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| 15:12 Uhr

Staatsschutz ermittelt
AfD-Gruppe aus KZ-Gedenkstätte gewiesen

Der Eingang zur Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen. Eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel soll mehrfach eine Führung durch die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin gestört haben.
Der Eingang zur Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen. Eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel soll mehrfach eine Führung durch die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin gestört haben. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Berlin/Oranienburg. Besucher aus den Reihen der AfD stören in einer KZ-Gedenkstätte das pädagogische Programm und ziehen den nationalsozialistischen Massenmord teilweise in Zweifel. Kein Einzelfall - und Anlass für die Einrichtung zu handeln.

Eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel ist wegen Äußerungen zum Massenmord der Nationalsozialisten der Gedenkstätte Sachsenhausen verwiesen worden. Die etwa 20-köpfige Gruppe sei am 10. Juli gleich zu Beginn der Führung auffällig geworden, weil Teilnehmer mehrfach Tatsachen zum Massenmord der Nationalsozialisten in Zweifel gezogen hätten, sagte der Sprecher der Gedenkstätten-Stiftung, Horst Seferens am Freitag. Wenig später habe der Referent das pädagogische Programm abgebrochen und die Gruppe sei des Geländes verwiesen worden.

„Diese Leute kannten sich offenbar gut aus – da wurde das gesamte Repertoire des geschichtlichen Revisionismus und des Relativismus aufgefahren“, berichtete Seferens. So seien auch Verbrechen der Nazis in dem Konzentrationslager durch Vergleich mit angeblichen Verbrechen der Alliierten relativiert sowie Zweifel an der technischen Durchführung der Massenmorde geäußert worden. „Dabei wurde nach unserer Wahrnehmung die Grenze zu strafbaren Äußerungen bewusst nicht überschritten“, sagte Seferens. Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ über den Vorfall berichtet.

Die Fahrt der Gruppe vom Bodensee war dem Zeitungsbericht zufolge vom Bundespresseamt finanziert. Weidels Büro zeigte sich überrascht. Ihr Sprecher sagte der Zeitung: „Beim Besuch der Gedenkstätte war Alice Weidel nicht zugegen.“ Die Brandenburger Polizei leitete unterdessen Ermittlungen gegen unbekannt ein. Dazu ermittele der Staatsschutz in der Gedenkstätte, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums, Mario Heinemann. Nach Angaben der Gedenkstätte ist es schon mehrfach zu solchen Vorfällen mit Besuchergruppen gekommen.

Das Internationale Auschwitz Komitee zeigte sich empört. „Die AfD und ihre Kernklientel entpuppen sich immer deutlicher als Ableger vom braunen Stamm, deren Aktivitäten endlich vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollten“, verlangte Vizepräsident Christoph Heubner. „Dies belegen nicht nur die krakeelenden Auftritte von Frau Weidels Parteifreunden in der Gedenkstätte Sachsenhausen, die Überlebende des Holocaust beleidigen und erneut deutlich machen, dass antisemitisches und den Holocaust leugnendes Gedankengut in der AfD weit verbreitet ist.“

Beim Holocaust-Mahnmal nahe dem Brandenburger Tor in Berlin sind indessen vergleichbare Fälle mit Besuchergruppen nicht bekannt. „Wir können derartige Vorfälle nicht berichten“, sagte eine Sprecherin der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas am Freitag. Es kämen jährlich rund 2300 Gruppen, darunter etwa 70 bis 80 des Bundespresseamtes. Darunter seien auch AfD-Gäste angemeldet und zum Teil bereits dort gewesen - „unauffällig“, wie es hieß.

(dpa/uf)