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| 01:05 Uhr

Ahoi im Binnenland

Sie sind Polizisten, fühlen sich ein wenig wie Seeleute und haben immer mehr zu tun: 296 Straftaten stellten die Beamten der Wasserschutzpolizei im ersten Halbjahr auf den Gewässern Sachsen-Anhalts fest, 27 mehr als im Vorjahreszeitraum. „Schwerpunkt waren so genannte Umweltdelikte“, sagte Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU) in Magdeburg. Von Stefan Kruse

Dazu gehören die verbotene Abfallbeseitigung, die Verunreinigung von Gewässern etwa mit Altöl und auch illegales Fischen. Gut die Hälfte der Taten (50,8 Prozent), zu denen auch Schlägereien oder Diebstähle gehören, wurden aufgeklärt. Ein Erfolg: Im Vorjahreszeitraum waren es 43 Prozent.
"Auch die Zahl der geahndeten Ordnungswidrigkeiten nahm zu", berichtete der Chef der Wasserschutzpolizei, Eckhard Kiel. Dazu gehören Verstöße gegen Sozialvorschriften an Bord von Frachtschiffen oder Überschreitungen der zulässigen Fahrzeit. "Nicht nur auf den Straßen, auch auf Wasserstraßen blitzt die Polizei", fügte Magdeburgs Polizeipräsidentin Monika Liebau-Foß hinzu, deren Behörde die Landeswasserschutzpolizei zugeordnet ist. "Auch Geschwindigkeitsüberschreitungen sind ernste Verstöße gegen das Binnenschifffahrtsrecht."

Crashs mit Freizeitkapitänen
Immerhin 34-mal (2002: 28) krachte es im ersten Halbjahr auf Flüssen und Kanälen. An einem Drittel der Unfälle waren Freizeitkapitäne beteiligt. Sieben Menschen wurden verletzt. "Vor allem der Sportbootverkehr nimmt jedes Jahr zu", sagte Kiel. "Ein Zeichen dafür, dass die Region und ihre Wasserstraßen immer attraktiver werden."
"Die Fertigstellung des Wasserstraßenkreuzes bei Magdeburg wird einen zusätzlichen Schub für den Schiffsverkehr bringen", ergänzte Rolf Lack, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg. Und das bedeutet auch für die Wasserschutzpolizei noch mehr Arbeit.
Zum Glück waren im ersten Halbjahr keine Todesfälle zu beklagen. Laut Kiel gehen sie den Wasserschutzpolizisten immer besonders an die Nieren: "Es ist besonders schlimm, wenn man helfen will, aber dann doch nichts machen kann", sagte er und verwies auf mehrere tragische Unglücke im Vorjahr, bei denen Kinder ertranken.
133 Beamte umfasst Sachsen-Anhalts Wasserschutzpolizei. Sie überwachen 745 Kilometer Bundeswasserstraßen und Landesgewässer. Die 18 blau-weißen Polizeiboote sind auf Elbe, Saale und Mulde ebenso unterwegs wie auf Mittelland- und Elbe-Havel-Kanal oder diversen Seen. "Die Flotte wurde in den letzten Jahren Schritt für Schritt modernisiert", erläuterte Kiel. 14 Meter lange Kontrollschiffe gehören ebenso dazu wie fünf Meter lange Miniboote, mit denen neu gebildete mobile Spezialkommandos ausgestattet sind. Die neuen Teams sind mit Jeeps unterwegs und können die Boote an jedem beliebigen Platz auch in kleine Gewässer lassen.

Top Verhältnis zu Zivilen
Die ersten Einheiten der Wasserschutzpolizei wurden in Deutschland vor rund 100 Jahren aufgestellt und bestanden damals aus Ex-Marinesoldaten. Auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt schippern laut Kiel etwa seit 1930 Uniformierte auf den Gewässern herum. "Das Besondere an unserem Job ist das außergewöhnliche Verhältnis der Polizisten zu den zivilen Schiffsführern", sagte Kiel. "Es ist von gegenseitigem Respekt geprägt und dem Gefühl, quasi als Seemann etwas Besonderes zu sein."