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| 15:26 Uhr

Reaktionen zur RUNDSCHAU-Umfrage
Ärztemangel in der Lausitz löst heftige Debatte unter Lesern aus

 Volle Wartezimmer, lange Wartezeiten: Viele Leser haben sich kritisch zu der medizinischen Betreuung in der Lausitz geäußert.
Volle Wartezimmer, lange Wartezeiten: Viele Leser haben sich kritisch zu der medizinischen Betreuung in der Lausitz geäußert. FOTO: Patrick Pleul
Cottbus. Zahlreiche Leser haben auf die Auswertung der aktuellen RUNDSCHAU-Umfrage unter 1350 Befragten zum Thema Ärztemangel in der Lausitz reagiert. Auf unseren Aufruf hin schildern sie ihre persönlichen Erlebnisse zu langen Wartezeiten und fehlenden Fachärzten. Sie bestätigen die Ergebnisse nicht nur, sondern setzen sogar noch eine Schippe drauf. Von Rüdiger Hofmann

Alexander Krüger aus Calau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) berichtet von seiner 14-jährigen Tochter, die über Sehschwächen und Kopfschmerzen klagt. „Telefonate und persönliches Vorsprechen ergaben, dass sich kein Augenarzt gewillt gezeigt hat, eine neue Patientin aufzunehmen“, so Krüger. Mit dem Verweis auf das jugendlichen Alter zeigte man dann Entgegenkommen, dieses wurde aber nach Nennung des Wohnortes schnell wieder zurückgezogen. „Augenärzte in Senftenberg, Luckau und Lübbenau zeigten sich nicht zuständig. Bei dem Augenarzt in Vetschau habe es nur eine Bandansage gegeben. „Letztendlich bekamen wir in Großräschen für Februar 2018 einen Termin“, sagt Krüger. „Wenn man den Altersdurchschnitt der Fach- und Hausärzte sieht, wird es wohl in den nächsten Jahren kaum besser werden, wohl eher schlechter.“

Henriette Wettin aus Cottbus bestätigt die Probleme. „Es wird immer schlimmer. Da wundert man sich, wenn viele gleich in die Rettungsstelle gehen. Wenn man Probleme mit dem Bewegungsapparat hat, braucht man sofort einen Orthopäden-Termin und nicht erst in einem halben Jahr!“

Das sieht auch Angelique Wandtke aus Cottbus so: „Das stimmt, und das ist unerhört! Wenn man wirklich ernsthaft erkrankt ist, möchte man nicht monatelang auf einen Termin warten!“

Jan Hufenbach schreibt uns: ...und so entsteht ein ganz grauenhafter, zunehmender Druck und Fahrt gewinnender Kreislauf von genervten Patienten, die auf genervte Ärzte treffen, die genervte Patienten haben...usw. Nebenbei werden die Menschen immer älter und kränker, die Alten- und Pflegeplätze und Heime im Verhältnis aber weniger, das Pflegepersonal ebenso.

Denise Wolff ergänzt: „Und hat man endlich mal einen Termin, wird man abgespeist und teilweise von oben herab und unter aller Würde behandelt. Sofern sich überhaupt die Zeit genommen wird“, so Wolff.

Erika Schmidt kritisiert die zunehmenden Kosten im Gesundheitswesen. „Die Kassenbeiträge steigen und steigen. Überall fehlen Ärzte und nichts passiert.“

Marina Kieschke empfindet das Problem des Ärztemangels und langer Wartezeiten auch überregional. „Die Probleme gibt es nicht nur in der Lausitz. Entweder nimmt man lange Wartezeiten in Kauf, oder man macht eine halbe Weltreise.“ Seit acht Monaten wartet sie auf einen Termin für ihren Sohn für eine spezielle Ergotherapie.

Carola Meinereiner sagt: „Auch die Allgemeinmediziner oder Hausärzte verweigern selbst bei einem Notfall die Patienten. In Luckau leider am eigenen Leib mehrfach erlebt. So viel zur freien Arztwahl.“

Daniela Riedt versucht seit mehr als drei Jahren einen Termin beim Psychologen zu bekommen. „Nicht mal meine Krankenkasse hat es geschafft, habe bis heute keinen Termin.“

Marita Leister aus Calau sagt: „Es ist auch in anderen Bundesländern nicht viel anders. Ich habe mehrere Praxen angerufen wegen eines Termins beim Kardiologen und hatte Wartezeiten bis acht Monate. Ich habe dann bei einer Praxis gefragt, ob erst der Deckel von der Kiste fallen muss, um zügig einen Termin zu bekommen. Die Antwort war mehr wie rotzfrech... dann brauchen sie keinen Termin mehr und es hat sich erledigt.“

Und Bibyane Jahn meint: „Beim Augenarzt kommst du erst gar nicht dran, wenn du nicht schon Patient bist.“

Maxi Schneider sieht die Situation ein wenig anders: „Insgesamt gesehen haben wir in Deutschland keinen Ärztemangel. Für die richtige regionale Verteilung und die zwischen den Fachdisziplinen muss die kassenärztliche Vereinigung sorgen. Bei diesem Verein liegt vieles im Argen. In vielen Großstadtbezirken unserer Republik kann man dagegen eher von Überversorgung sprechen - insbesondere dort, wo die Gut- bis Besserverdienenden wohnen.

Auch Roman Borchardt empfindet nicht unbedingt einen Ärztemangel in Deutschland oder der Lausitz: „Das Problem sind meines Erachtens nicht zu wenige Ärzte, sondern es ist das pauschalierte Vergütungssystem. Einige (Fach)-Ärzte bieten oft nur die Mindestzahl von Sprechstunden an. Die 3- oder 4-Tage-Woche ist dann auch eine Option. Wie dabei der Sicherstellungsauftrag umgesetzt wird, bleibt unklar. In der Grundversorgung wird schon mal das Überweisungskarussell angeworfen, anstatt sich selbst Gedanken zu machen. Andererseits ist die Erwartungshaltung infolge der Informationsflut bei den zum Teil verunsicherten Patienten auch hoch. Es ist genug Geld im System!“

Ein Thema, das also den Lausitzern unter den Nägeln brennt: Die RUNDSCHAU hatte rund 1350 Leser zum Thema medizinische Versorgung in der Region befragt. Dabei bewertete etwa jeder Dritte die Situation sowohl auf dem Land als auch in der Stadt als „katastrophal“. In erster Linie fehle es an Fachärzten wie Augen- oder Hautärzten, hinzu kämen sehr lange Wartezeiten von mehreren Monaten, so der Großteil der Umfrageteilnehmer.

Übrigens: Die LAUSITZER RUNDSCHAU hat ein Umfrage-Center ins Leben gerufen, um mehr über die Meinung der Lausitzer zu wichtigen und aktuellen Themen zu erfahren. Abrufbar ist es unter umfrage.lr-online.de. Mit der Teilnahme an Befragungen können Prämienpunkte gesammelt und gegen Einkaufs-Gutscheine getauscht werden. Das Mitmachen ist kostenlos: Man lässt sich über eine Basisumfrage registrieren, erhält ein Passwort und ist Mitglied.