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| 16:21 Uhr

Anti-Wolfs-Demo in Potsdam
Bauern und Dorfbewohner fordern Abschuss von Wölfen

Potsdam. Wird der Wolf bald gejagt wie Wildschwein, Hirsch & Co.? Wenn es nach einigen Weidetierhalter geht, dann ja. Sie machen bei einer Demonstration am Samstag in Potsdam ihrem Unmut über Isegrim lautstark Luft.

Mehr als 200 Landwirte, Schäfer, Jäger und Dorfbewohner haben vor dem Landtag in Potsdam gegen die Ausbreitung der Wölfe protestiert. Aufgerufen zu der Demonstration hatte am Samstag der Bauernbund. «Wir fordern die Landesregierung auf, große Teile des Landes zu wolfsfreien Zonen zu erklären», forderte Bauernbund-Präsident Marco Hintze auf der Kundgebung. «Überall, wo Menschen und Weidetiere sind, müssen Wölfe konsequent gejagt werden.»

Die zunehmende Zahl von Wölfen sei eine existenzielle Bedrohung für Weidetierhalter, betonte Hintze. Denn immer häufiger würden Weidetiere von Wölfen gerissen. Daher müsse der Wolf in das Jagdrecht aufgenommen werden. «In Brandenburg gibt es inzwischen vier Mal so viele Wölfe wie in ganz Schweden», meinte Hintze. «Und dort wird der Wolf konsequent gejagt.»

In Deutschland ist der Wolf bislang streng geschützt. Das Umweltministerium geht davon aus, dass mittlerweile 37 Rudel und ein Wolfspaar in Brandenburg leben. Mit der Ausbreitung der Wölfe stieg auch die Zahl der Risse von Nutztieren. Nach Angaben des Ministeriums wurden in den Anfangsjahren der Wolfsverbreitung in Brandenburg von 2007 bis 2015 jährlich rund 64 Nutztiere gerissen. Im Jahr 2016 seien es bei 90 registrierten Vorfällen bereits 247 Nutztiere und im vergangenen Jahr bei 115 Vorfällen 394 Nutztiere gewesen.

Heftige Kritik übte der Forstwirt Christoph Rechberg vom Waldbesitzerverband an der Wolfsverordnung, die Brandenburg im Februar als erstes Bundesland erlassen hatte. Damit soll das Töten von Wölfen, die mehrfach Tiere gerissen haben oder Menschen zu nahe kamen, als letztes Mittel geregelt werden. «Die Verordnung bietet keinen Schutz für Nutztiere vor Wölfen - sondern schützt die Wölfe, die Nutztiere gerissen haben», kritisierte Rechberg. Er forderte zudem einen Rechtsanspruch der Bauern und Schäfer auf hundertprozentige Entschädigung nach Wolfsrissen. Bislang könnten die Bauern nur nach einem Antrag auf 80 Prozent hoffen.

Die Demonstranten trugen Schilder mit Forderungen wie «Sperrt die Wölfe ein - und nicht die Schafe» und «Schafe auf die Weide - Wölfe in den Zoo». Zu der Demonstration waren auch Dorfbewohner-Initiativen aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein gekommen, die ebenfalls «wolfsfreie Zonen» in ihren Regionen fordern.

(dpa)