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Air Berlin darf erst einmal weitermachen

Begehrt: die Air-Berlin-Flotte.
Begehrt: die Air-Berlin-Flotte. FOTO: dpa
Berlin/Frankfurt. Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin wird vorerst nicht zerschlagen. In ihrer ersten Sitzung nach Anmeldung der Insolvenz haben die Gläubiger am Mittwoch zunächst beschlossen, den Betrieb als Ganzes weiterzuführen. Christian Ebner und Bernd Röder

Aus einer schnellen Zerschlagung in einzelne Unternehmensteile, wie es sich die Lufthansa Medienberichten zufolge vorgestellt hatte, wird daher vorläufig nichts.

Der vom Amtsgericht Charlottenburg eingesetzte Sachwalter Lucas Flöther wurde einstimmig in seinem Amt bestätigt, wie Air Berlin am Unternehmenssitz weiter mitteilte. Der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus kündigte an, die weiteren Verhandlungen mit Hochdruck zu führen. "Unser Ziel ist und bleibt, zügig zu tragfähigen Abschlüssen zu kommen und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten", sagte er. Der Prozess steht unter großem Zeitdruck, da Buchungen sowohl von Privatleuten als auch von Reiseveranstaltern bei andauernder Unsicherheit ausbleiben.

Lufthansa bietet nach wie vor für die Touristiktochter Niki und weitere Teile der Air Berlin, nicht aber für das komplette Unternehmen, hieß es in Kreisen des Frankfurter Dax-Konzerns. Die österreichische Niki gehört mit ihren geringen Kosten und einer modernen Airbus-Flotte zu den begehrten Teilen des Air-Berlin-Konzerns. Mehrere Medien hatten spekuliert, dass bereits in der ersten Sitzung des Gläubigerausschusses eine Abspaltung beschlossen werden könnte.

2016 hatte sich Lufthansa bereits 38 der 144 Air-Berlin-Jets gesichert. Die angemieteten Maschinen sind schon für die Lufthansa-Töchter Austrian und Eurowings unterwegs, gehören aber noch zu Air Berlin.

Der vorläufige Gläubigerausschuss hatte sich am Mittwochmorgen in Berlin getroffen, noch bevor das offizielle Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet wurde. Bei dem Treffen ging es zunächst um Formalien. Das Gremium stimmte der Fortsetzung des Flugbetriebs zu und erstellte einen Zeitplan für die nächsten Schritte.

Nach der Insolvenzankündigung von Air Berlin am Dienstag vergangener Woche hatte Lufthansa über fortgeschrittene Verhandlungen berichtet. Neben der Niki sind die 17 Langstreckenflugzeuge der Air Berlin sowie einige weitere Mittelstreckenflieger interessant für den deutschen Marktführer. Auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will die Fluggesellschaft als Ganzes kaufen.

Die Gewerkschaft Verdi appellierte an die Gläubiger, die Interessen der mehr als 8000 Beschäftigten zu beachten. "Es geht hier um die Rettung von Arbeitsplätzen", sagte Vorstandsmitglied Christine Behle. "Das muss sich der Gläubigerausschuss immer wieder vor Augen halten."