management will erst verhandeln, wenn konkrete Kaufangebote vorliegen. Selbst die erste öffentlich bekannte Offerte der Lufthansa ist bislang noch nicht bindend, wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sieht in den Krankmeldungen der Piloten einen illegalen Arbeitskampf. Diese sogenannten wilden Streiks hielten in der Luftfahrt mehr und mehr Einzug, sagte IW-Volkswirt Hagen Lesch. Er verwies auf ähnliche Vorgänge bei der Tui fly im Herbst vergangenen Jahres und bei der Lufthansa im Herbst 2015.

In den Reihen der Piloten wurde jedoch darauf verwiesen, dass auch wirtschaftliche Existenzängste die sichere Flugdurchführung gefährden können. Der frühere Betriebsratsvorsitzende Hans Albrecht kritisierte in einem Offenen Brief, die Unternehmensspitze lasse die Beschäftigten im Verkaufsprozess bewusst im Unklaren, um Existenzängste zu schüren.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bekräftigte, nichts mit den Krankmeldungen zu tun zu haben. Sprecher Markus Wahl sagte, die Sozialplan-Gespräche sollten in der kommenden Woche fortgeführt werden. Die Gewerkschaft will Kriterien festlegen, in welcher Reihenfolge die Piloten zu neuen Eigentümern wechseln könnten.

Zum Thema:
Der Geschäftsführer der chinesischen Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim, Jonathan Pang, bietet mit um Air Berlin. Der Rechtsanwalt Helmut Naujoks, der das Unternehmen in Deutschland vertritt, sagte, er dementiere einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung nicht. Weitere Erklärungen dazu wollte er jedoch nicht abgeben. "Bild" zitierte aus einem Schreiben Pangs, wonach die Basis der Fluggesellschaft Air Berlin auf den Flughafen Parchim verlegt werden könnte. Die Angebote für Air Berlin müssen bis Freitag, 14 Uhr, beim Insolvenzverwalter eingereicht werden.